Und plötzlich sind es zehn

Dettingen.  Fast könnten sie eine Fußballmannschaft stellen - doch sie streben in die Politik: Zehn Bewerber wollen Bürgermeister in Dettingen werden. Der Wahlkampf bietet eine selten stattliche Zahl an Kandidaten auf.

Höchst selten bekommt es ein amtierender Bürgermeister mit sage und schreibe neun Gegenkandidaten zu tun. Genau dies blüht Dettingens Verwaltungschef Michael Hillert, wenn er jetzt in die heiße Phase des Wahlkampfes zieht. Punkt 18 Uhr endete gestern Abend die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl am 7. März - und spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten Stefan Wörner, Hauptamtsleiter bei der Gemeinde Dettingen, und seine Stellvertreterin Anke Martini, dass allein die Kandidatenvorstellung am 25. Februar ein logistisches Abenteuer wird: Denn zehn Namen stehen auf der Liste der offiziellen Interessenten für die Bürgermeisterwahl - zehn Bewerber, die an jenem Donnerstag Zeit für sich und ihre Thesen begehren.

Vier Männer haben gestern noch kurz vor Torschluss ihre Ansprüche auf den Chefsessel im Rathaus angemeldet. Und abgesehen von dem rechtsextremen Dauerbewerber Axel Heinzmann aus Wannweil, der jetzt auch in Dettingen seine Unterlagen einreichte, haben die jüngsten Kandidaten etwas gemeinsam: Zwei sind Dettinger, der dritte ist in der Ermsgemeinde aufgewachsen.

Ersteres gilt für Roland Müller, 47 Jahre alt, parteilos und gelernter Industriemeister, Fachrichtung Elektrotechnik. Bis 1994 arbeitete der Dettinger in der Maschinenbaubranche, anschließend war er als "Hausmann" für seine mittlerweile erwachsenen Kinder da. Heute ist Müller mit kaufmännischen Aufgaben im Einzelhandel seiner Ehefrau betraut. Als Rathauschef wolle vor allem auf "Bürgerbeteiligung" setzen, betont der Bewerber. Entscheidungen der Verwaltung müssten für die Bürger transparent und nachvollziehbar sein, so Müller.

Als neunter von zehn Kandidaten ist Markus Beck auf das Dettinger Kandidatenkarussell aufgesprungen. Auch dem 39-jährigen Wahl-Reutlinger ist die Ermsgemeinde nicht fremd sein: Der parteilose Bewerber ist in Dettingen aufgewachsen, womit er (unter anderem) seine Kandidatur begründet: "Dettingen ist eine tolle Ortschaft mit einer unglaublichen Lage".

Markus Beck ist von Beruf Diplom-Ingenieur mit Fachrichtung Architektur. Er arbeitet als angestellter Projektleiter für Kongresse und Messen, und zwar im Bereich Energie-Effizienz und erneuerbare Energien. Stadtwerke und Kommunen gehören unter anderem zu den Geschäftspartnern des gebürtigen Bad Urachers. Weitere Berührungspunkte mit der kommunalen Verwaltungsarbeit: Beck arbeitete während des Studiums auch auf dem Stadtplanungsamt. Der Vater eines sechsjährigen Sohnes plädiert für eine "nachhaltige und behutsame Entwicklung Dettingens". Er wolle aber keine Nischenpolitik betreiben, stellt der Kandidat klar.

Schließlich Bewerber Nummer zehn: Klaus Notz, 49 Jahre alt, bezeichnet sich selbst als "Dettinger Urgestein". Er lebt seit seiner Kindheit in der Ermstalgemeinde und hat dort vergangenes Jahr eine eigene Familie gegründet. Die Geburt seiner Tochter ermutigte ihn mitunter, sich fürs Bürgermeisteramt in seiner Heimatgemeinde zu bewerben - nach "erfolgreichen Jahren im Beruf", wie Notz betont: Der gelernte Fachkrankenpfleger und studierte Betriebswirt (Bachelor of Business) leitet seit 2006 die Bildungseinrichtungen der Reutlinger Kreiskliniken. Dazu gehört unter anderem die "Akademie der Kreiskliniken" sowie die Schule für Pflegeberufe in Bad Urach. Klaus Notz betreut dort 200 Auszubildende und steht 20 Mitarbeitern vor.

Nach 35 Jahren im Dienst der Krankenpflege sucht der parteilose Bewerber eine neue Herausforderung: Er wolle im Leben noch einmal Neues anpacken, seine Kompetenz für Dettingen einbringen , sagt er.

Klaus Notz ist zweiter Vorsitzender DRK-Ortsvereins Dettingen und Mitglied in etlichen Vereinen.


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Autor: CHRISTINA HÖLZ | 09.02.2010

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