Erfolgsmodell feiert Geburtstag

Mehrere 100 Gratulanten fanden sich am Freitag zur Geburtstagsfeier im Diegele zusammen. Vor zehn Jahren ging dort die Mensa in Betrieb: Eine Erfolgsgeschichte begann.

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  • Das Mensa-Team mitten in der Schülerschar: Gemeinsam mit der Schulband feiern sie den Mensa-Geburtstag. 1/2
    Das Mensa-Team mitten in der Schülerschar: Gemeinsam mit der Schulband feiern sie den Mensa-Geburtstag. Foto: 
  • Festakt für die Mensa: Schüler, Lehrer, Stadt und Ehrenamtliche freuen sich über das gelungene Projekt. 2/2
    Festakt für die Mensa: Schüler, Lehrer, Stadt und Ehrenamtliche freuen sich über das gelungene Projekt. Foto: 
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  Die Mensa ist für Lehrer und Schüler nicht allein ein Ort, an dem sie gut essen können, sondern auch ein Platz, an dem sie Ruhe und Entspannung finden, sagt Friedemann Schlumberger, Direktor des Graf-Eberhard-Gymnasiums. Deshalb  habe die Einrichtung längst einen festen Platz im Schulalltag gefunden. Dass sich die Kantine zu einem beliebten Treffpunkt entwickelte, so Schlumberger, sei insbesondere jenem Team zu verdanken, das für deren Betrieb verantwortlich zeichnet. Für ihre Leistung erhielten die Frauen und Männer am Freitag Blumen als Dankeschön und viel Lob für ihre gute Arbeit.

Schlumberger gestand in seiner Begrüßungsrede, er habe zunächst nicht damit gerechnet, dass der Mensa-Betrieb derart reibungslos funktioniere. Er behielt Unrecht, was auch ein Verdienst von Gudrun Ostertag ist, die das Mensa-Team leitet. Lautstarken Beifall für die Arbeit des Teams spendeten freilich nicht nur die Honoratioren, sondern auch die gut 300 Lehrer, Schüler und ehrenamtlich Engagierten, die zur kleinen Geburtstagsfeier ins Diegele gekommen waren.

Vor zehn Jahren ging die Mensa in Betrieb und wird seither vom Gymnasium und der Realschule genutzt. Geöffnet ist das Haus keineswegs nur zur Mittagszeit, sondern es dient während des gesamten Schultages als Cafeteria. Das ist möglich, so Schlumberger, weil die Mensa von der Bruderhaus-Diakonie betrieben wird, die im Diegele Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap schuf.

Zudem bot das Gebäude bereits diversen Diskussionsforen, Lesungen oder Aufführungen ein Dach über dem Kopf, führte Friedemann Schlumberger aus: „Wir wollten von Anfang an nicht nur eine Mensa, sondern auch eine Aula.“

Für Bürgermeister Elmar Rebmann feierte am Freitag ein Erfolgsmodell Geburtstag. Die Zusammenarbeit zwischen den Schulen, der Stadt und der Bruderhaus-Diakonie funktioniere reibungslos, betonte Rebmann. Die Uracher Mensa biete Schülern und Lehrern nicht nur die Möglichkeit, sich gesund zu ernähren, sondern sie sei zudem ein Ort, um soziale Kontakte zu knüpfen. Für die Schüler sei es eine wichtige Erfahrung, im Alltag mit behinderten Menschen umzugehen und zu sehen, wie gut die Zusammenarbeit funktioniere. Als Schüler, gestand Rebmann, hätte er auch gerne ein solch attraktives Café direkt vor der Klassenzimmertüre gehabt.

Gerhard Droste, Leiter der Bruderhaus-Diakonie Werkstätten in Bad Urach und Dettingen, erinnerte an die Anfangszeit der Mensa. Seit den 1990er Jahren sei verstärkt darüber nachgedacht worden, im Dienstleistungsbereich Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen zu schaffen, erklärte er. In Dettingen entstand zudem mit der Eröffnung der Bruderhaus-Werkstatt erstmals eine Gruppe im Hauswirtschaftsservice. Für diese ergab sich dann mit der Uracher Mensa ein ideales Betätigungsfeld.  Den Anstoß dazu gab ein Gespräch zwischen Gerhard Droste und Friedemann Schlumberger: „Ich fragte“, schildert Droste, „ob sich der Schulleiter vorstellen könne, die Kantine von einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen betreiben zu lassen.“  Dieser Gedanke habe keineswegs nahe gelegen, damals ebenso wenig wie heute. Obschon die Debatte um Inklusion in den vergangenen Jahren mächtig Fahrt aufgenommen habe. Das Ziel freilich, dass Verschiedenheit nicht benachteiligen dürfe, sei längst noch nicht erreicht, sagt Droste. Auf diesem Feld beweise die Bad Uracher Mensa allerdings seit  zehn Jahren, dass es auch anders gehe: „Tag für Tag kommen hier ein paar 100 Schüler in die Mensa und erhalten ein Angebot wie in jeder anderen Kantine.“

Über das Angebot, das aufgetischt wird, sei zu Beginn häufig diskutiert worden, erinnert sich Droste. Dass Menschen mit Behinderung hinter der Theke stehen, „war dagegen kein oder kaum ein Thema. Das könne nicht hoch genug eingeschätzt werden“.  Um diese Akzeptanz zu erreichen, hätten die Partner einiges investiert: „Wie so oft ist auch hier die Frage der Haltung entscheidend.“ Die gesamte Schulgemeinschaft, vor allem Schulleiter Friedemann Schlumberger und die Stadt Bad Urach, hätten jedenfalls nie einen Zweifel daran gelassen, dass Menschen mit Behinderung dazu gehörten.

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