Vor allem die Fachberatung wird geschätzt

Dettingen.  Der Senior in der Gruppe ist 84 Jahre, die jüngste bereitet sich gerade aufs Abitur vor. Der TSV bietet generationenübergreifende Fitness-Kurse an.

Die Stimmung ist locker und entspannt, es wird viel gelacht und doch konzentriert trainiert. Gerade diese Atmosphäre macht für einen 64-Jährigen den Reiz des Fitness-Studios des TSV Dettingen in der Neuwiesenhalle aus: "Ich bin über das Radprojekt Obermarchtal zu der Gruppe gestoßen", berichtet er. "Vorher habe ich keinen Sport getrieben außer Skifahren." Nun lässt er kaum einen Termin aus, schwitzt in einer kunterbunten Gruppe an den Geräten und eben dies gefällt einer Mitsportlerin: "Hier kommen die unterschiedlichsten Charaktere aus verschiedenen Generationen zusammen", freut sich die 51-jährige Dettingerin, eine aktive Radfahrerin. Das Muskelaufbau-Training nutzt sie vor allem aus Präventionsgründen - der Rücken schmerzt.

Das war auch der Grund für eine 66 Jahre alte Rentnerin, jede Woche das Training zu besuchen: "Seither habe ich keine Beschwerden mehr", freut sie sich. Erst mit 60 Jahren hat sie sich beim Walken erstmals sportlich betätigt, jetzt möchte sie keinen Tag mit Bewegung missen. Sportlich ist eine 65-Jährige dagegen schon ihr Leben lang - auch im Alter ist sie mehrfach die Woche aktiv: "Hier genieße ich es, individuell etwas zu machen und doch in Gemeinschaft zu sein", meint sie und absolviert ihre Sit Ups.

Seit drei Jahren bietet Gabi Stanger das Muskelaufbautraining an, mit einer Stunde pro Woche hat das Kursangebot angefangen und nun ist der Raum an zwölf Stunden in der Woche an je zwei Vormittagen und Abenden belegt. Die Sportpädagogin hat damit eine Forderung der Sportwissenschaftler hinsichtlich der Zukunft von Vereinen erfüllt: Vereine sollen demnach auf die Probleme der alternden Gesellschaft vorbereitet sein und generationenübergreifende Angebote wie eben vereinseigene Fitness-Studios in ihr Programm aufnehmen. Der TSV liegt im Trend.

Der Raum in der Neuwiesenhalle wurde von verschiedenen Abteilungen als Kraftraum genutzt, lag in den Randzeiten ansonsten brach. "Es war ein Versuch, ihn zum Muskelaufbautraining im Kurssystem zu nutzen", erinnert sich Gabi Stanger. "Ich wusste, dass die Menschen die fachliche Beratung zu schätzen wissen." Schnell kristallisierte sich tatsächlich ein großes Interesse an dem Angebot heraus: "Es eignet sich für sportliche Späteinsteiger ebenso wie für solche, die ergänzend zu ihrem Sport etwas machen wollen." Und so hat es sich ergeben, dass Senioren neben Abiturienten und aktiven Hausfrauen ins Schwitzen kommen. Denn, so die Sportpädagogin: "Man ist nie zu alt, um aktiv zu sein." Als positiven Nebeneffekt sieht Gabi Stanger deshalb auch den sozialen Aspekt an, der vor allem von den älteren Sportlern geschätzt wird: "Man nimmt Anteil am anderen, kümmert sich", erklärt sie. "Wenn mal jemand fehlt, machen sich die anderen Gedanken." Zudem herrscht durch das Kurssystem das Prinzip der Unverbindlichkeit und Flexibilität: Ein Kurs geht über acht Wochen, danach entscheidet man sich neu. Kein Wunder, dass Gabi Stanger von einer Erfolgsgeschichte spricht. Das Angebot ist nach drei Jahren an seine Grenzen gekommen: "Wir würden uns gerne räumlich ausdehnen, um die Stoßzeiten besser abfangen zu können."


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Autor: KIRSTEN OECHSNER | 11.02.2012

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