Die Geschichten des Herrn von Blech

Salah Naoura hat seine Fantasie bis ins Erwachsenenalter hinübergerettet: Einst dachte er sich Geschichten aus, heute schreibt er sie auf.

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Lesung mit Salah Naoura in der Gemeindebücherei. Foto: Kirsten Oechsner

In der zweiten Klasse lernen die Dettinger Grundschüler vieles: Das Einmaleins zum Beispiel oder die Rechtschreibung. Dieser Tage stand jedoch ein ganz ungewöhnliches Fach auf dem Stundenplan: Vorlesen. Die Aufgabe übernahm mit dem Kinderbuchautor Salah Naoura jemand, der schon als Kind viel Fantasie hatte und sie bis heute nicht verloren hat: "Ich habe von meinem Bett aus auf einen schwarzen Vorhang geblickt", erzählte er. "Ich habe mir vorgestellt, dass er eine Kinoleinwand ist und habe Geschichten erfunden."

Heute erfindet der Berliner, 1964 als Sohn einer Deutschen und eines Syrers geboren, immer noch Geschichten und schreibt sie sogar auf - doch nicht für sich alleine, sondern für Kinder. Und die hörten in der Gemeindebücherei begeistert zu, als der Autor aus seinen Büchern von Herrn von Blech vorlas: Der Spaßfaktor war hoch, die lustigen Geschichten um den durch einen Blitz zum Leben erwachten kleinen Roboter standen für Lachgarantie pur. Salah Naoura jedenfalls musste immer wieder verlängern, die Frage: "Wollt ihr noch mehr hören", wurde stets mit einem lauten "Ja" beantwortet.

Die Kinder der drei zweiten Klassen der Schillerschule erwiesen sich als sachkundiges Fachpublikum, in der Fragerunde gabs ein großes Lob für den vorlesenden Autor: "Sie haben super betont", meinte eine kleine Zuhörerin. Ihre Mitschüler trauten sich sogar, kleine Geheimnisse preis zu geben: "Ich habe mir schon Geschichten ausgedacht, der Papa hat sie dann in den Computer aufgeschrieben", hieß es aus einer Ecke. "Und ich habe meiner Schwester eine Geschichte zum Geburtstag geschenkt", meinte ein anderes Mädchen. Und ein weiteres erzählte, dass Mama ihre Geschichten immer korrigiert: "Das darf sie auf keinen Fall machen", gab Autor Naoura den Rat. "Das macht nichts aus, wenn da Fehler drin sind."

Er selbst ist ein Multitalent: Der Berliner schreibt nicht nur Kinderbücher sondern auch Gedichte - auch die mit viel Witz und Esprit. Am liebsten wäre er früher Illustrator von Kinderbüchern geworden, heute noch malt er gerne. Studiert hat er letztlich Deutsch und Schwedisch unter anderem in Stockholm, deshalb übersetzt er auch Bücher.

In der Gemeindebücherei überzeugte der Autor als locker-legerer Vorleser seiner eigenen Geschichten, die er lebendig vortrug. Werbung fürs Lesen hat er mit seinem Besuch bei den Dettinger Kindern jedenfalls gemacht: Büchereileiterin Sabine Makram freut sich über jeden, der durch die Veranstaltungen in der Bücherei zum Lesen animiert wird.

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