Spannend bis zum Schluss

Groß war das Interesse an der offiziellen Vorstellung der Kandidaten, die sich um das Bürgermeisteramt in Neckartenzlingen bewerben.  Diese wollen die Bürger bei den Entscheidungen mehr einbeziehen.

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Brechend voll war die Melchior-Festhalle am Donnerstagabend. Foto: Peter Swoboda  Foto: 

800 bis 900 Bürger drängten sich am Donnerstagabend in der Melchior-Festhalle, viele mussten sich  mit einem Stehplatz begnügen, um zu hören, was die Kandidaten zu sagen haben und um ihnen anschließend Fragen zu stellen. Jedenfalls sagte Bürgermeister Herbert Krüger: „So viele Menschen habe ich in dieser Halle noch nie gesehen.“ Die Reihenfolge der Redner richtete sich nach dem Eingang der Bewerbungen.

Alle vier Kandidaten haben sich auf die Fahne geschrieben, dass sie im Falle ihrer Wahl die Bürger mehr an den Entscheidungsprozessen beteiligen wollen und sie möchten stets ein offenes Ohr für sie haben. Alle vier betonten auch, dass sie die verfahrene Situation rund um das Schulzentrum lösen möchten, obschon ihnen klar sei, dass dies nicht einfach werde. Auch den Hochwasserschutz oben anzustellen, ist den vier Kandidaten wichtig.

Beim Thema „Flüchtlingssituation“ betonten die Kandidaten, dass hier das ehrenamtliche Engagement etwa des Arbeitskreises „Wir“ sehr wichtig für eine gute Willkommenskultur sei. Gleichzeitig müssten aber die Ehrenamtlichen eine große Unterstützung durch die Gemeindeverwaltung erfahren. Nur Dr. Michael Brodbeck aus Nürtingen hatte dieses Thema von sich aus nicht angesprochen, wurde aber von den Bürgern danach gefragt. Er habe es nicht angesprochen, weil der Gemeinderat bereits eine Entscheidung getroffen hat. Man komme eben nicht drumherum, Flüchtlinge aufzunehmen. Auf das von einer Bürgerinitiative angestrebte Bürgerbegehren angesprochen, sagte Brodbeck, dass dies ein demokratisches Mittel sei, das jedoch im Falle Neckartenzlingen nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, wenn das Thema im Vorfeld offener kommuniziert worden wäre. Ein Vertreter der Bürgerinitiative wurde zuvor bereits vom Publikum ausgebuht. Der Neckartenzlinger Gemeinderat, Jochen Baral (44), möchte im Falle seiner Wahl zügig nach alternativen Standorten für eine Flüchtlingsunterbringungen suchen. Als Einheimischer legte er dar, wie stark er im Ort verwurzelt und vernetzt ist. Kandidatin Melanie Gollert (29) machte den Bürgern klar, dass sie eine ausgemachte Verwaltungsfachfrau ist. Ihre Rede kam jedoch keineswegs trocken rüber. Sie hat viele in der Halle durch einen frischen, emotionalen und forschen Redebeitrag überzeugt, was sich am starken Beifall zeigte. Schon zu Beginn zog sie die Zuhörer auf ihre Seite indem sie sagte, sie freue sich, über so viele Interessierte, „es zeigt einfach Ihr großes Interesse, wer denn Ihre nächste Bürgermeisterin wird“.

Henrik Peter (43) aus Nürtingen ist ebenfalls ein studierter Verwaltungsfachmann. In den vergangenen 17 Jahren führte er jedoch eine Firma, die sich mit Erschließungsprojekten für Kommunen beschäftigt. Er stellte heraus, dass es in Neckartenzlingen große Aufgaben gebe, die in den nächsten Jahren angepackt werden müssten. Er nannte neben dem Schulzentrum auch den Kindergarten Alemannenstraße und die wachsende Nachfrage nach Wohnraum. Michael Brodbeck (58) hob hervor, dass er auf eine langjährige kommunalpolitische Erfahrung als Ortschafts-, Gemeinde- und Kreisrat zurückgreifen könne. Auch sei er stets ehrenamtlich engagiert gewesen beispielsweise bei der TG Nürtingen. Er wurde freilich aus dem Publikum heraus gefragt, warum er seine Bewerbung für das Bürgermeisteramt so spät abgegeben hätte, so hätte er die Chance vertan, die Bürger besser kennenzulernen. Diesen wiederum war die Möglichkeit genommen, ihn kennenzulernen. Darauf erwiderte der Kandidat, er dachte, mit einem kurzen kompakten Wahlkampf könne er eine größere Aufmerksamkeit erzielen.

Einige Zuhörer sind nach dem Auftritt von Melanie Gollert gegangen. Sie haben offenbar ihre Wahl schon getroffen.

Am Sonntag, 6. November, werden die Neckartenzlinger zur Wahlurne gebeten.

Sollte im ersten Wahlgang keiner der vier Kandidaten die absolute Mehrheit erhalten, gibt es am Sonntag, 27. November, einen zweiten Wahlgang. Dann genügt eine einfache Mehrheit.

Im Falle eines zweiten Wahlgangs können vom 7. bis 10. November (18 Uhr) neue Bewerbungen im Rathaus eingereicht werden.

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