Die grüne Neun und der Frühling

Dem Frühling wohnt ein eigener Zauber inne, weswegen ihn die Menschheit seit jeher mit besonderen Bräuchen begrüßt. Im Abendland haben sich dabei heidnische und christliche Traditionen verwoben.

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Die gesammelten Kräuter werden genau kontrolliert.

Für die christlichen Missionare dürfte es nicht ganz unkompliziert gewesen sein, den alten Germanen die Botschaft der Evangelien zu vermitteln. Um den Heiden die fremde Lehre verständlicher darzustellen und den althergebrachten Traditionen des Volkes nicht gänzlich den Garaus zu bereiten, deuteten die Botschafter des Christentums manch alten Feiertag und dessen Bräuche im Sinne ihrer Religion um.

Gerade im Osterfest sind deswegen verschiedene Traditionen eng miteinander verwoben: Hier haben sich germanische Frühlingsbräuche mit christlich-jüdischen Elementen vermischt. Das Osterlamm etwa erinnerte ursprünglich an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, ein Ereignis, das die Juden mit dem Passah-Fest begehen. Im Gedenken an die Gnade Gottes schlachten sie ein Lamm und verspeisen es mit Familie und Freunden. Im Christentum wandelt sich das Lamm zum Symbol für Christus, der den Opfertod erlitt und nach drei Tagen wieder auferstand. Auf diese Weise wird Jesus zum Hoffnungsträger für die gesamte Menschheit. Das christliche Osterfest kann deswegen auch als Fest des Lebens, der Freude und der Hoffnung bezeichnet werden.

An diesem Punkt wiederum verbindet es sich mit keltischen und germanischen Brauchtum. Ihnen galt die erwachende Natur im Frühling als Symbol des Neubeginns und der Lebenskraft. Fester Bestandteil der Festlichkeiten war eine aus neun Kräutern bestehende Suppe. Diese Tradition haben die Christen übernommen und mit dem Donnerstag vor Karfreitag verbunden, sagt Margret Engelbrecht, Kräuterpädagogin aus Hülben. Dieser Tage hat sie die Gründonnerstagsssuppe zusammen mit den Mädchen und Buben des Bad Uracher Waldkindergartens zubereitet. Die dafür notwendigen Ingredienzien fanden sich allesamt auf dem Kindergartengelände an der Pfähler Straße: Löwenzahn, Gundermann, Scharbockskraut, Gänseblümchen, Brennessel, Schafgarbe, Giersch, Labkraut und Spitzwegerich.

Allerdings sind die Zutaten zur Gründonnerstagssuppe von Region zu Region unterschiedlich, wie Margret Engelbrecht sagt, weil einzelne Kräuter in manchen Regionen Deutschlands früher als in anderen sprießen.

Doch egal, welches Grün in der Suppe landet, gesund ist eine solche Speise in jedem Fall. Die Wildkräuter enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe, die den Stoffwechsel und die Verdauung anregen. Das Scharbockskraut besitzt überdies viel Vitamin C. Das haben schon die Altvorderen gewusst, immerhin wurde die Seefahrerkrankheit Skorbut früher mit dem Namen Scharbok bezeichnet.

Der Ausruf "Grüne Neune" könnte sich ebenfalls auf die alte, germanische Kräutersuppe beziehen, sagt Margret Engelbrecht. Die heidnische Formel lautete wohl drei mal drei Zauberpflanzen für den Suppentopf. Das Gericht jedenfalls sollte helfen, den Winter auszutreiben und den Körper fürs Frühjahr kräftigen.

Das Wissen um die Kräuter war bei den alten Völkern groß, schließlich lebten und arbeiteten sie im Rhythmus der Natur, weswegen sie danach strebten, sich auf verschiedene Art und Weise mit ihr zu verbinden. Auch das versuchte Margret Engelbrecht den Mädchen und Buben des Uracher Waldkindergartens nahe zu bringen. Ebenso ermahnte sie die Kinder, äußerste Sorgfalt beim Kräutersammeln walten zu lassen, denn allzu schnell gerät eine giftige Pflanze ins Gericht. Ebenso gründlich muss der Koch beim Waschen des Grüns vorgehen. Und, sagt Margret Engelbrecht, wer mit Wildkräutern kochen möchte, der sollte diese zunächst unter den gewohnten Salat mischen, sonst mundet die Speise womöglich nicht, weil der Geschmack zunächst ungewohnt ist.

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