Weitere Bankenfusion angestrebt

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  • Die Hauptstelle der Raiffeisenbank Vordere Alb in Hülben (oben) soll auch nach einer Fusion als „Kopfstelle für die Region“, so Vorstand Hermann Sigel, erhalten bleiben. Ebenso wie die Filialen in Grabenstetten (links unten) und Erkenbrechtsweiler (rechts).  1/3
    Die Hauptstelle der Raiffeisenbank Vordere Alb in Hülben (oben) soll auch nach einer Fusion als „Kopfstelle für die Region“, so Vorstand Hermann Sigel, erhalten bleiben. Ebenso wie die Filialen in Grabenstetten (links unten) und Erkenbrechtsweiler (rechts).  Foto: 
  • Die Filiale der Raiffeisenbank Vordere Alb in Grabenstetten. Auch in dieser Albgemeinde gibt es derzeit noch eine zweite Bankfiliale, die zur Volksbank Ermstal-Alb gehört. 2/3
    Die Filiale der Raiffeisenbank Vordere Alb in Grabenstetten. Auch in dieser Albgemeinde gibt es derzeit noch eine zweite Bankfiliale, die zur Volksbank Ermstal-Alb gehört. Foto: 
  • Als neuen Standort könnte die Volksbank Ermstal-Alb im Rahmen der Fusion die Geschäftsstelle in Erkenbrechtsweiler bekommen. 3/3
    Als neuen Standort könnte die Volksbank Ermstal-Alb im Rahmen der Fusion die Geschäftsstelle in Erkenbrechtsweiler bekommen. Foto: 
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Drei Filialen, rund 2900 Genossenschaftsmitglieder und fast 5200 Kunden hat die Raiffeisenbank Vordere Alb, die neben ihrem Hauptsitz in Hülben noch Geschäftsstellen in Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler betreibt. Die Bilanzsumme liegt bei rund 100 Millionen Euro, das Eigenkapital bei 9,5 Millionen. Es sind gute Zahlen, auf die Vorstand Hermann Sigel blicken kann. „Wir können aus einer Position der Stärke heraus agieren“, sagt Sigel. Und doch: Der Eigenständigkeit der Raiffeisenbank Vordere Alb gibt der Vorstand keine Zukunft mehr.

„Wirtschaftliche Zwänge“ und eine „Verantwortung gegenüber der Genossenschaft“ nennt Sigel als Argumente, weshalb der Vorstand mit der Volksbank Ermstal-Alb in Metzingen Gespräche über einen Zusammenschluss aufgenommen hat. Die Aufsichtsräte beider Banken haben hierzu bereits grünes Licht gegeben, gestern wurden die 20 Mitarbeiter der Raiffeisenbank Vordere Alb über die Pläne informiert. Die wichtigste Nachricht für die Angestellten und Kunden sei, so Sigel: „Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Und alle Standorte bleiben erhalten.“ Auch die Vorstände der Volksbank Ermstal-Alb hätten dies in den Gesprächen versichert.

So soll die Hauptgeschäftsstelle in Hülben zu einer „Kopfstelle für die Region“ ausgebaut werden, während die Filiale der Volksbank Ermstal-Alb in Hülben im Zuge der Fusion geschlossen wird. Von den Mitarbeitern werde man daher Flexibilität einfordern, heißt es in einer Pressemitteilung der Bank. Die Schließung einer der beiden Standorte der künftigen Volksbank in Hülben sei dabei nur einer der Synergieeffekte, welche den Zusammenschluss der Banken bringen soll. Auch in Grabenstetten gibt es derzeit noch zwei Bankfilialen.

Hauptsächlich geht es dabei um Kosteneinsparungen im regulatorischen Bereich: So entfällt künftig die Bilanzerstellung der Raiffeisenbank Vordere Alb, auch im Bereich der Innenrevision und bei den Verbandsbeiträgen lassen sich damit viele Kosten sparen, die künftig nur für eine Bank anfallen anstatt für zwei Geldinstitute. „Allein die Prüfungskosten, die uns aufgrund der Bankengesetze entstehen, belaufen sich jedes Jahr auf zigtausende Euro“, erklärt Sigel. Für eine kleine Bank mit drei Filialen und 20 Mitarbeitern sei der Kostendruck immens – wobei neben der wachsenden Regulation auch die anhaltende Niedrigzinsphase der Bank zu schaffen macht. „Es gibt keine Perspektive auf eine Besserung der Rahmenbedingungen in naher Zukunft“, sagt Sigel nüchtern. Die Aufgabe der Eigenständigkeit der kleinen Raiffeisenbank sei daher die „logische Konsequenz“.

Fusionen im Trend

Die Raiffeisenbank Vordere Alb steht mit diesen Überlegungen nicht alleine da. Die Volksbank Reutlingen eruiert derzeit etwa eine Fusion mit der Sindelfinger Bank, auch die Volksbanken in Stuttgart und Göppingen wollen in naher Zukunft zusammengehen, berichtet Sigel. „Göppingen hat allein eine Bilanzsumme von rund zwei Milliarden Euro – und für uns mit 100 Millionen gilt die gleiche Regulierung“, zeigt Sigel ein weiteres Problem für die kleine Bank auf: Die „überbordende Regulatorik“. In der Pressemitteilung der Hülbener Bank heißt es hierzu: „In den letzten Jahren haben die veränderten Rahmenbedingungen zu einer anhaltenden Neuordnung der Bankenlandschaft in Deutschland geführt und sind ursächlich Treiber der laufenden und noch zu erwartenden Veränderungen in der gesamten Bankenwelt.“

Ein weiterer Grund: Die Digitalisierung, die auch vor der Alb keinen Halt macht. Vor allem die junge Kundschaft erledigt ihre Bankgeschäfte zunehmend online. „Als Bank dabei auf dem neuesten Stand zu bleiben, erfordert einen finanziellen Kraftakt und viel Manpower“, weiß Sigel. In einer größeren Bank könne eine eigene Abteilung diese Aufgabe übernehmen, als kleine Bank stoße man dagegen zusehends an die Grenzen des finanziell und personell Machbaren. Bei der Entscheidung hin zur Fusion will Sigel zudem die Kunden im Mittelpunkt sehen. „Wir müssen einfach auch Kosten sparen, um auf diese Weise die Geschäftsstellen so lange wie möglich zu halten.“ Eine akute Notlage sei dagegen keineswegs ein Grund für die Fusion. „Beide Banken sind wirtschaftlich kerngesund und stabil, risikoarm aufgestellt und im Marktgebiet fest verwurzelt. Sie verstehen sich als leistungsstarker und verlässlicher Partner der regionalen Wirtschaft und Privatkunden“, schreibt die Raiffeisenbank Vordere Alb.

Für die Volksbank Ermstal-Alb sind Fusionen in jüngster Vergangenheit indes nichts Neues. Schließlich ist die Bank selbst 2015 aus einem Zusammenschluss der Volksbank Metzingen-Bad Urach mit der VR-Bank Alb entstanden. Die jetzt geplante Fusion kann dagegen eher als „andocken“ (Sigel) der Raiffeisenbank Vordere Alb an den großen Nachbarn gesehen werden.

Denn die Zahlen der Volksbank Ermstal-Alb sprechen für sich: 26 Filialen mit über 310 Mitarbeitern gibt es bei rund 36 700 Mitgliedern und über 71 000 Kunden. Die Bilanzsumme liegt bei rund 1,4 Milliarden Euro, das Eigenkapital bei 138 Millionen.

Die Aufsichtsräte der Raiffeisenbank Vordere Alb eG und der Volksbank Ermstal-Alb eG haben ihre Vorstände ermächtigt, Verhandlungen über einen Zusammenschluss der beiden Institute zu führen. Laufen die Gespräche erfolgreich, dürften die Entscheidungen schon zu Beginn des kommenden Jahres fallen: Wenn am 27. April 2018 bei der Generalversammlung der Raiffeisenbank Vordere Alb in Hülben beziehungsweise am 14. Mai 2018 bei der Vertreterversammlung der Volksbank Ermstal-Alb die Mitglieder einer Fusion zustimmen, werden beide Häuser rückwirkend zum 1. Januar 2018 verschmolzen. Vordere-Alb-Vorstand Hermann Sigel rechnet damit, dass die Genossenschaftsmitglieder der Fusion zustimmen werden. „Die Zeit des Kirchturmdenkens ist vorbei, das passt nicht mehr in unsere Zeit.“ Auch die Mitarbeiter hätten „früher oder später mit einem Zusammenschluss gerechnet“. Für Sigel und seinen Vorstandskollegen Helmut Schweiss beginnt dann der Ruhestand. „Wir werden im Rahmen von Altersteilzeitregelungen aufhören.“ ath

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