An musikalischer Reife gewonnen

Von wegen in die Jahre gekommen: Ein Vierteljahrhundert nach der Gründung strotzt der Swingchor geradezu vor Frische und Vitalität. Die Sänger vereinen sicht- und hörbar eines: der Spaß am Chorgesang.

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Der Swingchor Bad Urach steht seit einem Vierteljahrhundert auf der Bühne.  Foto: 

Bei der Gründung im Jahr 1990 war der Name Programm: Zum Repertoire des Swingchores, der damals noch unter dem Dach des Sängerkranzes war, gehörte vor allem tatsächlich Swing. Schon lang heißt das Motto indes: "Von jedem etwas" - mit Rock und Pop, Songs aus Musicals oder Renaissance-Liedern ist die Bandbreite noch lange nicht erschöpft. Der Swingchor singt zudem nicht nur nach, sondern setzt auch eigene Projekte um: Die Pestilenz wird seit zehn Jahren erfolgreich aufgeführt, nicht vergessen ist die Revue "Die Handtasche" und in Erinnerung bleibt auch "Midlife Crisis".

Aus einer kleinen Gruppe Menschen, die Lust am Singen haben, ist längst ein Chor mit einem ganz eigenen Profil geworden. Bürgermeister Elmar Rebmann spricht sogar von einem "Alleinstellungsmerkmal": "Der Swingchor ist aus Bad Urach nicht mehr wegzudenken." Weil das so ist, war die Festhalle beim Jubiläumskonzert dann auch voll besetzt, der Uracher Chor steht seit jeher für Qualität, geboten wird etwas fürs Ohr und das Auge. Auch choreografische Elemente sind eingebaut und Platz für Bewegung ist auf der kleinsten Bühne: Mal werden die Arrangements mit einfachen Gesten begleitet, dann wieder bewegt sich der ganze Chor. Mit viel Liebe zum Detail werden aus einfachen Sängern flotte Musical-Darsteller.

Die Gäste wurden auch beim "Best of" - Jubiläumskonzert nicht enttäuscht: Der Swingchor, seit 2005 ein eigenständiger Verein, entzündete ein wahres musikalisches Feuerwerk von Liedern aus der Anfangszeit bis heute. Rund 180 Musiktitel wurden im Lauf der Jahre einstudiert, die Qual der Auswahl war groß. Nach einem Punktesystem durften die Sänger ihre Lieblingstitel auswählen. Der eine setzte seine zehn Punkte auf einen Song, andere verteilten sie auf mehrere. So ist ein Programm entstanden, das nicht chronologisch sondern dramaturgisch aufgebaut war wie Moderatorin Jutta Fischer erklärte: Ein israelisches Volkslied erklang ebenso wie "Proud Mary", der Queen-Klassiker "Somebody to love" oder der "Bratislava Lover".

Zuschauer, die ihren ganz persönlichen Lieblingssong vermissten, kamen beim fulminanten Finale auf ihre Kosten: Im Schnelldurchlauf ging's durch die Welt der beliebten Swingchor-Lieder - von der Linie 1 bis zur "Jodlerin vom Königsee" und zur Rocky Horror Show, nicht zu vergessen das schon fast legendäre "Amadeus".

Seit acht Jahren setzt Chorleiter Fabian Brändle die musikalischen Akzente, auch seine Vorgänger Jürgen Knöpfler, Herbert Mai, Isabelle Kende-Bläubaum und Jack Day haben den Chor geprägt. Ihm gehören viele Frauen und Männer seit der (fast) ersten Stunde an, dazu gesellten sich immer wieder neue Mitsänger und andere verabschiedeten sich. Eine Gruppe individueller Menschen formierte sich zu einer gesanglichen Einheit. Viele der Akteure sind nicht nur mit dem Chor älter geworden, auch haben sie hörbar an Erfahrung und Reife gewonnen. Gemeinsam bildet der Swingchor ein imposantes Klangbild, aus dem einige selbstbewusst und souverän agierende Solisten hervorgegangen sind: Martina Weber und Michaela Thomas sowie Reiner und Armin Ulbrich.

Nach stehenden Ovationen und mehreren Zugaben schlossen sich die Zuschauer der Meinung von Elmar Rebmann an, der die Leistungen des Swingchores mit einem Abba-Song gewürdigt hatte: "Thank you fort he music".

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