Technisch brillant, virtuos leichtfüßig

Ihre ersten, internationalen Meriten haben sie sich als Ecatuor verdient, seit September hört das Berliner Streichensemble auf den Namen Orbis-Quartett. Am Samstag spielten die Musiker in der Zehntscheuer.

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Das Orbis-Quartett begeisterte, begleitet von Katharina Schlenker am Klavier, in der Zehntscheuer.  Foto: 

Kurz nach der Gründung 2014 nahm sich das berühmte Artemis-Quartett der jungen Musiker an. Eine Zusammenarbeit, die für Tilmann Hussla, Meike Lu Schneider (beide Violine), Kundri Lu Schäger (Viola) und Martin Knörzer am Violoncello Folgen hatte. Vor einem Monat gewannen sie den ersten Preis in der Kategorie Streichquartett beim Internationalen Beethoven-Kammermusikwettbewerb.

Der neue Name des jungen Quartetts mag dazu beitragen, dass das Ensemble noch den Status des Geheimtipps inne hat. Wenn sie aber an dem festhalten, was sie am Samstagabend auf der Bühne der Münsinger Zehntscheuer zeigten, dann ist es ebenso wahrscheinlich, dass an ihrem Revers bald das Prädikat Shooting-Star prangt. Technische Brillanz, kompakte wie gestenreiche Tonalität oder pulsierende Leichtfüßigkeit sind nur ein paar wenige Attribute, die das Zeug haben, um das zu beschreiben, wovon sich rund 80 Zuhörer vom Fleck weg mitreißen ließen. Über dem gesamten Vortrag ausgebreitet lag insbesondere das Gespür für die Zeilen zwischen den Noten. Emotional nahbar gemacht, führte das bereits nach dem ersten Konzertdrittel zu langem Beifall und zu Bravo-Rufen.

Verstummt war da gerade Ludwig van Beethovens Streichquartett in c-Moll. Gespielt übrigens aus dem Gedächtnis, ganz ohne Noten. Statt also den Blicks aufs Notenblatt zu richten, galt er den Mitspielern. Das hatte ein perfekt aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel und geschliffene Energetik zur Folge.

Insbesondere der erste Geiger Tilman Hussla faszinierte dabei immer wieder mit gefasstem Ausdruck und wohliger Präsenz, aber auch mit seinem (wahrhaft) körperlichen Spiel: Er war Antreiber, Anker, Arrangeur - auch bei Maurice Ravels Streichquartett. Standen in Beethovens Werk mitunter auch schroff-kantige Klippen zur Bewältigung an, fand man sich nun gleichsam weit draußen treibend auf dem offenen Meer. Umringt von bewegter Gischt, die der Franzose mit pastellfarbenen Pinseln aufs Notenpapier bannte. Auch hier: Die Motivassoziationen durchdrang das Orbis-Quartett in charismatischer Beflissenheit und mit geistreicher Gestaltungskraft.

Deutlich wurde das auch in Ravels Finalsatz "Vif et agité". Und noch mehr: die unbändige Spielfreude der Musiker. Da trafen sich nicht nur einmal Augenpaare, strahlten sich an und kündeten von einer beinahe kindlichen Freude, über gerade bewältigte oder sich anbahnende Klangstafetten. Dabei vermittelte das Quartett eine virtuose Leichtfüßigkeit, die beeindruckte und den Blick der Musiker über das Notenblatt hinaus eindrücklich demonstrierte.

Dass die Berliner den Weg auf die Münsinger Bühne gefunden und die Gesellschaft der Musikfreunde einen erneuten Coup gelandet haben, haben sie Katharina Schlenker zu verdanken. Sie ließ ihre Kontakte spielen und fädelte nicht nur das Gastspiel ein, sondern setzte sich auch selbst an den Flügel. Sie reihte sich mit musikalischer Substanz während Antonin Dvóraks Klavierquintett nahtlos in das bisher Gehörte ein. An ihrem 29. Geburtstag war ihr und dem Orbis-Quartett damit der frenetische Beifall sicher. Die Zugabe der Berliner war gleichzeitig ihr Geburtstagsständchen: ein Medley aus Queen und den Beatles. Einfallsreich musiziert und gesungen war auch das ein Zungenschnalzer.

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