200 Schüler schreiben Abitur
Bad Urach. Kleist, Kafka, Dürrenmatt oder Gedichtinterpretation: Wenn am 19. März das Abitur mit Deutsch startet, brüten allein am Graf-Eberhard-Gymnasium 200 Abiturienten aus zwei Jahrgängen über den Aufgaben.
Inhaltlich hat sich im Vergleich zu den anderen Jahren kaum etwas geändert: Die Klassiker stehen im Fach Deutsch auf dem Prüfungsbogen, die Themen in Mathematik variieren seit ewigen Zeiten nicht und in Englisch bereiten sich die Abiturienten auf Short Stories vor. Und doch ist vieles anders bei der diesjährigen Reifeprüfung: Die letzten G9-Schüler und der erste G8-Jahrgang haben die vergangenen zwei Schuljahre in den Kursen miteinander gepaukt, nun schreiben sie gemeinsam Abitur - allein am Graf-Eberhard-Gymnasium sind das 200 Schüler.
Das stellt die Schulleitung vor eine logistische Herausforderung, der Rektor Friedemann Schlumberger dennoch gelassen entgegen sieht: "Wir wissen, wie Abiturprüfungen organisiert werden, das ist nichts Neues. Dieses Jahr sind es eben mehr Schüler. Wir sind aber zuversichtlich, dass alles klappt."
Im Schulgebäude selbst stößt man aber an die Grenzen: Üblicherweise wird der fünfte Stock komplett gesperrt und in den dortigen Klassenzimmern das Abitur geschrieben. Dieser Platz reicht nun nicht aus, die Schulleitung hat sich aber im Gegensatz zu anderen Gymnasien gegen eine externe Hallenlösung entschieden und bleibt auf dem Schulgelände: Die Diegelehalle wird während der Prüfungen für den Schul- und Vereinssport gesperrt und verwandelt sich in einen großen Prüfungsraum für etwa 90 Abiturienten. "Uns war es wichtig, dass sich die Schüler nicht auf eine völlig neue Situation einstellen müssen, die sich zum bestehenden Prüfungsstress addiert", erklärt Schlumberger. Trotz der Größe werde in der Diegelehalle eine relativ angenehme Atmosphäre herrschen, ist sich der Schulleiter sicher.
Unterstützt wird das Gymnasium dabei vom Bauhof, der das Mobiliar von der Festhalle ins Schulgelände transportiert. Auf Verständnis hofft Schlumberger in Sachen ruhiges Verhalten während der Prüfungen bei den Schülern und währen der Prüfungsphase bei den Eltern: "Unterrichtsausfälle werden sich kaum vermeiden lassen." Immerhin müssten 18 Lehrer parallel zur Aufsicht eingeteilt werden. Dann folgt die ebenfalls gigantische Korrekturphase: Insgesamt 800 Arbeiten stehen zur Erstkorrektur an, rund 770 kommen zur Zweitkorrektur von anderen Schulen.
Das bringt auch einen erheblich größeren Verwaltungsaufwand mit sich, die Menge an Abiturienten hat aber auch Vorteile: So kamen Kurse zusammen, für die es sonst kaum genügend Schüler gab. "Zum ersten Mal prüfen wir das Fach Ethik schriftlich, elf Schüler haben sich dafür entschieden." Abi-Premiere feiert ebenfalls das neu etablierte Fach Spanisch mit 14 Prüflingen, eine neue Situation auch für die beiden verantwortlichen Lehrer. Ohnehin seien, so Schlumberger, viele Lehrer erstmals mit einem Abiturkurs betreut worden: Immerhin kamen je zehn Deutsch- und Mathekurse zusammen. "Gerade für die neuen Lehrer ist eine Abiturprüfung nicht weniger aufregend als für die beteiligten Schüler."
Im Augenblick haben die Schüler Ferien und bereiten sich - das hofft wenigstens ihr Schulleiter - auf die schriftlichen Prüfungen vor. Die Zeit danach wird von Schulleitung und Abiturienten ebenfalls bereits organisiert: Am 18. Juni startet das mündliche Abitur. Am Abi-Jahrbuch arbeiten die Schüler bereits intensiv: "Das wird wohl so dick wie ein Brockhaus", erwartet Schlumberger. Auch der Abi-Ball am 23. Juni wird gigantische Ausmaße haben: "Da wird es eng, aber umso schöner." Denn in den vergangenen zwei Jahre haben sich die letzten Schüler, die in neun Jahren das Abitur absolvieren, und die ersten, die in acht Jahren am Ziel sind, in ihren gemischten Kursen zusammengerauft. In Deutsch oder Englisch sind laut Schlumberger noch leichte Wissens-Unterschiede spürbar, doch insgesamt haben sich viele Kontakte und neue Freundschaften entwickelt: "Um ein richtiges Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, ist der Jahrgang aber zu groß." Das wird sich 2013 wieder ändern, wenn wie üblich um die 100 Abiturienten ihre Reifeprüfung absolvieren.
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Autor: KIRSTEN OECHSNER | 22.02.2012
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Derzeit büffeln die Gymnasiasten fürs Abitur. Am 19. März treten in Urach zwei Jahrgänge an. Foto: Kirsten Oechsner
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