Deutsch auf der Spur

Sie kommen aus Syrien und Bosnien, dem Kosovo, Portugal oder auch Italien und haben eines gemeinsam: Sie können kaum Deutsch, wollen es aber lernen und besuchen einen Kurs für fremdsprachige Eltern.

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Im Kurs "Lernen durch sprechen" vermittelt Susanne Burkhardt erste Vokabeln in der Fremdsprache Deutsch.  Foto: 

Die Verständigung fällt schwer, immer wieder muss Susanne Burkhardt die Begriffe ausführlich umschreiben und sozusagen mit Händen und Füßen reden: "Manchmal komme auch ich an meine Grenzen und wir bleiben ewig an einem Wort hängen", sagt die Kursleiterin. Dann bereitet es Probleme, einen vermeintlich einfachen Begriff wie Tochter oder Mädchen zu erklären: "Es kann schon einmal fünf Minuten dauern, bis ich verstanden werde."

Seit Februar leitet sie den Kurs "Lernen durch sprechen", der 2009 an der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule etabliert wurde und von der Paul-Lechler-Stiftung finanziert wird. Ziel ist, fremdsprachigen Eltern durch ein niederschwelliges Angebot zu ermöglichen, die deutsche Sprache zu lernen oder wenigstens einzusteigen. Der Bedarf ist vorhanden, gerade erlebt der Kurs einen kleinen Boom: "Wir haben vor kurzem Flyer gestaltet und verteilt", erklärt Susanne Burkhardt. Inzwischen begrüßt sie mittwochs zwischen 10.30 und 12 Uhr rund zwölf Personen jeden Alters und mit den unterschiedlichsten Bildungsvoraussetzungen - die einen haben Englischkenntnisse, die anderen waren in ihrem Heimatland niemals in der Schule. Menschen aus arabischen Ländern haben ein weiteres Problem: Sie müssen sich erst mal mit dem lateinischen Alphabet beschäftigen.

Die Teilnahme am Kurs ist absolut freiwillig und der Einstieg jederzeit möglich, Vorschriften werden keine gemacht: "Manche kommen jedes Mal, andere unregelmäßig", erklärt die Kursleiterin. "Hausaufgaben gibt es auch keine. Wer möchte, kann zu Hause Arbeitsblätter ausfüllen." Und so sind auch die Fortschritte unterschiedlich, bei vielen sei die Motivation indes hoch: "Sie steigt, wenn die Eltern sehen, dass sie nicht alleine in dieser Situation sind." Einig seien sich die Kursteilnehmer in einem, so Susanne Burkhardts Erfahrung: "Dass die deutsche Sprache schwierig ist."

Trotzdem kann sie eines nicht glauben: "Es gibt Menschen, die nach 25 Jahren in Deutschland die Sprache immer noch nicht sprechen." Denn die Sprache sei der Schlüssel zur Gesellschaft, zur Teilhabe und für soziale Integration: "Ist jemand schon zu lange im Land ohne Deutsch zu können, dann tut sich erfahrungsgemäß auch nicht mehr viel", bedauert die Ergo- und Lerntherapeutin.

Deshalb freut sie sich über das rege Interesse an dem Kurs "Lernen durch sprechen", auf dem Stundenplan stehen vor allem Themen aus dem Alltag und den verschiedenen Lebensbereichen - da wird beispielsweise durchaus darüber gesprochen, wie eine Entschuldigung geschrieben wird und was in einer Einladung zum Elternabend draufsteht. Denn mit dem Kurs wird auch das Ziel verfolgt, die Eltern mit der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule vertrauter zu machen: "Es ist gut, dass die Eltern für den Kurs in die Schule kommen", weiß Susanne Burkhardt. "Denn immerhin ist sie Teil des Systems, in dem sie sich als Familien befinden." Wenn sie dadurch einen Elternabend besuchen, sei schon viel erreicht. Nicht zuletzt tritt die Kursleiterin inzwischen auch als Kontaktperson zwischen den Eltern und Lehrern auf, wenn durch die Sprache eine Hürde entsteht: "Sie sprechen im Kurs von ihren Problemen und offenen Fragen", berichtet die Kursleiterin. "Und ich vermittle den Kontakt."

Gepaukt wird im Erdgeschoss des Mensagebäudes: "Manchmal schauen die Kinder durchs Fenster und gucken, ob Mama oder Papa da sind", berichtet Susanne Burkhardt. "Sie finden es toll, dass nicht nur sie etwas lernen müssen." So kommt es durchaus auch vor, dass die Eltern von den Kindern beim Ausfüllen der Arbeitsblätter unterstützt werden - dann wird zwangsläufig Deutsch geredet. Und das sei auch ein wichtiger Aspekt der Integration: "Wird daheim nur in der Muttersprache gesprochen, haben die Kinder zu wenig Übung."

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