Barbara in Urach: "Wundervoll"

Sie gilt als schillernde Figur der württembergischen Landesgeschichte, doch erst 538 Jahre nach der Hochzeit mit Graf Eberhard tritt Barbara Gonzaga aus seinem Schatten: Ihr ist eine Ausstellung gewidmet.

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Dr. Miriam Altadonna, italienische Vizekonsulin, Bürgermeister Elmar Rebmann, Carl Herzog von Württemberg und Dr. Peter Rückert.

Die "Uracher Hochzeit" von 1574 ist über 500 Jahre später immer noch ein Begriff, der Glanz des Festes legendär: 13 000 Menschen feierten vier Tage lang die Hochzeit des Grafen Eberhard im Bart mit der 18-jährigen Barbara Gonzaga von Mantua. Vieles ist bekannt von der rauschenden Hochzeit, wer neben wem saß bei den prachtvollen Festmählern und wer mit wem tanzte oder was es wann zu essen gab.

Von der Braut selbst hat sich vornehmlich ein Bild bis in die heutige Zeit erhalten: Es handelt sich um eine vor allem in späteren Jahren extrem dickleibige, naturliebende und vor allem sehr freundliche Frau. Doch hinter Barbara Gonzaga steckt mehr, wie Dr. Peter Rückert betont: "Ich bin begeistert von dieser wunderbaren Frau", schwärmt der Historiker und Fachmann für alt-württembergische Geschichte regelrecht. "Es gibt kaum eine vergleichbare Figur in der württembergischen Geschichte, die so klar in so hoher Qualität dokumentiert ist."

Die Italienerin Barbara Gonzaga war sehr gebildet, sprach mehrere Sprachen, konnte lesen und schreiben - und genau dies machte sie ausführlich: Rund 70 Briefe an ihre Familie in Mantua sind erhalten, wurden nun erstmals in ihrer Gesamtheit gewürdigt und bilden die Basis der Wanderausstellung: "Von Mantua nach Württemberg: Barbara Gonzaga und ihr Hof", die in Kooperation mit italienischen Partnern entstanden ist. Dr. Rückert vom Hauptstaatsarchiv hat sie federführend konzipiert, unterstützt wurde er von Dr. Patricia Peschel und Janna Almeida von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg: "Wir können das Leben in Württemberg nun durch ihre Augen und in einem anderen Blickwinkel sehen", erklärt der Historiker bei der Eröffnung der Ausstellung.

Die war mit großem Erfolg bereits in Stuttgart, Böblingen und Kirchheim zu sehen, im September geht sie nach Mantua.

Für Dr. Rückert ist es ein Glücksfall, dass die Ausstellung nun im Palmensaal Station macht, der einst zur Hochzeit entsprechend ausgeschmückt wurde: "Dass Barbara nach Urach zurückkommt, ist wundervoll, ich bin berührt davon." Der Historiker lebt Geschichte, macht sie lebendig und entsprechend ist die Ausstellung auch gestaltet, unter anderem mit Hörstationen - zur Freude von Andreas Falz, stellvertretender Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten: "Es spricht vieles dafür, dass die Menschen Lust auf diese lebendig präsentierte Geschichte bekommen." Gerne habe man beim Consolato Generale dItalia Stuttgart auf das Anliegen des Hauptstaatsarchivs reagiert, diese "wunderbare Figur Barbara Gonzaga" den Menschen mittels einer Ausstellung nahe zu bringen, meinte Vize-Konsulin Dr. Miriam Altadonna: "Sie brachte ihren inneren Reichtum mit nach Urach. Man nahm sie schnell auf und mochte sie."

Die Bedeutung der Ausstellung unterstrich Carl Herzog von Württemberg, der zur Eröffnung ins Residenzschloss gekommen war. Auch die Stadt sowie zahlreiche Kooperationspartner würdigen sie mit einem umfangreichen Begleitprogramm: "Ich bin stolz darauf, dass Bad Urach diese wunderbare Ausstellung beherbergen darf", führte Bürgermeister Elmar Rebmann aus. Die Ausstellungseröffnung war gleichzeitig Start für ein Gonzaga-Jahr, unter anderem steht das Stadtfest ganz im Zeichen Barbaras und Italiens, zudem wird es ein 15-Gänge-Festessen mit Gauklern, Musikern und Tänzern sowie zahlreiche Vorträge und Theater-Aufführungen geben. Unter anderem mit dabei sind die Renaissance-Tanzgruppe "Danza Bassa" und das Uracher Blockflötenensemble, die die Ausstellungseröffnung ebenso musikalisch begleiteten wie das Ensemble "Mosaico Vocale".

Info Die Ausstellung "Von Mantua nach Württemberg: Barbara Gonzaga und ihr Hof" ist bis 26. August dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Jeden Samstag und Sonntag finden um 14.30 Uhr Führungen durch die Ausstellung statt. Weitere Informationen auch zum Begleitprogramm gibt es unter www.schloss-urach.de.

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