Völlig losgelöst

Viele reden von Klimaschutz, nur wenige tun etwas dafür: In Böhringen entsteht derzeit ein großes Nahwärmenetz. Auch von kleineren Rückschlägen lassen sich die Verantwortlichen nicht mehr stoppen.

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Fixpunkt ist das Jahresende. Bis dahin muss der Bau des Nahwärmenetzes der Bürgergenossenschaft „Neue Energie Römerstein“ (NER) abgerechnet sein, sonst müssen die bewilligten Zuschüsse rückerstattet werden. Ob ein Genehmigungsvertrag zwischen der Kommune und der NER wegen Detailfragen nun vor oder nach der Sommerpause unterschriftsreif wird, kann dem Gesamtprojekt nichts anhaben. Zu den in der vergangenen Woche aufgekommenen Differenzen bezüglich des Gestattungsvertrages (wir berichteten), wird es an diesem Montag eine Gesprächsrunde mit Gemeinderäten und NER-Vertretern geben. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass man sich dann einigen wird“, sagt Hans Sigel, Vorsitzender der Genossenschaft.

Vielmehr sind die ehrenamtlichen Macher der NER stolz darauf, was sie in den vergangenen Monaten für sich und ihre Kommune auf die Beine gestellt haben. „Regionale Energien nutzen“ heißt das Motto, im Umkehrschluss sagen sich die Böhringer durch ihr mit Biogas und Holzhackschnitzeln betriebenes Nahwärmenetz los von fossilen Energieträgern und damit auch von Stromkonzernen und den Unbilden der Weltpolitik. Überspitzt gesagt: Dreht Putin den Gashahn zu, bleiben in Böhringen die Stuben trotzdem warm.

Und nicht nur die Unabhängigkeit ist es, die im derzeit in der Umsetzung befindlichen ersten Bauabschnitt gleich 130 Häuslesbesitzer von der neuen Wärmeversorgung überzeugt hat, es sind auch ökologische Gründe. Die Biomasse bei Lieferanten, dem örtlichen Loserhof, fällt ebenso natürlich an wie Holzabfälle im Forst – beides wird künftig einer sinnvollen Verwendung zugeführt. Pro Jahr, so die Hochrechnung, werden in den Wohngebieten „Höhe“ und „Über Berg-Höhe“ jedes Jahr 285 000 Liter Heizöl eingespart. In weiteren Bauabschnitten schlummert in Gesamt-Böhringen ein Einsparpotenzial von bis zu 650 000 Litern pro Jahr.

„Unser Netz benötigt über den Sommer für 130 Gebäude eine Leistung von 80 kw, jeder Einzelne hat aber eine Heizung mit 30 kW im Keller stehen – scheinbar völlig überdimensioniert“, erklärt Christian Class die Synergieeffekte. Im Winter deckt die Biomasse bis zu einer Durchschnittstemperatur von acht Grad Celsius den Wärmebedarf, wenn es kälter wird, wird mit den Holzhackschnitzeln zugeheizt.

Im Oktober sollen die ersten Heizkreise in Betrieb gehen, „bis Weihnachten sind dann alle dran“, verspricht Hans Sigel. Das muss auch funktionieren, weil sonst bis zu 200 000 Euro an Fördermitteln wieder rückerstattet werden müssen.

Längst ist der Blick über den ersten Bauabschnitt hinaus gerichtet, besonders im Sanierungsgebiet „Ortsmitte“ dürfte ein zweiter Abschnitt mit einer Zusatzheizzentrale attraktiv werden. Zum neuen Kindergarten ist bereits eine entsprechende Leitung gelegt, Kommune und Kirche möchten alle Liegenschaften an das Netz anschließen. „Mit diesen Planungen fangen wir aber erst 2015 an. Wir hoffen, dass wir uns mit den jetzt gemachten Erfahrungen dann etwas leichter tun“, signalisieren Hans Sigel und Co weitere Einsatzbereitschaft.

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