Ein Pflänzchen, das gedeihen möge

Auf der Suche nach einer sicheren Zuflucht sind rund 30 Flüchtlinge nach Bad Urach gekommen. Ein neu formierter Arbeitskreis Asyl kümmert sich um sie, zwei Mal fand bereits ein Asyl-Café statt.

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Wer sie sind und woher die in Bad Urach lebenden Asylbewerber kommen, das weiß Diana Schmid-Grammel noch nicht genau. Doch eines ist der Mitinitiatorin des Arbeitskreises Asyl in Bad Urach sehr wichtig: Die Menschen, die zum Teil durch die Hölle gegangen seien, willkommen zu heißen und ihnen eine Begleitung auf Augenhöhe bieten zu können. Zum zweiten Mal fand am gestrigen Donnerstag nun im Hartensteinhaus ein Asyl-Café statt: „Wir wissen nicht, was uns erwartet“, hatte Schmid-Grammel vor der ersten Zusammenkunft erklärt. „Auch für uns ist es spannend, wer kommt und wie es läuft.“ Eine syrische Familie war es letztlich, siebenköpfig und trotz der Sprachprobleme kam ein lebhafter Austausch zustande. „Es waren auch zwei Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde da“, freut sich Diana Schmid-Grammel, einer davon konnte Arabisch.

Der Arbeitskreis Asyl ist noch ein kleines, zartes Pflänzchen. Das soll laut Diana Schmid-Grammel mit Bedacht wachsen, der Einstieg ist bewusst sanft gewählt: Derzeit gehören der Gruppe fünf Ehrenamtliche an: „Wir möchten für die Menschen, die ihre Heimat in Not verlassen mussten, eine Wohlfühl-Atmosphäre schaffen“, erklärt sie. Immerhin müsse man sich erst einmal kennen lernen, auch die Asylsuchenden untereinander. Wegen der dezentralen Unterbringung in verschiedenen Wohnungen in der Stadt seien die Flüchtlinge auf sich alleine gestellt und hätten untereinander kaum bis gar keinen Kontakt. Das wird sich durch das Asyl-Café ändern, mit dessen Etablierung soll auch der Arbeitskreis Asyl „gesund“ größer und die kommenden Aufgaben dann auf noch mehr Schultern verteilt werden.

„Es wird sich durch den persönlichen Kontakt ergeben, wie wir diese Menschen unterstützen“, erklärt Diana Schmid-Grammel. Das kann die Hilfe bei Behördengängen ebenso sein wie die Begleitung zum Arzt, durchaus vorstellbar sei auch die Organisation von Sprachkursen und einer Hausaufgabenbetreuung für Kinder, auch könne man Kontakte zu anderen Gruppen herstellen.

Diana Schmid-Grammel hofft, für eine ehrenamtliche Mitarbeit im Arbeitskreis Asyl auch Menschen mit Migrationshintergrund begeistern zu können: „Das wäre eine Bereicherung.“ Insgesamt soll es sich um eine überkonfessionelle Gruppe handeln: „Es können alle mithelfen, egal welcher Glaubensrichtung sie angehören.“

Diana Schmid-Grammel wollte sich angesichts der Not der Flüchtlinge in irgendeiner Form ehrenamtlich einbringen, auf der Suche nach einem Betätigungsfeld blieb sie bei David Roth und dem Arbeitskreis Asyl Metzingen hängengeblieben: „Er meinte, ich soll in Bad Urach bleiben, da entstehe einiges.“ Und seit Oktober hat sich in der Tat vieles getan, Diana Schmid-Grammel und Matthias Buck haben seither mit Unterstützung von Susanne Schur von der Diakonischen Bezirksstelle und Sozialarbeiter Jürgen Jünger vom Landratsamt Reutlingen, zuständig für Flüchtlingsarbeit im Kreis Reutlingen, den Arbeitskreis Asyl aufgebaut und in einem ersten Schritt das Asyl-Café etabliert. Dafür hat das Duo Schmid-Grammel und Buck viele Gespräche geführt, Kontakte geknüpft und ein Netzwerk gespannt, unter anderem zu den Arbeitskreisen Asyl in Metzingen, Dettingen und Münsingen, zu Bürgermeister Elmar Rebmann, Pfarrer Wilhelm Keller von der evangelischen Kirche, dem katholischen Pfarrer Alain, Vertretern der islamisch-türkischen Gemeinde und dem interkulturellen Freundschaftsverein. „Bei allen werden uns die Türen weit aufgemacht“, freut sich Diana Schmid-Grammel.

Auch beim Start des Asyl-Cafés wurde der Arbeitskreis tatkräftig unterstützt: Ein Uracher Bäcker steuert kostenlos Gebäck bei, vom Tafelladen gab’s Spiele und Bilderbücher, das Evangelische Jugendwerk stellt den Raum zur Verfügung, die Finanzen sind über den Diakonieverband geregelt und von Pro-Urach kam eine kleine finanzielle Unterstützung. Es wurde eine mehrsprachige Einladung gestaltet, die über Jürgen Jünger bei den Flüchtlingen verteilt wurde. Eines sei klar, so Diana Schmid-Grammel: „Der Arbeitskreis Asyl und das Asyl-Café sind keine fertige Sache. Beides ist am Werden und Wachsen.“ Das sei auch notwendig: „Die große Flüchtlingswelle wird noch kommen“, weiß sie. Dann werden auch nach Bad Urach noch mehr Menschen ziehen, die in großer Not ihre Heimat verlassen mussten – und für sie wolle der Arbeitskreis Asyl da sein.

Info Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Mitarbeit am Arbeitskreis Asyl Bad Urach hat, kann sich unter der E-Mail akasyl.badurach@web.de melden und mit der Gruppe in Kontakt treten.

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