Die beste Botschaft

Die Buchhalde hat wieder einen Pfarrer. Michael Krimmer wird am Sonntag bei einem zentralen Gottesdienst in sein neues Amt eingesetzt. Der Seelsorger ist zudem beim Evangelischen Jugendwerk angestellt.

|
Theologe und Musikbegeisterter: Michael Krimmer ist neuer Pfarrer in Dettingen. Foto: Carola Eissler

Pfarrer Michael Krimmer kann sich erinnern, dass er schon in jungen Jahren mit der Gemeinde Dettingen-Erms konfrontiert wurde. Dann nämlich, wenn sich Autofahrer in Dettingen-Teck, wo sein Vater Pfarrer war, verirrt hatten, und sich herausstellte, dass sie eigentlich ins Ermstal wollten. Damals konnte er freilich noch nicht ahnen, dass er einmal genau in jener Gemeinde als Seelsorger wirken würde. Am morgigen Sonntagabend wird Krimmer in sein Amt als Pfarrer der Buchhalde eingesetzt. Ein 50-Prozent-Deputat. Und doch wie zugeschnitten auf den 35-Jährigen, der nunmehr Theologie und Musik verbinden kann. Denn Krimmer ist zusätzlich als so genannter Musikcoach beim Evangelischen Jugendwerk angestellt und sorgt von dort aus dafür, dass die Musik in landeskirchlichen Gottesdiensten modernisiert und aufgewertet wird. "Neue Lieder sind eine Zukunftsperspektive für die Gemeinden der Landeskirche", ist Krimmer überzeugt. Er betreut vom Jugendwerk aus die Mitarbeiter, die in Gemeinden gehen und zusammen mit den Ehrenamtlichen neue Wege in der gottesdienstlichen Musik beschreiten.

Der Sonntagabend wird für Krimmer gleich in zweierlei Hinsicht Eckpunkte setzen: zum einen wird seine bisherige Zeit als Studienassistent am Pfarrseminar beschlossen, zum anderen wird seine Zeit als Seelsorger für die Menschen in Dettingen wird beginnen. "Am Sonntag wird eine Brücke gespannt zwischen dem, was war, und dem, was jetzt kommt." Die Stelle in der Dettinger Pfarrei passt zu dem Theologen und Musikbegeisterten Krimmer. Denn er kommt hinein in eine Kirchengemeinde, die seit Jahren Neuem gegenüber aufgeschlossen ist, ohne das Traditionelle zu vergessen. Die direkte Arbeit an der Basis ist es, auf die sich Krimmer freut. "Ich will für die Menschen da sein, Ansprechpartner sein und wissen, was diese Menschen in Dettingen bewegt." Drei Tage pro Woche wird er deshalb vor Ort sein, sein Büro wird in der ehemaligen Pfarrerwohnung im Lortzingweg eingerichtet, sein Wohnort bleibt in Weilheim/Teck.

Und Krimmer will Akzente setzen, nicht bloß Verwalter sein angesichts einer Gesellschaft, die sich rasant verändert und den Menschen immer mehr vermeintliche Sicherheiten entreißt. Die Zeiten, in denen Menschen auf die Rente oder das mühsam angelegte Sparbuch vertrauten, ist längst vorbei. Krimmer will sehen, dass Kirche wieder zu einem Hafen und der Glaube zu einem Anker wird. "Wir haben doch die beste Botschaft der Welt. Das Evangelium." Weshalb für Krimmer auch gerade die Kasualien, also Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, zu unentbehrlichen Angeboten der Kirche gehören und vielfältige Chancen bieten. Sie seien geradezu die Visitenkarte der Kirche. "Viele Menschen bekommen doch erst durch diese Stationen im Leben Kontakt zur Kirche."

Dass sich in einer verändernden Gesellschaft auch Kirchenstrukturen verändern müssen, steht für Krimmer außer Frage. Der einzige Gottesdienst am Sonntagmorgen für das ganze Kirchenvolk ist schon längst überholt. Das hat man nicht nur in der Landeskirche, sondern auch in Dettingen erkannt. Dort gibt es schon seit geraumer Zeit nach dem traditionellen Gottesdienst den "Sonday-Treff" mit anschließendem Mittagessen. Für Krimmer ist dies keinesfalls Konkurrenz. Vielmehr gelte es, verschiedene Angebote für verschiedene Menschen zu erstellen, diese Freiheit in der Gestaltung zu leben und dennoch die Einheit der Gesamtgemeinde zu wahren. Damit sind die Möglichkeiten der Kirche aber noch lange nicht erschöpft. Von der Landeskirche in Auftrag gegebene Milieu-Studien sollen zeigen, welche gesellschaftlichen Gruppen von der Kirche nicht mehr erreicht werden. Für Krimmer ein klares Signal, dass man eine Geh-Struktur braucht: Hinaus zu den Menschen, dorthin, wo diese sich treffen.

Zumal die Kirche Antworten auf zentrale Fragen des Lebens zu bieten habe, ist Krimmer überzeugt. Dabei werde Kirche allzu oft mit einem Negativbild in Verbindung gebracht. "Kirche ist nicht gegen den Zeitgeist gerichtet. Denn Gott ist ein Freund des Lebens." Natürlich müsse die Kirche sich ethisch und moralisch positionieren, aber dies stehe nicht an erster Stelle.

Michael Krimmer ist seit acht Jahren verheiratet. Seine Frau Evelyn ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie/Religionspädagogik an der Universität Tübingen.

Info Der zentrale Gottesdienst der Kirchengemeinde Dettingen mit Einsetzung von Pfarrer Michael Krimmer findet am Sonntag, 8. September, um 17 Uhr in der Buchhalde statt.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gesucht: Ideen und Investoren

Die Stadt will das Areal rund um den Ulrichsturm neu gestalten. Am Montag startet deswegen ein Architekten- und Investorenwettbewerb. weiter lesen