Ein Schlag ins Gesicht aller Obstwiesenbesitzer

Der Verein "Schwäbisches Streuobstparadies" beklagt die niedrigen Preise für Mostobst. Das sei ein Schlag ins Gesicht aller Obstwiesenbesitzer, sagt Esslingens Landrat Heinz Eininger, der Vorsitzende des Vereins.

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Mit 3,50 Euro pro 100 Kilo Mostobst begann die Streuobsternte im Schwäbischen Streuobstparadies. Seit Ende August ist der Preis auf fünf Euro gestiegen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Streuobstwiesen-Bewirtschafter“, sagt der Vorsitzende des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies, der Esslinger Landrat Heinz Eininger.

Das aufwendige Bewirtschaften der Streuobstwiesen wird mit diesem lächerlichen Preis geradezu verhöhnt“, ergänzt Maria Schropp, die Geschäftsführerin des Vereins. Dass die Landesregierung eine Pflegeförderung für den Baumschnitt auf den Weg bringt, sei derzeit der einzige Lichtblick. Auch wenn die Mittel sicher nur für einen Bruchteil der Bäume ausreichen würden, so Schropp, sei es doch ein Schritt in die richtige Richtung: Eine finanzielle Unterstützung der Streuobstwiesen-Bewirtschafter.

Große Sorge bereitet dem Verein der historische Tiefpreis für das Mostobst. „Hätten wir vernünftige Preise und die notwendige Wertschätzung für Streuobst-Produkte, wären die Fördergelder für die Streuobstpflege nicht so bitter nötig“, sagt Schropp. Das Schicksal der Schwäbischen Streuobstwiesen, erklärt sie, werde allerdings auf dem Weltmarkt entschieden und weltpolitisch beeinflusst. Wie der aktuelle Mostobstpreis zustande komme, sei schwer nachzuvollziehen. Das Streuobstparadies habe deswegen bei einigen Mostereien nachgefragt, um den Grund für die niedrigen Preise zu verstehen. Dort hieß es, wegen der Rekordernte müssten bis zu 75 Prozent des Saftes weiterverkauft werden, weil er sich in der Region nicht absetzen lasse. „Verkaufen müssen die Keltereien dabei zum Weltmarktpreis, der durch billiges Obst aus dem europäischen Ausland im Keller ist“, sagt Schropp. Und dieses Preisniveau ist so niedrig, weil schätzungsweise vier Millionen Tonnen Obst, auch bedingt durch den Importstopp nach Russland, zu absoluten Ramschpreisen auf den Markt gelangen.

Ob ein Lieferboykott, wie vom Nabu diskutiert, Abhilfe schafft? „Das würde auf jeden Fall für Aufmerksamkeit sorgen, das Problem aber nicht lösen“, erklärt Schropp. Der Verein will vielmehr den Fokus auf Produkte legen, die bessere Preise erzielen und mehr Wertschätzung vom Kunden erfahren. Sie sollen stärker entwickelt und vermarktet werden. Das Vorhaben sei jedoch wegen des harten Preiskampfes nicht einfach umzusetzen.

Der Vorsitzende, Landrat Eininger, appelliert deswegen an die Verbraucher, Saft von solchen Initiativen zu beziehen, die angemessene Preise fürs Obst bezahlen. „Wenn alle Baden-Württemberger auch nur Apfelsaft aus Baden-Württemberg trinken, könnte sich die Region vom Weltmarktpreis besser abkoppeln“, sagt Schropp, und fordert deswegen eine Kennzeichnungspflicht.

Info Nähere Infos zu Aufpreis-Saftinitiativen gibt es unter www.streuobstparadies.de

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