Felsbrocken schlagen Schneise in den Wald und donnern auf die B 465

Mit einem lapidaren Steinschlag ist nicht zu beschreiben, was am Dienstag hangabwärts auf die B 465 gedonnert ist und auf seinem Weg Bäume zu Streichhölzern degradierte. Immerhin gab es keine Verletzten.

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Am Dienstag gegen 6 Uhr donnerten fünf jeweils etwa einen Kubikmeter große Felsbrocken zwischen 400 bis 500 Meter talwärts auf die B 465 zwischen der Georgii-Siedlung und dem Abzweig nach Wittlingen.

Die vor wenigen Monaten erst nach langer Sanierung für den Vekehr freigegebene Bundesstraße musste gesperrt werden. Nach einer Mitteilung des Landkreis Reutlingen könne die Straße frühestens am Dienstagabend freigegeben werden. Die Bergwacht kontrolliere noch die Felsformationen am Hardberg. Eine entsprechende Umleitung sei ausgeschildert.

Die am Dienstagmorgen herabgestürzten Felsbrocken hatten so viel Wucht, dass sie eine circa 15 Meter breite Schneise in den Hangwald schlugen und unten nach dem Aufprall auf die Straße teilweise über die Leitplanke sprangen. Eine Anwohnerin habe Geräusche im Wald gehört. Anschließend habe sie die Polizei verständigt, wie es in der Mitteilung des Landkreises heißt. Außer dem Schaden, dem sie Wald, Straßenbelag und Leitplanke zufügten, blieb der Steinschlag folgenlos. Zum Glück, wie der Leiter des Kreisstraßenbauamts, Udo Pasler, resümiert: Nicht auszudenken, was hätte passieren können. Einen vollbesetzten Schulbus hätte es gar nicht gebraucht, damit aus dem Steinschlag eine Katastrophe wird. Ein Mini-Cooper hätte dazu vollkommen genügt. Es stellt sich die Frage, ob die entlang der Bundesstraße im Zuge der Sanierung abgeholzten Bäume nicht hätten Schlimmeres verhindern können. „Nein“, lautet die auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruhende Antwort Paslers. Bäume könnten oben allenfalls verhindern, dass der Stein ins Rollen kommt. Wenn so ein Brocken aber mal in Fahrt ist, spielt es kaum mehr eine Rolle, ob da unten noch einige Bäume stehen.

Vergangene Woche musste die Stuhlsteige in Pfullingen wegen Steinschlags gesperrt werden, im Grunde, so Pasler, sind derzeit alle Steigen gefährdet. Schuld haben die zahlreichen Wechsel zwischen Frost und Tau, die in diesem Winter, bei Temperaturen, die ständig um den Nullpunkt herumspringen, besonders häufig vorgekommen sind. Dazu viel Schnee und Regen, „das ist tödlich“, wie Pasler bilanziert. Wasser dringt in die fürs Kalkgestein typischen Klüfte, gefriert, taut, dehnt sich dabei und sprengt das Gestein weg. Wenn dann der Klebeeffekt des Eises den Stein nicht mehr hält, kommt es zum Steinschlag. Die am Dienstag abgestürzten Felsbrocken haben bis zum Aufschlagen auf die Straße etwa 400 Meter zurückgelegt und allein deswegen beim Aufprallen eine enorme kinetische Energie mitgebracht.

Die für die Verkehrsteilnehmer unangenehme Nachricht: Es bringt wenig, auf andere Strecken auszuweichen. Was vergangene Woche in Pfullingen und am Dienstag in Bad Urach passiert ist, kann sich heute schon in jeder anderen Steige ereignen. Das Kreisstraßenbauamt weiß um diese Gefahren. Deswegen besichtigen Spezialisten zwei Mal im Jahr die Steilhänge und Felsen. Im schwierigen Gelände auch mit Hilfe der Bergwacht, deren Kletterer sich von oben abseilen. Hangsicherungen wie etwa an der Wittlinger Steige können nicht die Lösung sein: „Sonst müssten wir das überall machen“, sagt Pasler. Unbezahlbar. Für die Hanner Steige allerdings existieren solche Überlegungen, bestätigt er.

Die Schäden an der B 465 werden zügig repariert. Gesperrt werden muss die Straße dazu halbseitig. Ganz allenfalls für wenige Minuten.

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