Ein Knochenjob

Wieder einmal ist eine Steige von Bad Urach auf die Alb gesperrt. Doch die Autofahrer sollten nicht über den nunmehr notwendigen Umweg murren, schließlich dienen die Arbeiten am Hang ihrer Sicherheit.

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Wenn der Winter an Kraft verliert, schickt das Landratsamt die Mitarbeiter der Straßenmeistereien ins Gelände, um die Felsen entlang der Steigen in Augenschein zu nehmen. Denn Schmelzwasser sowie auftauendes Eis besitzen die Kraft, Teile oder ganze Stücke der Felsen abzusprengen, was sie womöglich zur Gefahr für den automobilen Verkehr werden lässt. Unabhängig von der jährlichen Prüfung nimmt die Behörde in regelmäßigen Abständen alle Felsformationen im Kreis unter die Lupe, letztmalig erfolgte das 2013, wie Frank Söll, Sachgebietsleiter Straßenbetriebe und Erhalt beim Kreisstraßenbauamt, erläutert. Würden alle begutachteten Felsen aneinandergereiht, sagt er, müssten die Fachleute die stattliche Wegstrecke von 30 Kilometern zurücklegen.

Expertenrat in Sachen Fels holt sich die Behörde auch vom in Freiburg beheimateten geologischen Landesamt beziehungsweise von regional ansässigen Büros. Am Ende aller Mühen steht ein so genanntes Gefährdungsgutachten, wie Frank Söll erläutert, das nicht nur umfangreich ist, sondern auch Prioritäten vorgibt. Diese reichen von „unmittelbar“ bis zur Kategorie „bis in einigen Jahren“.

Bedarf, sich um die Sicherheit des Verkehrs zu kümmern, sahen die Fachleute nach eingehender Prüfung auch an der Hanner Steige, weswegen die Straße seit dem 16. März gesperrt ist. Kehre für Kehre arbeiten sich die beauftragten Fachleute sowie die Mitarbeiter des Straßenbauamtes seither von der Alb ins Tal. Ein großer Teil der Verantwortung liegt dabei auf den Schultern der Männer, die die Firma Sachtleben aus Wolfach im Schwarzwald stellt. Sie sind, gesichert mit Seilen, Karabinern und Helmen, im Gelände unterwegs, um die Felsen von losem Gestein oder Bruchstücken zu befreien. Gleichzeitig gehört es zu ihren Aufgaben, Bäume oder Hecken, deren Wurzeln auf die Felsen drücken können, auf den Stock zurückzuschneiden. „Das ist ein Knochenjob“, sagt Frank Söll über die Tätigkeit der Männer. Zumal, wenn wie diese Woche, nasskaltes Wetter Einzug hält und Nebelschwaden den Blick auf den Albtrauf versperren. Die Arbeit im Hang erfolgt weitgehend von Hand, schließlich soll so wenig Schaden wie möglich angerichtet werden. Ohnehin, betont Söll, ist all das, was geschieht, aufs Engste mit dem Naturschutz abgestimmt, der in seiner Behörde einen hohen Stellenwert genieße.

Wenn es darum geht, an den Albfelsen zu werkeln, ist jedes Mal besonderes Fingerspitzengefühl von Nöten, da die Felsen den Status einen Biotops besitzen. Überdies liegen diverse Schutzkriterien über der Landschaft rund um die Hanner Steige, unter anderem ist sie als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Und tatsächlich: Das notwendige Artenschutzgutachten ergab, dass einer der Felsen über der Straße die typischen Merkmale eines Uhu-Nistplatzes trägt. Der Vogel steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten, genießt also höchsten Schutz. Deswegen rühren die Fachleute diesen Felsen auch nicht an, sondern übersteigen ihn lediglich, um eine Bestandserhebung zu ermöglichen. Auf diese Weise gehen die Fachleute entlang der gesamten Steige vor, um anschließend gesicherte Erkenntnisse über den Zustand der Felsen zu erhalten. Die ermittelten Fakten werden anschließend ausgewertet, sodass geklärt werden kann, ob der Fels Gefahrenpotenzial birgt und die Fachleuten noch einmal anrücken müssen.

Was die Männer aus Wolfach derzeit aus dem Hang oberhalb der Hanner Steige räumen, landet auf der Straße und wird im Anschluss von der Straßenmeisterei Eningen abtransportiert. Die Felsen gelangen in einen Steinbruch, Äste und Baumstämme werden gehäckselt und anschließend dazu verwendet, Wärme zu erzeugen.

Seinen Einsatz an der Hanner Steige hat das Straßenbauamt eng mit den Kollegen vom Kreisforstamt koordiniert, erklärt Frank Söll. Denn der Forst nutzt die Gelegenheit, um auf das Eschentriebsterben zu reagieren: Kranke und gefährdete Bäume lässt er mit Hilfe eines Spezialkrans aus dem Hang schaffen.

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