Das Eheleben und der Konjunktiv

Worauf zielt die Liebe ab? Woran können Ehen scheitern? Welche Haltung haben die Kirchen zur Ehe? Solche Fragen erörterte Professor Dr. Eugen Drewermann in der Schlossmühle.

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Eugen Drewermann (l.) im Gespräch mit Lara Schmidt-Rüdt und Alexander Wild.  Foto: 

Die Liebe. Irgendwie stand diese große Macht im Mittelpunkt eines Abends in der Schlossmühle. Prof. Dr. Eugen Drewermann, Theologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller, sprach über sie und ihre Begleiterscheinung, über die Ehe, deren Scheitern und die Haltung der Kirche.

Der Anlass dazu bot das zehnjährige Bestehen der Schlichtungsstelle Ermstal, die es immer wieder mit ähnlichen Themen zu tun hat. Doch zurück zur Liebe: Diese "sucht einen Menschen, der uns vollkommen so akzeptiert, wie wir sind", sagte Drewermann am Dienstagabend und bemühte auch die Bibel. Derzufolge sei der Mensch angewiesen auf wechselseitige Ergänzung.

Die Liebe erwacht im Erkennen, dass man selbst dieser Ergänzung bedarf und diese findet in der Person des geliebten Menschen. Das ist die Theorie, doch die Praxis kennt auch das Scheitern von Beziehungen. Wenn Menschen im Partner Vater oder Mutter suchen und den Partner ergänzen möchten um das, was sie in der Kindheit an Vater oder Mutter vermisst hätten.

Auf der charakterlichen Ebene könnten etwa ein zwangsneurotischer Mann und eine depressive Frau glauben, dass sie wechselseitig vom jeweils anderen profitieren: Der Mann denke etwa, es sei gut, dass die Frau Streit schlichte, während die Frau an ihrem Mann die Pünktlichkeit, das Pflichtbewusstsein und das Ernstnehmen der Ehe schätze. Dieselben Charakterzüge können aber zum Scheitern der Beziehung führen, wenn sich etwa die Frau vom Mann kommandiert fühlt, während er ihr Geheule nicht leiden kann, führte Drewermann aus. In der Ehe wollten die Partner einander oft so festschreiben, wie sie sich geheiratet hätten. Aber gerade durch die Liebe entwickelten sich Menschen weiter.

Im Gespräch mit der Bad Uracher Schlichterin Lara Schmidt-Rüdt und dem Tübinger Schlichter Alexander Wild - beide sind Juristen - kritisierte Drewermann die Haltung der Kirche zur Ehe. Es sei nicht bibelgemäß, dass man sich etwas verspricht und es unter allen Umständen halten muss: Jesus Christus sagt, du sollst nicht schwören. Männer und Frauen wüssten der Lehre Jesu zufolge nicht, wie sich Menschen oder Beziehung weiter entwickelten. Wenn eine Beziehung zerbricht, soll man die Gründe analysieren und die Situation psychologisch durcharbeiten, forderte Drewermann. Aber die Kirche dürfe sich nicht einmischen.

Zudem: Früher starben die Menschen viel früher, so der Referent. Es sei heute nicht mehr fair, von den Eheleuten zu verlangen, dass sie zusammenzuleben, bis der Tod sie scheide. Seit der Reformation habe die evangelische Kirche immerhin verstanden, dass sie die Finger von der Liebe zweier Menschen lassen solle. Drewermann nannte einfache Übungen, mit denen man herausfinden kann, wie es um eine Beziehung steht: Die Partner könnten getrennt voneinander aufschreiben, was ihnen am anderen gefällt und was in der Beziehung liegen geblieben sei. Danach solle man die Zettel austauschen und darüber reden.

Für die Pflege der Beziehung sei es wichtig, über die sexuellen und anderen Wünsche an den Partner reden zu können. Der Referent empfahl hier, statt der Befehlsform den Konjunktiv zu benutzen und etwa zu sagen: "Es wäre schön, wenn du . . ."

Am Schluss beantwortete Drewermann Fragen aus dem Publikum, etwa die, ob es Trennungsrituale gibt oder was man tun kann, wenn sich einer der Partner hartnäckig weigert, mit zur Eheberatung zu gehen.

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