"Das Tempo ist viel zu hoch"

Das Thema Bildung bewegt, die FDP/DVP-Landtagsfraktion hat dazu ein Impulspapier als Diskussionsgrundlage vorgelegt. Das sorgte für einen regen Meinungsaustausch mit dem Bildungspolitiker Dr. Timm Kern.

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Dr. Timm Kern: "Die Gemeinschaftsschule ist nicht für jedes Kind die richtige Schulart."  Foto: 

Relativ klein der Kreis, aber illuster: Zur Informationsveranstaltung der Bad Uracher Freidemokraten mit Dr. Timm Kern, bildungspolitischer Sprecher der FDP/DVP-Landtagsfraktion, waren über Gemeinderatsmitglieder der Partei hinaus auch Bürgermeister Elmar Rebmann und Schulleiter ins Hotel "Graf Eberhard" gekommen. Im Kern waren sie sich über eines einig: Auf den demographischen Wandel müsse reagiert werden, aber laut Kern nicht so wie die derzeitige Regierung: "Das Problem ist das unheimlich hohe Tempo", meinte er. "Es wurde zu schnell sehr viel angepackt und sehr viel auf einmal gewollt." Man müsse den Beteiligten - Lehrer, Eltern und auch den Schulträgern - Zeit geben, sie mitnehmen.

"Ich gehöre nicht zu denen, die sagen, dass vor 2011 alles gut und optimal war", machte der FDP-Landespolitiker deutlich, er sei auch nicht gegen Reformen: "Wenn eine Gesellschaft sich entwickelt, müssen sich auch Schulen und die Bildungspolitik entwickeln." Doch er plädiere eher für einen reformerischen Ansatz, als den praktizierten revolutionären: "Dieser zerstört auch Strukturen, die funktioniert haben." Er sei nicht grundsätzlich gegen die Gemeinschaftsschule, aber: "Sie ist nicht für alle Schüler die richtige Schule." Und wenn die verbindliche Grundschulempfehlung abgeschafft werde, dann hätte dieser Schritt gerade mit Blick auf die sich verändernden Schülerwanderungen entsprechend vorbereitet sein müssen: "Viele Schulstandorte sind dadurch massiv in Druck geraten", so Kern. "Ich würde um jede Haupt- und Werkrealschule kämpfen."

Jede Schulart habe ihre Berechtigung, der Vielfalt an Talenten und Unterschiedlichkeiten müsse man gerecht werden: "Vor Ort muss das ermöglicht werden, was gewünscht wird", so seine Ansicht. Das könne von Region zu Region unterschiedlich sein, deshalb werde in dem im Oktober veröffentlichten Impulspapier die Forderung nach einer regionalen Schulentwicklung in entsprechenden Bildungsregionen geäußert, die sich nach den jeweiligen Bedürfnissen orientieren - da gebe es zwischen städtischen und ländlichen Regionen durchaus große Unterschiede. Der regionale Interessenausgleich sei indes schwer durchzusetzen, wie Dr. Daniel Wesely bemerkte: "Es werden zwar immer weniger Schüler. Aber die Wünsche der Eltern werden immer unterschiedlicher", bemerkte der Rektor der Georg-Goldstein-Schule. Und, so Friedemann Schlumberger: "Es ist ein fataler Gedanke, dass man ohne Abitur kein vollwertiger Mensch sei", meinte der Rektor des Graf-Eberhard-Gymnasiums.

Ohne Zweifel sei ein Ausbalancieren der Schulstandorte notwendig, darin war sich die Diskussionsrunde weitgehend einig. Er habe, so Elmar Rebmann, für die Region angeregt eine gemeinsame Lösung zu finden: "Ich bin gespannt, was dabei rauskommt und ob wir zusammen einen Weg finden." Denn eines sei unbestritten: "Es gilt im Miteinander das Bestmöglichste für die Kinder zu finden."

Das gelte auch auf Landesebene, erste parteiübergreifende Gespräche auf Basis des Impulspapiers zum Schulfrieden habe es laut Kern inzwischen tatsächlich bereits gegeben. Denn eines würden alle dringend benötigen und von der Politik erwarten - Lehrer, Schüler, Eltern und auch die Schulträger: Verlässlichkeit und Planbarkeit.

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