Bahn, Bildung, Baustellen: Viele Aufgaben für acht Jahre

Bürgermeister Elmar Rebmann bewirbt sich für eine zweite Amtszeit als Rathauschef. Er will weiterhin wichtige Weichen für die Zukunft Bad Urachs stellen.

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Elmar Rebmann hofft am Sonntag auf eine gute Wahlbeteiligung. Foto: Thomas Kiehl  Foto: 

Die alten Babylonier waren von Zahlen fasziniert. Die Acht beispielsweise symbolisierte für sie Gerechtigkeit und weises Handeln. Nun hat sich die Welt seit ihren Tagen ein Stück weiter gedreht, die Geschicke im Ländle lenkt heute die baden-württembergische Gemeindeordnung und kein mystisches Gedankengebäude aus dem Orient. Und doch spielt die Acht in der Kommunalpolitik eine tragende Rolle: Sie definiert die Amtszeit des Bürgermeisters, jene des Bad Uracher Rathauschefs Elmar Rebmann läuft Ende des Jahres aus, weswegen die Kurstädter am Sonntag zum Urnengang aufgerufen sind.  Rebmann hat keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten, er hofft gleichwohl auf eine Wahlbeteiligung von mindestens 30 Prozent.

Kindern Chancen eröffnen

Sich wieder um das Amt zu bewerben, war für ihn keine Frage. Er und seine Familie sind in Bad Urach heimisch geworden, Tochter Johanna geht mittlerweile in die zweite Klasse an der Barbara-Gonzaga-Gemeinschaftsschule. Damit ist der Bürgermeister nahe am Thema Bildung, ein Bereich, der ihm am Herzen liegt.  Allen Mädchen und Jungen gute Chancen zu eröffnen steht auf seiner politischen Agenda weit oben, die Kurstadt hat die Kinderbetreuung während seiner Amtszeit denn auch massiv ausgebaut.

Während die Gemeinderatsfraktionen auf diesem Feld an einem Strang zogen, gab es heftige Kontroversen um die Gemeinschaftsschule. Rebmann hält es dennoch für richtig, sie angesiedelt zu haben. Eine Werkrealschule, glaubt er, hätte über kurz oder lang keine Überlebenschance besessen, und für eine Stadt mit 12 000 Einwohnern sei es schlicht undenkbar, nur noch auf Gymnasium oder Realschule zu setzen. Zwischenzeitlich sei die Gemeinschaftsschule auch in ruhigem Fahrwasser und funktioniere gut. Ohnehin zogen die Nachbarn längst nach, was vor allem die Bad Uracher Realschule zu spüren bekommt, wie Rebmann sagt. Die Kurstadt freilich stärkt ihrer Realschule den Rücken. Sie modernisierte das Gebäude, ließ es energetisch sanieren. Dasselbe ist am Gymnasium vorgesehen.

Als Bürgermeister muss Rebmann mitunter dicke Bretter bohren, Erfolge stellen sich nicht immer so rasch ein, wie erhofft. Es gilt, alle Facetten im Blick zu behalten, Kompromisse zu finden, sagt der Bürgermeister. Die scheinbar einfachen Lösungen, die schnell gebrüllten Parolen, führten nicht weit. Abgewogen und gut verhandelt hat Rebmann beispielsweise am Grünen Herz, am Eingangstor zur Innenstadt sollen Wohnungen, ein Kindergarten und Dienstleister Platz finden.

Zäh voran kommt dagegen der Versuch, ein Geschäftsstraßenmanagement zu etablieren. Wiewohl der Bürgermeister einen Erfolg vermeldet: Alles ist ausgearbeitet, es fehlt nur noch einer, der den Hut aufsetzt, wie es Rebmann formuliert, also ein Vereinsvorsitzender. Die Stadt sieht Rebmann hier zwar als Partner und  Mitfinanzier, aber nicht als Vorreiter. Zunächst stünden Einzelhändler und Immobilienbesitzer in der Verantwortung.

Immerhin, dank der beiden Einkaufscentren konnte Urach deutlich an Kaufkraft gewinnen, betont Rebmann. Auch der Tourismus legte dank der Premiumwanderwege zu: „Wir haben hier ein gutes Paket auf den Markt gebracht.“ Zumal damit neue Zielgruppen erreicht worden seien, für junge Familien entstand ergänzend die Entdeckerwelt. Das Geschaffene zu pflegen sei eine der künftigen Hauptaufgaben, erklärt der Bürgermeister. Gleichzeitig investieren die Uracher weiter in die touristische Infrastruktur.

Wie sich die vielen Ausflügler am besten in die Innenstadt locken lassen, ist eine Frage, über die sich trefflich streiten lässt. Möglichkeiten, sie über ein Bad Urach-Ticket mit der Ermstalbahn zu transportieren, will die Stadtverwaltung prüfen. Die Bahn ist ohnehin ein Gebiet, auf dem sich Rebmann mit Nachdruck und voller Rückendeckung des Gemeinderats engagiert. Ginge es nach ihm, würde die Ermstalbahn ab sofort im Halbstundentakt pendeln. Der Zug alleine kann es aber nicht richten, sagt er. Deshalb müssten die Takte der Buslinien auf die Bahn abgestimmt werden, Park- und Ride-Parkplätze sollen entstehen, dazu gut ausgebaute Radwege, die die Menschen zur Schiene bringen.

Geld für ihre Infrastruktur erhält die Stadt nicht zuletzt aus der Gewerbesteuer. Zum Glück, sagt der Bürgermeister, besitze Bad Urach bedeutende Industrieunternehmen und erfolgreiche Handwerksbetriebe. Auf diesem Feld wurde in den vergangenen  Jahren viel investiert, die Stadt war dabei ein wichtiger Partner, betont Rebmann, und will es weiterhin bleiben. Ein weiteres, zentrales Thema seiner zweiten Amtszeit soll der Bau von bezahlbaren Wohnungen werden, entstehen könnten sie im Kolzental. Rebmanns Augenmerk gehört zudem den Stadtteilen, für die bereits einiges angeschoben wurde: Seeburg erhält ein Dorfgemeinschaftshaus, Wittlingens Turnhalle wird bald saniert. Nicht vergessen sind zudem die Hengener und ihr Wunsch nach einer Festhalle.

1 Sie sind FC Köln-Fan, aktuell ist das Team Tabellenzweiter. Reicht’s zum Vizemeister?
Derzeit macht es meiner Tochter Johanna und mir richtig Spaß, Köln-Fan zu sein. Es hat schon was, in der Allianz-Arena 1:1 zu spielen. Zum Saisonende wäre ich mit einem einstelligen Tabellenplatz aber zufrieden.

2 Was war in den vergangenen acht Jahren Ihr schönster Moment als Bad Uracher Bürgermeister?
Das war mein erster Schäferlauf. Die besondere Atmosphäre, das Kribbeln, die Vorfreude in der Stadt. Für mich war es ganz toll, mittendrin zu sein, das war für mich ein prägendes Erlebnis.

3 Sie sind seit vielen Jahren SPD-Mitglied. Was hat Sie bewogen, in die Partei einzutreten?
Soziale Gerechtigkeit ist für mich ein wichtiges politisches Thema. Und dafür steht die Sozialdemokratie. Außerdem sind mir in meiner Familie die sozialdemokratischen Werte vorgelebt worden.

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