Das gelebte Miteinander

Toni Lenge steht für gelebte Inklusion: Er wirkt in der Amanduskirche als Mesner. Deshalb ist er auch bei einer Fachtagung im Stift mit dabei, bei der mit- und nicht übereinander geredet werden soll.

|
Toni Lenge bei der Arbeit in der Amanduskirche. Foto: Kirsten Oechsner

Bärbel Hartmann erwartet zwei spannende Tage, wenn im Stift Inklusion Thema einer Fachtagung ist: "Ich habe schon im Vorfeld einiges gelernt, wie man aufeinander achtet", gibt die Leiterin des Einkehrhauses der evangelischen Kirche zu. So hat der Landesverband Lebenshilfe - neben Stift und dem Pädagogischen Zentrum Stuttgart - den Informationsflyer in Din-A4-Format mit entsprechend großer Schrift gestaltet, weil Menschen mit Behinderung damit umgehen sollen. Statt auf acht Seiten hat das Stift die Informationen auf einen kleinen, handlichen Flyer gepackt - dem sonst üblichen Klientel des Einkehrhauses der evangelischen Kirche angepasst. Und gerade diese Kleinigkeiten sind es oft, die zwischen gelebter Inklusion und tatsächlichem Ist-Zustand stehen. Darüber zu reden - miteinander und nicht übereinander - haben sich die drei Veranstalter im Rahmen einer Fachtagung zum Ziel gemacht: Menschen mit und ohne Behinderungen sowie deren Angehörige, Fachleute der ambulanten und offenen Hilfen, Pfarrer und Religionspädagogen, aber auch andere Personen- und Berufsgruppen, sowie Ehrenamtliche sollen sich Gedanken machen zum Thema "Wege in die (Kirchen-)Gemeinde für Menschen mit Behinderung".

Einer, der mitten drin ist im Leben einer Kirchengemeinde ist Toni Lenge: Er versieht in der Stiftskirche St. Amandus seinen Dienst als Mesner: "Er entlastet den Hauptmesner in vielen Dingen und ist ein absolut verlässlicher Mitarbeiter", beschreibt Pfarrer Wilhelm Keller ein seiner Ansicht nach gut funktionierendes Modell, in dem Toni Länge komplett eingebunden sei - auch bei Dienstgesprächen. Weil sich diese Situation jedoch nicht als Modell auf andere Kirchengemeinden übertragen lässt, soll die Fachtagung vor allem der Sensibilisierung für das Thema und der Auseinandersetzung dienen mit dem, was möglich ist - in der eigenen Kirchengemeinde, mit den Konfirmanden oder auch im Gottesdienst. "In vielen Gemeinden kommt Inklusion nicht oder kaum vor", weiß Pfarrer Keller. "Da herrscht in Bad Urach durch die Bruderhaus Diakonie eine andere Tradition." So ist ein weiteres Inklusions-Projekt im Bereich der Seniorenarbeit am Entstehen: "Das ist möglich, weil wir vor Ort einen professionellen Partner haben."

Deshalb begrüßt er die seines Wissens erste Initiative, mit der Fachtagung das Thema aus dem kirchlichen Leben heraus zu betrachten: "Man geht der Frage des sinnvollen Miteinanders nach." Denn, so sein Verständnis: "Diakonie gehört eigentlich mitten rein in die Gemeinde." Anhand von verschiedenen Impulsen, Vorträgen und Workshops, so das Ziel der Veranstalter, werden die Teilnehmer hören, erfahren und erleben, wo und wie Inklusion entsteht, gelebt wird und vorankommt. So beginnt die Fachtagung donnerstags mit einem Anspiel "Aufbruch ins Inklusionsland" und endet am Freitag mit einem besonderen Ereignis in der Amanduskirche - dabei stehen von Menschen mit Behinderung gemalte Bilder zur Geschichte vom "Traum der drei Bäume" im Vordergrund. Auf Referate im Plenum - unter anderem spricht Professor Dr. Paul-Stefan Roß von der Dualen Hochschule über "Was haben Inklusion und Kirche gemeinsam?" - folgt der Austausch in Workshops. Und da ist Toni Lenge wieder mittendrin: Gemeinsam mit Pfarrer Wilhelm Keller spricht er über seine Erfahrungen als Mitarbeiter einer Kirchengemeinde.

Landesverband lädt ein

Anmelden Die Fachtagung zum Thema beginnt am Donnerstag, 24. Juli, um 9.30 Uhr im Stift und endet am Freitag, 25. Juli gegen 15 Uhr. Anmeldungen sind bis zum 1. Juli beim Landesverband Baden-Württemberg der Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung, Heidrun Meyerl, Neckarstraße 155s, 70 190 Stuttgart möglich. Infos gibt es unter (0711) 2 55 89 30.

SWP

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mietvertrag läuft 2019 aus: Muss das Luna umziehen?

Das Kino blickt auf zwei erfolgreiche Jahre zurück, doch die Freude ist getrübt. Der angestammte Standort in der Eisenbahnstraße ist in Gefahr. weiter lesen