Worte für das Unfassbare

Mit einer bewegenden Trauerfeier nahm die Gemeinde Grabenstetten Abschied von ihrem plötzlich verstorbenen Bürgermeister Harald Steidl.

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  • So würde Harald Steidl wohl gerne in Erinnerung bleiben: Lachend zeigt ihn das Bild am Sarg und auf dem Ablaufplan.  Foto: Thomas Kiehl 1/4
    So würde Harald Steidl wohl gerne in Erinnerung bleiben: Lachend zeigt ihn das Bild am Sarg und auf dem Ablaufplan. Foto: Thomas Kiehl Foto: 
  • Vor der Kirche konnten sich Besucher in ein Kondolenzbuch eintragen. Die Trauerfeier wurde auch ins nahe Gemeindehaus übertragen.  Foto: Thomas Kiehl 2/4
    Vor der Kirche konnten sich Besucher in ein Kondolenzbuch eintragen. Die Trauerfeier wurde auch ins nahe Gemeindehaus übertragen. Foto: Thomas Kiehl Foto: 
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Die Anteilnahme an der Trauerfeier in der Peter- und Paul-Kirche war groß.  Foto: Thomas Kiehl 3/4
    Die Anteilnahme an der Trauerfeier in der Peter- und Paul-Kirche war groß. Foto: Thomas Kiehl Foto: 
  • Harald Steidl wurde nur 57 Jahre alt.  Foto: Thomas Kiehl 4/4
    Harald Steidl wurde nur 57 Jahre alt. Foto: Thomas Kiehl Foto: 
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Feuerwehrleute gaben Harald Steidl auf dem Weg in die Peter- und Paul-Kirche das letzte Geleit. Der Grabenstetter Bürgermeister war in der vergangenen Woche völlig überraschend im Alter von 57 Jahren gestorben – dementsprechend groß war und ist der Schock in der Albgemeinde und unter den kommunalpolitisch Interessierten in der Region. Und natürlich ist auch in Grabenstetten selbst die Anteilnahme riesig: Schon eine halbe Stunde vor der gestrigen Trauerfeier war in der Kirche kaum ein Platz mehr zu finden, die Trauerfeier wurde deshalb auch ins Gemeindehaus übertragen. Das Rathaus hatte geschlossen, weiße Rosen und eine Kerze am Eingang erinnerten an das für viele noch immer Unfassbare.

Monsignore Norbert Blome leitete die Trauerfeier ein. „Wir finden keine Antwort auf diesen Verlust und können nur in Stille Abschied nehmen“, erklärte Blome, der dem gläubigen Christen Harald Steidl ein Bibelzitat aus dem Buch Jesaja mit auf den Weg gab: „Fürchte Dich nicht, denn ich erlöse Dich.“ Steidl habe sich stets Zeit für die Menschen genommen, betonte der Monsignore in seiner bewegenden Ansprache.

Sichtlich schwer fiel es anschließend Fritz Holder, den Nachruf für die Gemeinde und die Vereine zu halten. Der stellvertretende Grabenstetter Bürgermeister sprach mit gebrochener Stimme von einem „für uns alle traurigen Tag“. Der Tod von Harald Steidl sei „völlig unerwartet“ gekommen. Holder erinnerte an zahlreiche Entscheidungen und Entwicklungen, die in Steidls Amtszeit als Bürgermeister gefallen sind. Beispielsweise an den Anbau des Rathauses und an die Sanierung von Schule und Kindergarten.

„Er verstand es, sehr viel für die Gemeinde zu erreichen“, sagte Holder. Steidl habe sich unermüdlich für die Gemeinde eingesetzt, auch wenn vor allem unberechtigte Kritik an ihm genagt habe. Bisweilen habe man auch in den Ratssitzungen heftig diskutiert. „Am Ende konnten wir uns aber immer in die Augen sehen.“

Reutlingens Landrat Thomas Reumann würdigte Steidl als einen „schwäbischen Bürgermeister im besten Sinne, geistreich und voller Humor“, aber auch als einen „lebensbejahenden und optimistischen Menschen“, der sich seinen Mitmenschen stets zugewandt habe. „Nach menschlichem Ermessen ist Harald Steidl viel zu früh aus dem Leben gerissen worden.“ Die große Anteilnahme an der Trauerfeier wertete Reumann als Zeichen der persönlichen Wertschätzung, sowie als Zeugnis des Respekts und der Hochachtung vor Steidls Wirken.

Dieser habe stets Verantwortung übernommen und sei „ein Mann gewesen, bei dem man wusste, woran man war“. Steidl habe aber auch eine sensible und verletzliche Seite gehabt. Reumann beendete seinen Nachruf mit den Worten: „Er war ein ganz besonderer Mensch hier auf Erden. Und das wird er in unserer Erinnerung auch immer sein.“

Für Steidls Bürgermeisterkollegen sprach der Erkenbrechtsweiler Schultes Roman Weiß. „Es fällt mir schwer hier vor ihnen zu stehen“, gab Weiß gleich zu Beginn seiner Ansprache zu. „Das ist das einzige, was ich noch für Harald Steidl tun kann und tun muss: reden.“ Sichtlich berührt schilderte der Erkenbrechtsweiler Bürgermeister, wie er noch an seinem Todestag mit Harald Steidl telefoniert hatte, um sich für die Verbandsversammlung am kommenden Tag zu verabreden.

Als er dann am nächsten Morgen vom Tod Steidls erfahren habe, „stand die Welt für mich für einen Moment still“. Durch die intensive Zusammenarbeit, etwa in Sachen Heidengrabenzentrum, sei mit der Zeit eine „Freundschaft über das Amtsverhältnis hinaus“ gewachsen.

Steidl sei intelligent, weltoffen und humorvoll gewesen. „Er wurde oft unterschätzt“, meinte Weiß und erzählte, dass Steidl ihn und seine Kollegen mit seinem Wissen oft zum Staunen gebracht habe. „Er hat uns neue Horizonte erschlossen und sein Humor hat uns viele unvergessliche Momente beschert.“ Pflichtbewusst und gradlinig habe Steidl sein Amt stets ernst genommen. „Seine Belastungsgrenzen hat er oft erreicht und sich das nur sehr ungern eingestanden“, schilderte Weiß. Vor seiner Verabschiedung nach der Amtszeit habe es ihn gegraust.

Manche Anschuldigungen, auch grundlose, hätten Steidl stets „bis ins Mark“ getroffen. „Er konnte sich maßlos darüber aufregen. So war er, das war sein Ventil.“ Der Erkenbrechtsweiler Schultes mahnte zugleich, dass jeder sich Gedanken machen sollte, „ob man jede Forderung immer gleich mit extremem Nachdruck einfordern müsse“. Salomonisch meinte Weiß: „Wer sich ungerecht behandelt fühlte, möge es ihm verzeihen.“

Opfer für den Kirchturm

Aus Schwäbisch Hall war eigens Walter Frank angereist, der Ortsvorsteher von Sulzdorf. Dieses Amt hatte Steidl von 1992 bis 2003 bekleidet, ehe er in Grabenstetten zum Bürgermeister gewählt wurde. In Sulzdorf habe Steidl „die Herzen der Sulzdorfer im Sturm erobert“, erzählte Frank und erinnerte an die „legendären Ausflüge zu gutem Essen“, die Steidl stets organisiert hatte. Federführend habe Steidl auch Anteil an drei Sulzdorfer Heimatbüchern gehabt. „Er war humorvoll, heimatverbunden, akribisch und tiefsinnig“, erklärte Frank. „In Dankbarkeit bewahren wir Harald Steidl ein ehrendes Andenken.“

Im Anschluss an die Trauerfeier, bei der auch Steidls Ehefrau und dessen Geschwister teilnahmen, konnten sich die Trauergäste am Sarg persönlich von Harald Steidl verabschieden, ehe zum Leichenschmaus in die Falkensteinhalle geladen wurde. Mit seiner Trauerfeier setzte sich Steidl ein letztes Mal für seine Gemeinde ein: Das Opfer der Feier war für die Sanierung des Kirchturms der Peter- und Paul-Kirche bestimmt.

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