Warten auf gutes Wetter

Beim Qualifikationswettbewerb in Grabenstetten für die Deutsche Meisterschaft im Segelflug 2015 gehen 26 Teilnehmer an den Start. Geflogen wird noch bis diesen Freitag in drei Flugzeugklassen.

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Aus ganz Deutschland treffen sich derzeit Segelflieger auf dem Flugplatz in Grabenstetten. Sie alle wollen an der Deutschen Meisterschaft im Segelfliegen teilnehmen und können sich nun qualifizieren. „Das ist einer von insgesamt vier Qualifikationswettbewerben“, erklärt Holger Giese, seit 2001 Vorsitzender der Fliegergruppe Grabenstette-Teck-Lenninger Tal e.V. Er selbst fliegt seit knapp 30 Jahren und hatte damals auch mit dem Segelflug begonnen, bevor er seine Lizenzen für den Motorsegler und das Motorflugzeug erworben hatte.

Bei dieser Qualifikationsmeisterschaft geht es primär ums Segelfliegen. Motorflugzeuge spielen hier eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch sind sie unverzichtbar, denn sie müssen die Segelflug-Piloten in die Luft bringen. „F-Schlepp“, also Flugzeugschlepp, heißt dieser Startvorgang. Rund sechs Minuten dauert es, bis das Gespann 600 Meter hoch gestiegen ist, dann wird ausgeklinkt. Für diese F-Schlepps sind vier Motorflugzeuge zuständig, die alle zu Flugplätzen aus der Umgebung gehören. Die Segelfluggruppe in Grabenstetten hat zwar ein eigenes Motorflugzeug, das beim Schleppen eingesetzt werden könnte, jedoch wurde dieses durch den starken Hagel im vergangenen Jahr beschädigt und ist noch nicht wieder einsatzbereit. Man könnte die Segelflieger auch mit einer Winde starten lassen, dann geht's jedoch nicht ganz so hoch hinauf.
In der Luft angekommen, beginnen die Piloten damit, ihre vorgegeben Strecken abzufliegen. Die Strecken werden vorher unter anderem vom Sportleiter für die Tagesaufgaben, Marc Schneider, festgelegt und sind zwischen 150 und 400 Kilometer lang. Die Flieger „müssen gedachte Bojen“ umfliegen, wie Holger Giese erklärt. Aufgezeichnet wird der gesamte Flug mittels GPS. „Das ist ja mit diesen Geräten heutzutage einfach“, sagt Giese. Am Abend werden die Daten dann ausgewertet und wer die Strecke am schnellsten abgeflogen ist, wird Tagessieger. Die Gesamtsiegerehrung ist am Freitag ab 20 Uhr. Hier wird entschieden, wer bei der Deutschen Meisterschaft dabei sein darf.

Aufgeteilt in Standard-, Club- und Rennklasse starten die 26 Piloten bis dahin täglich. Die Flugzeuge dieser Klassen unterscheiden sich vor allem in der Spannweite, dem Alter und danach, ob sie Wölbklappen haben oder nicht. Wölbklappen sind eine Form der Auftriebshilfe und können das Profil der Tragflächen verändern. Die Spannweite darf bei allen drei Gruppen maximal 15 Meter betragen.
Es ist zwar geplant, dass täglich gestartet wird, aber das Wetter spielt nicht immer mit. Wegen starkem Regen und Gewittern hatte die Wettbewerbsleitung um Patrick Kutschat, der die Qualifikationsmeisterschaft organisiert, bereits an einigen Tagen den Flugbetrieb einstellen müssen.

So hoffen in Grabenstetten alle auf gute Wetterverhältnisse und viel Aufwind, die sogenannte Thermik, die dafür verantwortlich ist, dass die Segelflieger immer wieder an Höhe gewinnen können. Dazu suchen sie sich ein Gebiet aus, über dem gerade viel Thermik vorhanden ist und kreisen dort. Die Flugzeuge schrauben sich sozusagen nach oben. Diese Technik will beherrscht sein und man bekommt irgendwann ein Gefühl dafür, wann es wo die beste Thermik gibt. Dies hat viel mit Erfahrung zu tun, mit dem Lebensalter hingegen nur bedingt: Der jüngste Wettbewerbsteilnehmer ist 17 Jahre alt.
Die Piloten schaffen es, bei ausreichend Thermik, ihre Segelflugzeuge auf mehrere tausend Meter Höhe zu bringen. Bei einer gewissen Höhe, in der Luftfahrt immer in Fuß gemessen, ist dann Schluss. Alles was darüber hinaus geht, muss angemeldet werden. Jochen Haas arbeitet in Stuttgart als Fluglotse und ist deswegen derzeit in seiner Funktion als Flugleiter auf dem Grabenstettener Flugplatz bestens aufgehoben.
Gutes Wetter brauchen die Flugsportler nicht nur zum Fliegen, auch für die Unterbringung in den mitgebrachten Wohnmobilen und Zelten wäre mehr Sonne als Regen von Vorteil. Die Arbeit für die rund 23 Helfer, die den Flugplatz vorbereiten, sich um die Anmeldungen kümmern, für die Verpflegung verantwortlich sind und auch den Campingplatz administrativ verwalten, wäre bei schönem Wetter natürlich um einiges einfacher.

Wer sich für den Flugsport interessiert, kann in Grabenstetten Mitglied werden. Rund 130 Mitglieder hat die Fliegergruppe bereits. Die Anforderungen fürs Fliegen stehen auf der Internetseite der Fliegergruppe Grabenstetten unter: http://www.grabenstetten.info. Das Mindestalter zum Segelfliegen liegt bei 14 Jahren. Ein Fliegerarzt muss dann die Flugtauglichkeit feststellen, dabei ist die Notwendigkeit zum Tragen einer Brille jedoch in den meisten Fällen kein Problem.

Sind alle Anforderungen erfüllt, kann es schon losgehen. Aber eine Sache ist besonders wichtig: Man sollte keine Höhenangst haben.

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