Auf der Suche nach des Apfels Kern

Was genau ist eigentlich Streuobst und wie wird man der Maden im Obst Herr? Der Dettinger OGV diskutierte in der Anlage von Paul Krohmer.

|
Schlechte Ernte, die Baumförderung und Maden im Obst lassen den Obst- und Gartenbauverein diskutieren.  Foto: 

Ein lohnenswerter Aufpreis auf den Zentner Obst – oder doch besser die Baumförderung? Was letztlich des Apfels Kern ist, da sind sich die Vorderen im Obst- und Gartenbauverein Dettingen nicht einig. „Das Thema Streuobst wird immer brisanter“, erklärte der Erste Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, Roland Lieb, beim öffentlichen Apfelumgang in der Anlage Krohmer.

„Wenn der Preis bei den Äpfeln so ist wie im letzten Jahr, dann bleibt wieder viel Obst unter den Bäumen liegen“, prophezeit Paul Krohmer. Ein Aufpreis auf den Zentner Streuobst wäre vernünftiger als jede Biosphärenzulage pro Baum oder Schnitt, so der Fachmann: „Der Landkreis Böblingen gibt pro hundert Kilo fünf bis sechs Euro oben drauf, bis maximal 17 Euro.

Dann sieht’s für den einzelnen ganz anders aus.“ Roland Heinkel, zweiter Vorsitzender im Dettinger OGV, argumentiert entgegengesetzt: „Man muss den Baum fördern, nicht das Obst. Das egalisiert auch den Zukauf über den Ostblock“. Für Paul Krohmer macht das keinen Sinn: „Die 15 Euro Schnittprämie müssen doch die meisten an einen Profi abgeben. Am Ende werden nur noch die paar Bäume gepflegt, für die es was gibt und der Rest wird umgesägt“.

Mitten in der Anlage von Paul Krohmer, die im Gewann „Hagenbucher“ umrahmt ist von traditionellen Hochstämmen und Halbstämmen drängt sich auch die Frage auf, was denn nun tatsächlich „Streuobst“ ist. Spalier jedenfalls nicht. Auch die Halbstämme fallen aus der Förderung. Dabei ist das, was hinterher im Korb liegt allemal gleich.

Insgesamt, so Krohmer, ist der Behang bei den Äpfeln in diesem Jahr eher mittelmäßig: „Manche sind übervoll, andere sind madig, wieder andere pausieren“. Er selbst ist zufrieden, wenn sich bei der Hälfte seiner Bäume die Ernte lohnt.

Der Behang bei den Zwetschgen sei in diesem Jahr mittelmäßig bis eher schwach, vor allem bei den Hauszwetschgen. Bei der frühen Ernte sieht er noch keine Gefahr durch die Essigfliege: „Aber die späte Ernte könnte es treffen“. Schon Ende dieser Woche geht es in die Hauszwetschgen-Ernte.

Die Novemberbirnen in der Spalieranlage am Hang sind mehr als faustdick und bereits ein Leckerbissen für die Vögel. Gala, Delba, Topaz und Jonagorette sind gut im Behang.

Der pflegeleichte Elstar braucht kaum noch zwei Wochen, dem Jonagold fehlt lediglich die Farbe. Cox Orange verstecken sich gerne hinter Grün und sammeln so Aroma im Kleinen. Am Spalierrand weist Krohmer auf ein paar Früchte mit Sonnenbrand hin: „Ich achte auf viel Laub. Vom Sommerschnitt sind die meisten Erzeuger längst abgekommen.“

„Der Baum braucht Blätter wie die Lunge zum Atmen“, sagt Krohmer. Bei einem so extremen Wetterjahr wie 2016 – mit Trockenheit bis in den April und Niederschlägen an manchen Orten zwischen 150 und 180 Litern im Juni – hatte nur Glück, wer rechtzeitig gegen Schädlinge und Pilzbefall vorgegangen ist. Mit den wenigen zugelassenen Mitteln. Besonders vom Schädlingsbefall betroffen war die urtümliche Ermstäler Knorpelkirsche . „Absatzflaute und Kirschfruchtfliege haben sich gegenseitig aufgebaut“, erklärte Vorsitzender Roland Lieb: „Viele Früchte sind innerhalb von wenigen Tagen vermadet gefallen. Die Schädlinge steigen im nächsten Jahr wieder auf und machen alles nur noch schlimmer“.

„Die Apfelblüte ging trotzdem verhältnismäßig gut über die Bühne“, sagte Krohmer. Gegen den Schorf sollte der Samenstand vor und nach der Blütezeit mit einem Schutzmantel versehen werden. „Hinterher macht man da nichts mehr“, sagte Krohmer.

Von einem Ansatz zerreibt der Dettinger eine weiße Masse zwischen den Fingern: „Blutläuse. Eine echte Sauerei beim Ernten. Die saugen den Saft aus den neuen Trieben. Dafür ist gerade noch ein Spritzmittel zugelassen.“

Ihren Appell richteten die OGV-Vorderen an die Stückles-Betreiber: Von Pilz oder Schädlingen befallenes Obst und Schnittgut sollte aufgelesen und entsorgt werden. Und zwar nicht auf dem Kompost. Eine wie die Essigfliege kennt keinen Zaun.

Dreister Zwetschgenklau

Am hellichten Sonntagmittag, gleich neben dem Fahrradweg und bei offener Autotür: Ein junges Pärchen steht unterm erstbesten sauber gepflegten Zwetschgenbaum in der privaten Obstanlage und füllt sich die Plastiktüten voll reifer Früchte. Toll - Wie im Garten Eden: alles umsonst und zur Selbstbedienung.

Mitnichten. In Eden wären das unerreichbare Hochstämme mit mickrigem, hartem Kernobst, wie der Wildwuchs ein paar Stückle weiter oben eben auch. Da kommt man halt nicht so praktisch mit dem Auto hin und die Bäume oder Büsche sind dann auch gerne mal Brutstätte für Ungeziefer, Maden oder Essigfliegen. Weniger lecker.

„Des Herrgöttle“, das im Kulturgarten-Eden in den Dettinger Anlagen alles so fein für die Obstwutzen herrichtet, hat das Jahr über sorgsam: gepflanzt, gemäht, tagelang auf der Leiter gestanden und ausgeschnitten und Geld in Spritzmittel investiert, damit überhaupt etwas bei der Ernten rauskommt. „Wenn’s nur die Tüten wär’n“, beklagten sich die Gütlesbesitzer beim Obstrundgang des Obst- und Gartenbauvereins im Gewann „Hagenbucher“ und winken ab.

Am Bodensee haben die Obstbauern ihre Jahresernte eingezäunt. Die professionellen Diebe machen sich dort gerne nachts über die Blumenfelder her, damit die bunten Sträuße auf dem Wochenmarkt auch schön frisch sind.

„Diebstahl oder unberechtigtes Pflücken steht in Baden-Württemberg unter Strafe. Unbefugten ist  während Reifezeit und Ernte der Zutritt auf Privatgelände verboten“, zitiert der OGV-Vorsitzende Roland Lieb. Das müssen die beiden ertappten Schmarotzer unterhalb vom „Mittleren Weg“ zumindest geahnt haben. Sonst hätten sie nicht gleich das Weite gesucht – bloß um eine Minute später wieder umzudrehen und weiter zu klauen. ane

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Von Kröten und Kompromissen

Die Wahlkreisabgeordneten, der frühere FDP-Wirtschaftsminister Helmut Haussmann und St. Johanns Bürgermeister nehmen Stellung zum Jamaika-Aus. weiter lesen