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Klein, robust und anhänglich

Es ist klein, süß und dennoch sehr robust: das Ouessant-Schaf. Vor 40 Jahren wäre es fast ausgestorben, nun erlebt die kleinste Schafrasse Europas dank engagierter Liebhaber eine Renaissance.

KIRSTEN OECHSNER | 0 Meinungen

Eigentlich wollte Fritz Starzmann Ziegen halten. Doch als er und seine Frau Hannelore bei einer Veranstaltung in der Region einige Ouessant-Schafe entdeckte, wars um das Ehepaar geschehen: "Ich habe sie gesehen und es war klar, die sinds", erinnert sich Fritz Starzmann an die erste Begegnung mit der kleinsten Schafrasse Europas vor etwa vier Jahren. Er machte sich sachkundig und erfuhr überraschendes: Das Ouessant-Schaf, das seinen Namen der bretonischen Atlantikinsel Ouessant verdankt, war fast ausgestorben, 1977 existierten gerade noch knapp 500 Tiere.

Von Frankreich und den Niederlanden ausgehend, wurde die Zucht in der Folgezeit von Liebhabern wieder forciert: Inzwischen wird von einem Bestand von rund 15 000 Tieren ausgegangen, meistens handelt es sich um eine Liebhaberzucht. Unter den Züchtern befindet sich eben auch Fritz Starzmann, der nach diesen Informationen erst recht von den Ouessent-Schafen fasziniert war: "Wir wollten immer Tiere, die in ihrer Existenz bedroht sind." So hält das Ehepaar auf seinem weitläufigen Gartengrundstück auch Vorwerk-Hühner, die es inzwischen auch nicht mehr so häufig gibt. Einen Hund gibts auch und Bienen ebenfalls.

Nach seiner Pensionierung wollte sich Fritz Starzmann mit Tieren beschäftigen, deshalb zog der gebürtige Uracher auch wieder in die Heimatregion zurück und schuf gemeinsam mit der Ehefrau mitten in Wittlingen ein kleines Paradies für Tiere - unter anderem auch für die kleinen, feinen und doch überaus robusten Mini-Schafe: "Sie werden relativ zutraulich, lassen sich füttern und sind deshalb für Kinder geeignet", erklärt der Hobby-Schafzüchter, der eigens dafür einen Lehrgang besuchte. "Die ersten beiden Jahre waren schwierig, weil ich kaum an gute Zuchtschafe herangekommen bin.

Inzwischen nennt Fritz Starzmann sieben Ouessant-Schafe, darunter zwei Böcke, sein eigen: "Ich bin gerade dabei, einen Stamm zu bilden. Dieses Jahr hat es bei der Zucht einen richtigen Schub gegeben."

Der Umgang mit den unkomplizierten und doch anhänglichen Ouessant-Schafen mit ihrem zutraulichen Wesen macht Fritz Starzmann viel Spaß, auch wenn er viel Zeit ins ungewöhnliche Hobby investieren muss. Er ist in der Region jedoch nicht alleine mit seiner Leidenschaft: Mit Uta Reichenbach aus Gomaringen und Dr. Horst Roller aus St. Johann organisiert der Neu-Wittlinger am Wochenende die Jahresversammlung der Interessengemeinschaft Ouessantschaf, die 2006 unter anderem von Horst Roller ins Leben gerufen wurde. Liebhaber des Ouessant-Schafes aus ganz Deutschland kommen im Gestütshof St. Johann zusammen, rund 100 Tiere werden zum Auftrieb am Samstag, 6. Oktober, um 7 Uhr erwartet. Getagt und bewertet wird indes nicht hinter verschlossenen Türen, Zuschauer jeden Alters sind gerne gesehen: "Interessant wird es ab etwa 13 Uhr, wenn die Bewertung der Tiere bekannt gegeben wird", sagt Starzmann. Dann wird es auch einige Erklärungen zu den Schafen geben, Kinder können den kleinen Schafen ganz nah sein. Am Sonntag, 7. Oktober, sind die Tiere von 9 bis 12 Uhr nochmals ausgestellt, um 11 Uhr findet eine Hütevorführung mit Uta Reichenbach statt.

Selbst wenn das Wetter schlecht sein sollte, macht sich Fritz Starzmann keine Sorgen um die widerstandsfähigen Tiere: "Im Neckartal können sie den ganzen Winter draußen bleiben." Anders auf der rauen Alb, da kommen sie bei entsprechender Witterung in einen weitgehend geöffneten Stall. Aus gutem Grund: Wenns schneit, könnten die Schafe im Schnee versinken - die männlichen Tiere dürfen nämlich eine maximale Schulterhöhe von 49 Zentimeter haben, die weiblichen von 45 Zentimeter.

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