Belebter Marktplatz erfreut nicht nur Flanierer

Mit Putzen oder Gartenarbeit das Wochenende einläuten? Was als typisch Schwäbisch gilt, scheint für die Bad Uracher längst passé zu sein: Samstags macht sich auf dem Marktplatz mediterranes Flair breit.

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Man trifft sich. Samstagvormittags auf dem Marktplatz. Foto: Kirsten Oechsner

"Ist hier immer so voll?" blickt eine Dettingerin überrascht über den Marktplatz. Eigentlich wollte sie mit ihrer Familie zum Urlaubsausklang gemütlich in der Sonne sitzend Frühstücken, doch daraus wird nichts: Kein Platz in den Cafés und Lokalitäten rund um den Marktplatz, alle Tische sind belegt. Denn längst herrscht samstags nicht nur auf dem Wochenmarkt reges Leben: Sehen und gesehen werden, heißt das Motto oder auch flanieren und genießen. Den ersten Prosecco zum späten Aufwachen beispielsweise oder das neuste In-Getränk der Bad Uracher - ein erfrischendes Holunderblütensirup-Schorle.

Jung und Alt nimmt sich Zeit - zum Teil Samstag für Samstag: "Wir sind die Marktplatz-Hocker", meint ein Senior lachend. In großer Runde sitzt er mit einer Gruppe gemütlich zusammen, läutet das Wochenende stressfrei und entspannt ein. Das machen auch einige junge Familien, die Kinder springen herum und die Eltern genießen einen Cappuccino. Ehepaare im reiferen Alter lassen sichs ebenso gut gehen wie viel beschäftigte Manager - und ganz nebenbei zwischen Frühstück und Kaffee wird eingekauft: Beim Metzger oder Bäcker und dem örtlichen Gemüsehändler, Oliven auf dem Markt und Salami beim Italiener, heimisches Obst - auch in Bio-Qualität - bei den Anbietern aus der Region, gerne auch als Destillat.

Für viele ist der gemütliche Samstag rund um den Marktplatz verbunden mit dem Wochenendeinkauf längst zu einem Ritual geworden - und darunter sind nicht nur Uracher. Zeitlicher Dreh- und Angelpunkt ist dabei vielfach die Orgelmusik zur Marktzeit - auch diese 15 Minuten der Ruhe gönnt man sich, davor oder danach taucht man ein in das quirlige Leben in der Innenstadt. Kommunikation ist dann Trumpf - diese Zeit nimmt man sich. Und das haben die unterschiedlichsten Gruppierungen und Vereine schon lange erkannt - oder sind sie sogar verantwortlich für den Trend? Seit vielen Jahren verleiht die Stadt samstags ihre Marktstände, dann verkaufen Klassen Kaffee und Kuchen als Finanzspritze für den Schullandheimaufenthalt, haben Mütter Brot gebacken oder gebastelt. Vereine laden zur Roten Wurst ein und die Parteien zur Wahl, soziale Einrichtungen werben für ihre Dienste. Oft wird musiziert und gesungen, gemostet und geturnt oder dürfen die Passanten sogar in irgendeiner Weise selbst aktiv werden. Im Jahreskalender seinen festen Platz hat inzwischen der Flohmarkt des Verschönerungsvereins unter den Rathausarkaden, der Förderverein des Forums 22 grillt Jahr für Jahr Lammbratwürste und die Initiative Überleben verkauft fair gehandelte Waren.

Wenn der Herbst Einzug hält und der Winter längst da ist, lassen sich die Uracher von ihrem samstäglichen Ritual nicht abbringen: Dann trifft man sich eben in den Cafés. Und manchmal bei Wind und Wetter trotzdem auf dem Marktplatz - dann, wenns Glühwein oder andere wärmende Getränke gibt. Doch noch schmecken Weinschorle und Apérol Spritz im Freien - auch wenn die Sonne nicht mehr ganz so intensiv wärmt, sondern eine Decke dafür herhalten muss.

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