Der doppelte Erfolg

Bad Urach.  Der zum Bürgersaal ausgebaute Dachstuhl in der Schlossmühle ist im Haushalt der Stadt zwar nur eine kleine Nummer, aber eine positive. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr und überrascht nur einerseits.

50 private Festgesellschaften haben den Bürgersaal in der Schlossmühle im vergangenen Jahr angemietet. Für Feierlichkeiten durchschnittsdeutscher Prägung, falls es so etwas überhaupt gibt, also in einem Rahmen von 80 bis etwas mehr als 100 Personen, wie sie üblicherweise zu Hochzeiten oder runden Geburtstagen kommen.

Das große Interesse am "Prof.-Dr.-Willi-Dettinger-Saal", wie er offiziell heißt, ist gut für die Stadtkasse. Nachdem der Saal im Jahr 2008 immerhin 6000 Euro an Einnahmen zu verbuchen hatte, sind es ein Jahr später stolze 16 500 Euro. Ein sprunghafter Anstieg, der einerseits überrascht, andererseits nicht, wie Kulturamtsleiter Thomas Braun sagt. Die Nachfrage komme nicht von ungefähr und hängt auch mit der Vermarktung des Saals zusammen. Die beginnt im Kulturamt, wo Interessenten bezüglich der Raumwahl beraten werden, und sie wird vor Ort fortgeführt, wo die Festgesellschaften auf die hausmeisterliche Kompetenz des Manfred Edel treffen. Der Rentner steht seit 2007 in Diensten der Stadt. Seine Art der Betreuung habe sich längst herumgesprochen, sagt Thomas Braun, der dem Hausmeister einen großen Anteil am Erfolg des Bürgersaals zuschreibt. Dabei agiere Edel gar nicht nach sonst üblicher Hausmeisterart, sondern im Gegenteil so gar nicht autoritär. "Eigentlich sind alle immer zufrieden", freut sich Manfred Edel und findet dann doch das Haar in der Suppe: "Alle, bis auf meine Frau", die ihren Mann wohl lieber zu Hause sähe. Aber da hat er gleich zu Beginn seines Ruhestandes alles renoviert und somit derzeit eindeutig zu wenig zu tun.

Die Befürchtung, der Erfolg des Bürgersaals könnte zu Lasten der Festhallen-Auslastung gehen, ist indessen unbegründet. Nach einer Liberalisierung der Benutzerordnung im Jahr 2004 sind auch hier die Einnahmen sprunghaft angestiegen, bis auf 13 000 Euro im Jahr 2008. Dass der Spitzenwert im vergangenen Jahr leicht nachgab und auf 11 000 Euro sank, ist kein Absturz, allenfalls eine leichte Korrektur. Die Festhalle wird ohnehin von anderen Gruppen gemietet. 80 Menschen verlieren sich in ihr, weswegen dort vereinzelt Betriebsfeiern stattfinden. Oder private Feste, wie sie vor allem ausländische Einwohner der Stadt zu feiern imstande sind. Hochzeiten, Beschneidungsfeiern, Hennafeste. Da kommen mitunter mehr als 300 Gäste, sodass die Festhalle ein passender Rahmen ist.

Doch den Saal gäbe es gar nicht ohne Elisabeth Dettinger, die mit ihrer Spende den Ausbau überhaupt erst ermöglichte, wie Thomas Braun betont. "Und mich auch nicht", ergänzt Manfred Edel. Jedenfalls nicht als Hausmeister.


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Autor: PETER KIEDAISCH | 09.02.2010

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