Ein Beitrag zum Landschaftserhalt

Großer Bahnhof in der Brennscheuer Straßer. Aus Anlass des fünfjährigen Bestehens des Biosphärengebiets kam Regierungspräsident Hermann Strampfer in den Dettinger Vorzeigebetrieb.

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    Manuel Straßer zeigt Regierungspräsident Strampfer seine Brennerei. Fotos: Norbert Leister
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    Die Ermstäler Knospelkirsche gehört zu den besten Früchten.
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Das Biosphärengebiet sowie das damit verbundene Zusammenspiel von Vereinen, Kommunen, Obstbauern, verschiedenen Betrieben, Firmen und Landwirten - all das hat Manuel Straßer überzeugt. Eigentlich hatte der Dettinger ja die Lehre der Betriebswirtschaft an einer Dualen Hochschule studiert und gleichzeitig bei einer Automobilfirma gearbeitet.

Den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern kannte er natürlich, aber eine Zukunft gab er ihm nicht - trotz Selbstvermarktung, trotz Wochenmärkten und trotz der eigenen Brennerei. "Erst mit dem Biosphärengebiet ergab sich eine Perspektive", erläuterte der Betriebswirt, der zusätzlich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Brenner absolviert hat.

"Mein Glück war, dass ich nach meinem Studium noch Zivildienst machen musste und deshalb Zeit hatte, mir alles zu überlegen", sagte Straßer junior beim Besuch des Regierungspräsidenten Hermann Strampfer und einer Abordnung der Biosphärengebietsleitung.

In der Zeit von Straßers Zivildienst ist das Biosphärengebiet entstanden, eine Chance, die sich der junge Mann nicht entgehen lassen wollte. Zumal sich mit der Idee einer Brennscheuer nicht nur marktwirtschaftlich Gewinne erzielen lassen, sondern die Familie Straßer auch aktiv dazu beiträgt, die Streuobstwiesen in Dettingen zu erhalten und zu pflegen.

Als Anreiz für die Nebenerwerbs-Obstbauern in Dettingen zahlen die Straßers Aufpreise für das Obst, wenn es bei ihnen abgeliefert wird. So auch für die Knorpelkirsche, eine Dettinger Spezialität, die vor kurzem erst von Slowfood als solche geadelt wurde, wie Manuel Straßer betonte.

Der Großhandel lehne diese besondere Kirsche aber ab, weil sie das Normmaß von 25 Millimeter nicht erreicht. "Aber der Geschmack ist deutlich besser als bei den größeren Kirschen", erläuterte Seniorchef Otto Straßer. Strampfer ließ sich überzeugen, er kostete einige der bissfesten Früchte. "Früher waren hier im Ermstal 60 Prozent der Kirschen Knorpelkirschen, heute sind es gerade noch 40 Prozent", sagte Manuel Straßer.

Um diese besondere Frucht zu erhalten, gab es eine Zusammenarbeit mit der Universität in Hohenheim, gemeinsam wurde ein spezieller Ermstäler Kirschlikör entwickelt. "Wir machen aber nicht nur Kirschwasser, sondern entsteinen die Kirschen auch", sagte Otto Straßer.

Dadurch werde der leicht bittere Geschmack entfernt, das Destillat munde dann feiner, milder, fruchtiger. Und dies ohne zusätzliche Zugabe von Zucker, denn so etwas gibt es in der Brennscheuer nicht. Ebensowenig wie künstliche Aromen. Der Geschmack werde einfach dadurch verstärkt, dass auch etwa bei den Palmischen Birnen - einer fast vergessenen Frucht, die noch deutlich besser schmecke als Williams Christ - durch das Entfernen von Stil und Kerngehäuse der fruchtige Geschmack deutlich mehr zur Geltung komme.

Hermann Strampfer und auch Petra Bernert als Leiterin des Biosphärengebiets zeigten sich überzeugt von den Bemühungen und Ausführungen der Straßers, auch als es um all die fachlichen Dinge beim Brennen ging. Ihr Urteil: "Wir wollten zum fünfjährigen Bestehen einen richtig biosphärischen Betrieb anschauen", sagte Bernert.

Mit der Dettinger Brennscheuer sei das vollauf gelungen, die Förderung durch Plenum erfolgte also zurecht für die Straßers - zumal sie ja durch ihre Tätigkeit dazu beitragen, die Kulturlandschaft der Streuobstwiesen zu erhalten.

Und sie auch noch weit über die Region hinaus bekannt zu machen, denn: Die Schaubrennerei steht in einem Bewirtungsraum. Da waren schon Busse voller Menschen aus ganz Baden-Württemberg da. "Und wenn die Gäste dann am Schluss auch noch das eine oder andere Produkt von uns mitnehmen, dann passt das doch", so Manuel Straßer.

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