Blitze im Mobbing-Zelt

Der Gong ist ausgestellt, die Klassenverbände sind aufgehoben, Unterricht findet keiner statt. Dennoch lernen die Realschüler abseits von Mathe und Vokabeln viel, etwa über Alkohol und Mobbing.

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Im Zelt zucken Blitze, laute Stimmen erklingen, Drohungen sind zu hören. Sie sind auch schriftlich fixiert an die Wand gepinnt. Das Mobbing-Zelt ist nicht jedermanns Sache, deshalb ist der Besuch auch freiwillig. Doch das Wagnis nehmen die meisten Schüler auf sich und kommen beklommen wieder heraus: So fühlt es sich wohl an, wenn man gemobbt wird. Die Erkenntnis sitzt tief. Weil nicht mit erhobenen Zeigefinger auf die Folgen hingewiesen wurde, sondern die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule die Folgen am eigenen Leib gespürt haben – nachhaltig und intensiv.

„Ziel erreicht“, bilanziert da Schulsozialarbeiterin Birgitt Steck bereits nach der ersten Stunde an einem Schultag, der ganz im Zeichen der Prävention steht. Das Thema Drogen steht statt Mathe auf der Agenda, wie sich Alkoholkonsum auswirkt, erfahren die Schüler mit Hilfe einer Rauschbrille. Mit Nikotin setzen sich die Jungen und Mädchen unter anderem künstlerisch auseinander: In Collagen verarbeiten sie die selbst recherchierten Informationen.

Wachrütteln und zum Nachdenken anregen soll der Präventionstag, Wissensvermittlung und Erweiterung des Horizonts durch Selbsterfahrung und ungewöhnliche Methoden wie Plan- und Rollenspiele. „Die Themen sollen erlebbar gemacht werden“, erklärt Birgitt Steck das Prinzip. Nicht nur zuhören, sondern selbst aktiv sein, dann bleiben Informationen besser im Bewusstsein. „Sobald etwas mit Spaß und Engagement gemacht wird, bleibt es auch hängen“, weiß die Schulsozialarbeiterin. Der Aktionstag kommt an, so ihre erste Erfahrungen: „Den Schülern gefällt es.“

Auch Schulleiter Stefan Dietz hat dies beim Rundgang durch die verschiedenen Projekte beobachtet. Hoch konzentriert und mit sichtbarer Freude werde in den Gruppen gearbeitet. Für den ersten schulübergreifenden Präventionstag wurden die Klassenstufen jeweils in vier Gruppen eingeteilt, die im Lauf des Vormittages jeweils an vier verschiedenen Stationen Halt machen. Die sind jeweils mit einem Lehrer besetzt, der sich im Vorfeld nach Vorgaben von Organisatorin Steck ins Thema eingearbeitet und die Stunde vorbereitet hat. Viel Aufwand, der sich laut Dietz jedoch sicher lohnt: „Wir wollen anregen, dass die Schüler über manches zumindest einmal nachdenken", beschreibt er die Intension. Ob die Schüler später in der Tat weniger trinken oder rauchen, mobben oder die sozialen Medien bewusster benutzen werden, wisse er nicht, hoffe es aber: „Es ist viel leichter, etwas erst gar nicht anzufangen als später damit aufzuhören.“ Handlungsorientiert und nicht belehrend ist der Tag laut Dietz gestaltet: „Die Schüler sollen von selbst darauf kommen, was nicht gut ist.“

Viel Arbeit steckt in dem Präventionstag, unter anderem hat Birgitt Steck die Mitmach-Ausstellung Clik der Stadtjugendpflege Oberndorf organisiert. Unterstützt wird sie auch von einem Team des Jugendhauses. Insgesamt sei das Projekt nachhaltig angelegt, Ziel ist künftig jährlich einen Präventionstag anzubieten. Dann könnten die Jungen und Mädchen im Lauf ihres Schullebens alle aufeinander aufgebaute Module durchlaufen. Los geht es in der Klassenstufe fünf mit den Themen Ernährung, auch stehen Entspannungsübungen auf dem Programm. Je älter die Schüler, desto härter die Themen – und jedes davon ist wichtig.

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