Wanderbare Gemeinderatssitzung

Durchhaltevermögen war bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates gefragt: Neun Kilometer gings zu Fuß über Dettinger Gemarkung. Vertreter des Forstes klärten über Belange des Waldes auf.

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  • Forstbereichsleiter Alfred Krebs (r.): Das Eschentriebsterben ist in Dettingen weniger stark ausgeprägt. Fotos: Kirsten Oechsner 1/2
    Forstbereichsleiter Alfred Krebs (r.): Das Eschentriebsterben ist in Dettingen weniger stark ausgeprägt. Fotos: Kirsten Oechsner
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    Im Gänsemarsch gehts durch den Wald.
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Das Pensum enorm: Inhaltlich wie auch läuferisch. Neun Kilometer Wegstrecke waren anvisiert für den Waldumgang des Dettinger Gemeinderates. Trotzdem machte sich bei Förstern, Mitarbeitern der Verwaltung, Gemeinderäten und zahlreichen interessierten Bürgern angesichts des sonnigen und warmen Wetters Vorfreude breit. Nicht zuletzt kam vor allem wegen der Aussichten auf Dettingen vom Ströhmfeldweg sogar Begeisterung bei den Wanderern auf, auch wenn manche Themen etwas heikel waren.

Mit dem Wald hat die derzeit heftig und emotional geführte Debatte um die Holzlagerung zwar nichts zu tun, entlang der Wegstrecke würde sich aber ein potenzieller Platz befinden, den die Gemeinde Kleingewerbetreibenden zur Verfügung stellen könnte: Die Zufahrt zur ehemaligen Deponie würde sich, so Dr. Rolf Hägele in Vertretung des nicht mitlaufenden Bürgermeister Michael Hillert, anbieten. Die Zufahrt sei unproblematisch und Platz auch für Fahrzeuge ausreichend vorhanden.

Für Lastwagen befahrbar ist ein Waldweg, mit dessen Bau eine Lücke im bestehenden Deponieweg geschlossen wurde: 300 Meter lang ist der Weg, den Forst und ZAV gemeinsam realisiert haben. Ein, laut Revierförster Ulrich Wahl, durch und durch "Win-Win"-orientiertes Projekt: Der Weg wurde von einem Holzverwerter abgeräumt, die Gemeinde übernahm die Planierarbeiten und die ZAV war für die Materialkosten verantwortlich - immerhin müssen deren Spülwagen regelmäßig die Kontrollschächte der ehemaligen Mülldeponie anfahren. "Der Gemeinde hat der Wegebau 3000 Euro gekostet", rechnete Wahl vor.

Was in Bezug auf das Eschentriebsterben auf die Gemeinde zukomme, lasse sich laut Forstbereichsleiter Alfred Krebs nicht voraussagen. Doch Dettingen habe Glück: Zum einen seien die Eschen im Gemeindewald von der Pilzkrankheit noch nicht so stark in Mitleidenschaft gezogen. Und zum anderen würden auf der Gemarkung keine reinen Eschenbestände existieren: "Dettingen lebt aber nicht unter einer Käseglocke", machte Krebs aufmerksam. "Der Zustand ist aber noch nicht besorgniserregend." Er werde in den nächsten Wochen alle Reviere mit Blick auf die Verkehrssicherungspflicht untersuchen und dabei das Augenmerk vor allem auf Straßen, die Bebauung und touristische Ziele legen.

Sperrungen würden dann unter Umständen notwendig sein, was laut Ulrich Wahl auch in Bezug auf den geplanten Holzeinschlag notwendig sei: Im Bereich der Steige nach Hülben ist ein Straßenhieb angesetzt, terminiert werden soll er zwischen Weihnachten und Dreikönig. 720 Festmeter Holz werden zudem im Bereich Wursterberg geschlagen, im Ziegelriss sind es 360 Festmeter. Unterhalb des Paradiesweges am Sommerberg nahmen die Gemeinderäte ein etwa 4,5 Hektar großen Dauerwaldbestand in Augenschein: 315 Festmeter Holz sollen dort geschlagen werden. "20 Jahre wurde hier kein Holz mehr gemacht", erklärte Wahl, das Sortiment sei nicht hochwertig. Den Betriebsplan für das Jahr 2015 stellten die Förster anschließend im Dettinger Waldheim vor, dem stimmte der Gemeinderat zu: Geplant sind Einnahmen von 84 670 Euro, die Ausgaben belaufen sich auf 72 000 Euro. Unter Berücksichtigung der Kosten für Erholung und Landschaftspflege ergibt sich ein geplanter Überschuss von 12 170 Euro. Das Betriebsjahr 2013 wurde mit einem Überschuss von 3105 Euro abgeschlossen.

Insgesamt fünf Waldrefugien in einer Gesamtgröße von 14,8 Hektar werden laut einstimmigen Beschluss nach den Vorgaben des Alt- und Totholzkonzeptes des Landesbetriebs ausgewiesen, zwei davon lagen auf der Wegstrecke. Es handelt sich laut Alfred Krebs zum großen Teil um Waldgebiete, die felsig oder schwer zu erreichen und damit kaum zu bewirtschaften sind. Befürwortet wurde auch ein Antrag der Jagdgemeinschaft auf Einrichtung eines Wildackers: "Das bringt eine Verbesserung der natürlichen Äsung in der Winterzeit", erklärte Jäger Erwin Schult.

En passant erfuhren die Mitwanderer bei der Wanderung abseits der offiziellen Tagesordnung vieles über den Wald. Und für einige wars sogar eine Premiere, kannten sie die Route - sie führte unter anderem über den Ströhmfeldweg - doch nicht. Besonders das rege Interesse der Bürger freute Bürgermeister Hillert: "Es ist immerhin ihr Wald, über den gesprochen wird."

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