Wo sich der Hornschröter wohl fühlt

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Mathias Kröger vom Regierungspräsidium Tübingen vor einem der Hirschkäfer-Meiler im Grafenberger Wald.  Foto: 

Wie so oft bei größeren Bauprojekten, müssen die Verantwortlichen nicht nur naturschutzrechtliche Vorschriften beachten, mitunter stellen ihnen Pflanzen oder Tiere auch besondere Aufgaben.  Beim Bau der Ortsumfahrung Grafenberg ist den Ingenieuren und Bauarbeitern der Hirschkäfe, auch Hornschröter genannt, in die Quere gekommen. Bereits im November des vergangenen Jahres hat Mathias Kröger vom Regierungspräsidium Tübingen dem Gemeinderat berichtet, dass etwa sechs Baumstümpfe in Sicherheit gebracht werden müssten.

In den Wurzelballen der Eichen haben Experten nämlich jede Menge Hirschkäfer-Larven entdeckt. Kröger sprach damals von einer Besonderheit, womit er auf der richtigen Spur war. Sein Kollege Ulrich Junghans bestätigt, dass das Hirschkäfer-Aufkommen in Grafenberg durchaus als groß bezeichnet werden kann. Dies kann auch Revierförster Thomas Vorwerk bestätigen. Die Larven entwickeln sich in den Wurzeln, Stämmen und Stümpfen, brauchen jedoch durch Pilzbefall zermürbtes Totholz, insbesondere von Eichen. Und im Bestand des Grafenberger Gemeindewalds gibt es besonders viele Eichen. Laut Junghans wurden aber auch Larven in Obstbaumwurzeln entdeckt. „Erst vor kurzem“, so Junghans, „haben wir die letzten Wurzelballen wieder eingegraben, damit sich die Hirschkäfer-Larven in Ruhe entwickeln können.“ Und das tun sie in aller Ausgiebigkeit. Bis aus der Larve ein Käfer wird, vergehen laut Junghans fünf Jahre. Tote Eichen sind dabei eine ideale Brutstätte.

Doch bei den Wurzelballen hat es die Naturschutzbehörde nicht bewenden lassen. Im Wald oberhalb der Rienzbühlhalle hat sie zwei Hirschkäfer-Meiler erstellen lassen, sozusagen als Kinderstube für den Käfer. Hier können sich die Larven unter Eichenhäcksel in Ruhe entwickeln. Die Meiler sind eingefasst mit Eichenpfählen und Eichenstammteilen. Darüber hinaus haben sie einen pyramidenähnlichen Aufbau. Laut Mathias Kröger liegen die Herstellungskosten eines solchen Hirschkäfer-Meilers bei rund 5000 Euro. Überhaupt investiert das Regierungspräsidium im Zuge der Grafenberger Ortsumfahrung in den Naturschutz rund 30 000 Euro. Dazu gehören auch die ganzen Aufforstungsprojekte als Ausgleichsmaßnahmen für die Rodungen. „Der Artenschutz“, so Ulrich Junghans, „bekommt eine immer größere Bedeutung. Und das ist auch richtig so.“ Der Hirschkäfer jedenfalls wird auf der Roten Liste als „stark gefährdet“ eingestuft. Sein Bestand hat in Mittel- und Südeuropa stark abgenommen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die Lebensräume für die Tiere immer weniger werden. So wurden in der Vergangenheit Laubwälder immer wieder von Totholz befreit, dabei ist dieses für die Entwicklung der Hirschkäferlarven absolut notwendig. Beim Projekt Ortsumfahrung Grafenberg jedenfalls hat man daraus gelernt.

Der Hirschkäfer gehört zu den größten und auffälligsten Käfern in Europa. Seinen Namen erhielt er auf Grund der bei den Männchen geweihartig vergrößerten Oberkiefern.

Im Jahr 2012 wurde der Hirschkäfer vom Kuratorium des Deutschen Entomologischen Instituts zum Insekt des Jahres gekürt. ps

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