Abschied vom Teufelszeug

Frech und überspitzt, lässig und süffisant, aber dennoch nie schlüpfrig und platt: Ina Z und Christopher Hahn bewegen sich mit ihrer Weihnachtsrevue zwischen Liederabend und Klamauk – die Mischung kam an.

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Schon beim Anblick der Künstlerin musste den Zuschauern eines klar sein: Um eine vermeintlich normal-besinnlichen, kitsch-rührige Weihnachtsrevue wird es sich wohl nicht handeln, was Ina Z dem Kulturach-Publikum im Foyer des Rathauses präsentiert. Ihre Interpretation eines Engels entspricht schon rein optisch nicht dem gängigen Klischee: Knallig blau das Abendkleid und die Mini-Hörner, die keck auf dem gegelten Haar platziert sind. Und erst das Auftreten: Mephista stöhnt und gurrt, klimpert lasziv mit den Augen und nimmt ihren Auftrag nicht ganz ernst – einen erkrankten Engel würdevoll zu vertreten. Der gefallene Engel Mephista liest die Weihnachtsgeschichte eher lustlos vor, kann sich so manchen bissigen Kommentar nicht verkneifen und mag sowieso nichts, was ans traditionelle Weihnachtsfest erinnert. Christopherus muss den etwas anderen Ersatz-Engel immer wieder auf den richtigen Weg bringen und greift ermahnend ein. Oder besinnt sich seiner eigenen Fähigkeiten: dem Klavierspiel.

Die Weihnachtsrevue „Teufelszeug zur Weihnachtszeit“ lebt von den Entertainer-Qualitäten der Ina Z und dem hervorragenden Spiel des Pianisten Christoph Hahn – gemeinsam bieten sie einen etwas anderen Blick auf das Fest der Liebe, doch bei aller Ironie und augenzwinkerndem Witz ist ihr Auftritt nie platt und oberflächig.

Mephista singt Lieder von Queen und lässt aber auch ihr Lieblingsmusikinstrument erklingen: eine Blockflöte. Die ist – wie kann’s auch anders ein – rosarot. Auf das „Ave Maria“ folgt eine irische Weise, dann überrascht sie mit einem „Fröhliche Weihnacht überall“ und Mephistas Version von „Süßer die Glocken nie klingen“ ist eine ganz spezielle. Der Weihnachtslied-Klassiker der Neuzeit darf natürlich auch nicht fehlen: Keine Weihnachtsrevue ohne den Ohrwurm „Last Christmas“ von „Wham“.

Ina Z schnappt sich das Akkordeon, dann die Säge und singt dazu – das Publikum ist begeistert von der schrägen und doch nicht überkandidelten Show. Die Mischung zwischen Spaß und Ernst, Lockerheit und besinnlichen Momenten stimmt. Mehr als 60 Gäste lassen sich darauf ein, die Künstler freut’s und erst recht das große Interesse: Erst vergangenes Jahr im Dezember hatte das Programm Premiere, bei Kulturach fand nun die „Derniere“ statt – zu verhalten die Resonanz gerade beim Tübinger und Reutlinger Publikum. Ina Z und Christoph Hahn werden „Teufelszeug zur Weihnachtszeit“ nicht mehr spielen, in Bad Urach war die letzte Chance, das Programm zu sehen. Die Kulturach-Gäste jedenfalls, bedauern die Entscheidung des Duos: „Klasse“ und „genial“ hieß es nach 90 Minuten bei den Besuchern, um Zugaben kamen die beiden Künstler denn auch nicht herum.

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