Dezentral ist erste Wahl

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Ein Dreh- und Angelpunkt der Integrationsarbeit: Das Asylcafé im Bürgerhaus.  Foto: 

Derzeit leben 264 Geflüchtete in Bad Urach. 193 von ihnen in einer Anschlussunterbringung, die übrigen 71 wurden unter der Regie des Landkreises in Erstunterkünfte vermittelt.

Soweit die nüchternen Zahlen, die Bürgermeister Elmar Rebmann, wie jeden Monat, so auch kürzlich, dem Rat der Stadt vorlegte. Dieses Mal allerdings widmeten sich die Volksvertreter ausführlich dem Thema Integration. „Die nackten Zahlen sagen nichts aus über die Arbeit, die dahintersteckt“, hob Rebmann hervor. Dass die Integration der Neu-Bad Uracher durchaus als gelungen durchgehe, daran ließen weder die Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl, Diana Schmid-Grammel, noch der städtische Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte Ruben Stapelbroeck einen Zweifel. Die beiden kamen nicht alleine in den Ratssaal, um über ihre Arbeit zu berichten. Auf den Besucherrängen nahmen auf Einladung mehrere Familien Platz, die eine neue Heimat am Fuße der Alb gefunden und dort erfolgreich ein neues Leben begonnen haben.

Arbeit hat sich verändert

Um dies zu ermöglichen, waren allerdings einige Hürden zu überwinden. Die deutsche Sprache ist die eine, die andere betrifft die gesellschaftliche Teilhabe. „Unsere Arbeit hat sich verändert“, erklärt Schmid-Grammel. Nun, da mittlerweile weitgehend alle Neuankömmlinge grundlegende Sprachkenntnisse vorzuweisen hätten, rückt zunehmend die Lebensbegleitung in den Fokus. Ein Augenmerk liege etwa bei der Hausaufgabenbetreuung, bei Integrationskursen oder auf der Einzelfallbetreuung und Hilfestellungen bei Wohnungssuchen. Die stellen sich indes als problematisch heraus. Der Markt sei knapp – nicht nur in Urach, so Stapelbroeck. Die Stadt, so Rebmann, werde vor diesem Hintergrund weiter als Mieter auftreten, um die Wohnungen an Geflüchtete zu vermitteln. Die dezentrale Unterbringung in der Stadt, statt in Sammelunterkünften, sei nach wie vor der Weg, den man verfolgen will. Nur so könnten Kontakte, soziale Netze und eine gelungene Integration entstehen.

Ein weiterer wichtiger Baustein hierfür ist freilich die Teilnahme am Arbeitsleben. Davon allerdings sei man noch relativ weit entfernt, so Stapelbroeck. Der Weg zur Vollbeschäftigung unter den in Bad Urach lebenden Flüchtlingen brauche noch Zeit – und fließende Sprachkenntnisse. Daran, diese bei der nachrückenden Generation von Beginn an aufzubauen, wird derzeit in Kindergärten und Schulen gearbeitet. Für alle Kinder aus Flüchtlingsfamilien seien entsprechende Plätze gefunden worden. Und nicht nur das: Sie seien wie selbstverständlich aufgenommen und integriert worden, wie sich Schmid-Grammel freut.

Bewusst nicht verschweigen wolle man indes, dass es, wie unter Deutschen, auch unter Neubürgern einen gewissen Prozentsatz gebe, der Probleme mache. Aber Rebmann vertraut auch hier auf das gut funktionierende soziale Netz Bad Urachs. Mit einem „dicken Dankeschön“ richtete er sich an all diejenigen, die ihre Freizeit opfern und persönliches Engagement in die Flüchtlingsarbeit einbringen. 250 Menschen zu integrieren sei nicht selbstverständlich und aller Ehren wert: „Das ist eine wichtige Arbeit, die Sie da leisten.“ Bereits zuvor nutzte Stapelbroeck die Gelegenheit, den ehrenamtlichen Helfern ausdrücklich zu danken. Ihre Arbeit spiele sich oft im Hintergrund ab, gleichwohl handle es sich um eine „gigantische Leistung“. Unterstützung könnten sie in Bälde durch einen Integrationsmanager erfahren. Wie Rebmann berichtete, gingen rund 50 Bewerbungen ein.

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