Stets swingen die Sätze

Sie hat das Hammond-Revival in den 90er Jahren mit angestoßen: Die Organistin Barbara Dennerlein trat am Sonntag im Rahmen der Nürtinger Jazztage vor rund 500 Besuchern in der Stadtkirche St. Laurentius auf.

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Groovige Bässe an der Kirchenorgel: Barbara Dennerlein bei den Nürtinger Jazztagen. Foto: Jürgen Spiess

Ein gewisser Schauwert ist immer mit im Spiel, wenn die legendäre Hammondorgel B3 im Mittelpunkt des Interesses steht. Der ursprünglich für die Kirche entwickelte 200-Kilo-Kasten wurde Mitte der 1950er Jahre von dem US-Organisten Jimmy Smith als Soloinstrument für den Jazz erschlossen, wird seitdem nur von wenigen Musikern gespielt und heute überhaupt nicht mehr gebaut.

Natürlich hat sich die Spieltechnik seit den 50er- und 60er-Jahren weiterentwickelt. Anders als Smith, der die Pedale meist nur für eher marginale Zusatzeffekte einsetzte, spielt Barbara Dennerlein die Basslinien nicht mit der linken Hand, sondern mit den Füßen. Kein Wunder also, dass den Füßen an diesem Abend so viel Aufmerksamkeit wie sonst nur selten galt. Denn die Münchner Organistin berührt die Pedale im Gegensatz zu einer anderen bekannten Jazzorganistin, Maggy Scott, meist nur mit den Fußspitzen - Fred Astaire würde vermutlich vor Neid erblassen.

Stilistisch knüpft Dennerlein an Jimmy Smith an. Aus der Bebop-Ära kommend, hatte Smith dem Jazz eine groovende Funkyness eingetrieben. Diese Funkyness dringt auch bei Dennerlein immer wieder durch, wenn sie Stücke wie Eddie Heymans "Out of Nowhere", das an Samba-Rhythmen angelehnte "Sensitivity" oder die Eigenkomposition "Bluesy" spielt. Um ihrer Musik eine weitere Klangfarbe hinzuzufügen, hat sie ihr im Altarraum platziertes Instrument über eine Midi-Schnittstelle mit einem Sampler gekoppelt. Derart lässt sich über die Pedale der naturidentische Klang eines Kontrabasses abrufen oder das Vibraphon übernimmt auch mal die Melodiestimme. Potenziell kann sie auf mehrere beliebige Instrumente umschalten.

Bei ihrem 90-minütigen Soloauftritt erweist sich Dennerlein nicht nur als routinierte Organistin, sie meistert ebenso souverän ihren Part als charmante Plauderin. Die 48-jährige Münchnerin weiß, wie man Spannung aufbaut, ein Thema sanft ins nächste überleitet oder unerwartete Brüche inszeniert. Und das Publikum hat sie sowieso im Griff. Wenn die Frau mit den roten Haaren und der feuerroten Jacke ihr kompliziertes Instrument erklärt, hört sich das nicht wie eine technische Beschreibung, sondern eher wie eine Liebeserklärung an.

Ihre Läufe auf der mehr als 50 Jahre alten Hammond-B-3-Orgel klingen sauber und klar, spieltechnisch geschult am ästhetischen Ideal des Jazz und pointiert eingepasst in den Rahmen rhythmusbezogener Arrangements. Die swingenden Phrasierungen sind gezielt eingesetzte Stilmittel einer präzise durchdachten Klangästhetik. Besonders ihre Soundbeherrschung mittels Zugriegel und Fußbass sind herauszuheben. Wie sie mit dem Fußpedal groovige Bässe spielt und gleichzeitig mit beiden Händen ihr Monstrum von Orgel bearbeitet, ist schon beeindruckend.

Bis in den letzten Winkel des Kirchenrunds ist Dennerleins Orgelklang präsent und selbst bei schnelleren Passagen kommt jeder Ton perfekt an. Ihre Musik ist kunstvoll konstruiert, tummelt sich munter im abgesicherten Gewässer des modernen Mainstreams, mit Zuflüssen von Blues und Bebop. Hochvirtuos ist das Spiel, hyperdynamisch, mit effektvoll eingesetzten Clustern. Allerdings: sonderlich risikowillig und experimentierfreudig ist das nicht.

Einnahmen aus dem Konzert gehen an die Nürtinger Vesperkirche.


Nürtinger Jazztage: Das weitere Programm

Die Nürtinger Jazztage dauern noch bis zum Sonntag, 10. März. Sie bieten ein Spektrum der aktuellen Strömungen des Jazz. Das weitere Programm: Sebastian Zawadzki Trio (Freitag, 8. März), Neil Cowley Trio (Samstag, 9. März), Jazzfrühschoppen mit der Icecream Jazzband (Sonntag, 10. März).
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