Die einst mit Herman Prey die Hymne sangen

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Für die Gründungsmitglieder des Musiktage-Fördervereins gab es eine Ehrung von der Vorsitzendes des Freundeskreises, Irmgard Naumann (rechts). Daneben steht Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann, links der zweite Vorsitzende. Dr Raimund Eisert.  Foto: 

Sie kommen oft seit mehr als drei Jahrzehnten, und sie kommen aus der ganzen Republik. Jedes Jahr im Oktober, jedes Jahr zur Musiktage-Zeit. Die Berlinerin Karin Dette zum Beispiel. Seit 1984 hat sie kaum eine Bad Uracher Konzertwoche verpasst. Und fast klar, dass die zierliche kleine Frau, leidenschaftliche Verehrerin des Festival-Gründers Hermann Prey, vorne mit dabei war. Damals, vor 20 Jahren, als sich 47 Klassik-Freunde entschlossen, einen Förderverein für die Herbstlichen Musiktage zu gründen.

In der „Ratstube“ saßen sie stundenlang zusammen seinerzeit, plaudern die Gründungsmitglieder beim Geburtstagsfest des Fördervereins aus dem Musikherbst-Nähkästchen. Gemeinsam mit dem früheren Kulturamtsleiter Andreas Schüle (er soll eine treibende Kraft gewesen sein), mit Hermann Prey, der ein Jahr später verstarb, mit Konzertfans aus Urach und dem ganzen Land.

Was tun, um dem renommierten Festival zu einem größeren Budget zu verhelfen? Das war die Frage im kulturpolitischen Klima der späten 90er-Jahre. Die öffentlichen Zuschüsse waren gesunken, die Ausgaben für Künstler und Konzerte dagegen stiegen immer mehr.

Auch der damals zuständige Ministerialdirgent des Landes habe gedrängt, die Uracher mögen selbst etwas zu ihrem Klassik-Herbst beitragen, schildert der langjährige Gründungsvorsitzende Manfred Frischknecht. „Da kamen wir auf die Idee, einen Verein zu gründen.“

So kam’s, dass am Gründungstag, dem 27. September 1997, besagte knapp 50 Förderkreis-Pioniere im Kursaal die Satzung unterschrieben: Die „Freunde der Herbstlichen Musiktage Bad Urach“ waren geboren.

Und apropos Freunde: „Freundschaft und Liebe“ heißt in diesem Jahr nicht nur das Motto des Festivals – Freundschaften werden vor allem im und um den Förderverein seit langem gelebt. Das betonten beim Geburtstagsfest in den „Vier Jahreszeiten“ sämtliche Redner, angefangen bei der heutigen Fördervereins-Vorsitzenden Irmgard Naumann bis hin zum künstlerischen Leiter Florian Prey, der dem Unterstützerkreis ein schönes Kompliment machte: „Das Thema des Festivals habe ich Ihnen gewidmet“, bekannte der Bariton, der schon als junger Mann gemeinsam mit seinem Vater, Prey-Senior, „im Sinkflug über die Alb“ nach Bad Urach gekommen war. Und das gerne, so Florian Prey: „Mein Vater hat hier eine Truppe von Menschen vereint, die seit vielen Jahren Freunde sind.“

Dann wäre da noch die finanzielle Seite: Gut 130 Mitglieder zählt der Förderverein heute – und die sind laut Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann „eine tragende Säule der Herbstlichen Musiktage“. Seit ihrer Gründung steuern die „Freunde“ jedes Jahr gut 10 000 Euro zum Etat des Festivals bei. „Das Budget von 250 000 Euro könnten wir ohne diesen Beitrag nicht decken“, unterstrich der Rathauschef.

Aber zurück zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Knapp 20 der 47 Vordenker leben noch, zehn Gründer feierten jetzt bei Maultaschen-Variationen und guten Gesprächen das 20-jährige Bestehen mit. Für sie gab’s denn auch eine besondere Ehrung von Vereinschefin Irmgard Naumann. Die umtriebige Chor-Funktionärin und Musikfachfrau ist erst die zweite Vorsitzende in der Geschichte des Fördervereins. Denn während die Zahl der Mitglieder immer mal wieder schwankt (etliche sind in den vergangenen Jahren verstorben), setzt die Führungsspitze des Vereins auf Kontinuität. Irmgard Naumann folgte auf den Ehrenvorsitzenden Manfred Frischknecht, an ihrer Seite agieren Dr. Raimund Eisert aus Amorbach (Vize) und Dr. Elke Schmelz (Beisitzerin) aus Bad Urach.

Zu den Gründungsmitgliedern zählt zudem der langjährige zweite Vorsitzende Heinz Ziegler aus Heusenstamm bei Frankfurt, aber auch viele Klassik-Enthusiasten aus der Region. Hartmut und Erika Dürr aus Bad Urach sind seit vielen Jahren dabei, ebenso wie Gisela und Max Baumann aus Oberstetten.

Was sie vereint? Ganz besondere Erinneringen. Etwa die an die deutsche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990. „Damals hat Hermann Prey mit uns die Nationalhymne gesungen.“

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