Süßer Most und kalter Zwiebelkuchen

Wenn im Spätsommer wieder bergeweise glänzend rote und grüne Äpfel geerntet werden, wird auch wieder gemostet. Wie aus Obst süßer Saft wird, war am Samstag in der Kappishäuser Kelter zu sehen.

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Das Fest ermöglicht Einblicke in die Kelter.  Foto: 

Anlässlich des Mostfestes herrschte wieder reges Treiben in der gemütlichen Kappishäuser Kelter. Schon den ganzen Vormittag über wurde kräftig gemostet. Ab 13 Uhr zeigte Marcus Schur interessierten Besuchern beim Schaumosten wie das süße, goldbraune Nass entsteht. Längst waren körbeweise frischer Äpfel gesammelt und in der Kelter abgegeben worden, die dann komplett in den großen "Trichter" geschüttet wurden.

In kleine Stücke zermahlen werden die Früchte zur so genannten Maische, aus der auch noch der letzte Tropfen herausgepresst wird. Die übrigen, trockenen Obstreste, der Trester, wird beispielsweise an Kühe verfüttert oder als Dünger verwendet. "Wobei man natürlich aufpassen muss, dass man damit keine Mäuse anzieht", gab Willi Held, Vorsitzender des Obst und Gartenbauvereins, zu bedenken. Denn nicht nur Zweibeiner wissen den guten Geschmack der Äpfel zu schätzen. Vor allem aber in flüssiger Form wurden die Früchtchen am Samstag genossen. Das Mostfest ist schon fester Bestandteil im Kappishäuser Veranstaltungskalender.

Immer im Wechsel mit den Sing- und Sportfreunden wird das Fest schon seit mehr als zehn Jahren ausgerichtet. In diesem Jahr war der Obst- und Gartenbauverein der Gastgeber und freute sich über zahlreiche Besucher. "Auch wenn das Wetter nicht so mitmacht, können wir ja immer noch in unsere Kelter sitzen", zeigte sich Willi Held flexibel. Flexibilität war auch bei den fleißigen Köchinnen gefragt, die schon am Mittag mit ihren Zwiebelkuchen auf Wanderschaft zu den heimischen Backöfen gehen mussten, da der Herd an der Kelter den Geist aufgab.

Doch das war kein Grund, sich die gute Laune verhageln zu lassen. "Zur Not essen wir den Zwiebelkuchen auch kalt", beruhigten die wartenden Gäste die guten Köchinnen. Außerdem gabs ja auch noch leckere Würste vom Grill oder als besondere Köstlichkeit Waffeln aus dem Holzofen.

Im gusseisernen Waffeleisen wurden die guten Stücke über offener Flamme für das ganz besondere Aroma gedreht und gewendet. "So was kriegt ihr net überall", pries der Waffelbäcker seine Ware mit Begeisterung an.

"Die Kappishäuser haben einfach Freude am Fest in der Kelter", wusste auch Ortsvorsteher Dietmar Freudenberg zu berichten. "Unsere Kelter ist klein aber fein. Und das Mostfest ist eine wunderbare Möglichkeit, die Kelter bei den Bewohnern wieder in Erinnerung zu bringen." .

Kennzeichnend für die Kappishäuser Kelter ist ihre Mischnutzung. Auf der einen Seite wird sie noch von einigen Wengertern ganz konventionell als Lager benötigt, andererseits finden hier immer wieder Veranstaltungen statt, wie zum Beispiel Public Viewing.

Wäre es nicht schön, die alte Kelter zu sanieren, um sie als attraktiven Veranstaltungsort besser nutzen zu können? Das wäre mit einem großen Aufwand verbunden, sagt der Ortsvorsteher. Auch eine Heizung und sanitäre Einrichtungen müssten eingebaut werden, erklärt Freudenberg. Wohin die Reise mit der Kelter gehen soll, steht noch nicht fest. "Die Meinungsbildung im Ort ist noch nicht abgeschlossen", sagt Dietmar Freudenberg, der sich auch einen Arbeitskreis zum Thema Kelter vorstellen könnte. Es gibt eben unterschiedliche Interessen, die vielleicht in einer Bürgerversammlung besprochen werden könnten. Am Samstag war man sich jedoch einig: So ein Mostfest ist was Feines.

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