Sehnsucht und Leidenschaft

Das Eröffnungskonzert der 11. Nürtinger Gitarrenfestspiele jetzt am Freitag - es hielt, was es versprach. Neben der Württembergischen Philharmonie begeisterten vorneweg international gefragte Saitenvirtuosen.

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    Paolo Pugliese und die Württembergische Philharmonie (im Bild) sowie das Duo Klingeberg-Montes eröffneten die Gitarrenfestspiele Nürtingen. Foto: 
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Die Gitarrenfestspiele sind als Highlight im Kulturkalender der Stadt längst nicht mehr wegzudenken. In der 11. Auflage lockt das renommierte Treffen für klassische Gitarre dieses Jahr allein 160 Workshop- und Wettbewerb-Teilnehmer aus aller Welt an den Neckar - so viel wie noch nie.

Es gelingt dem künstlerischen Leiter Steffen Brunner in schöner Regelmäßigkeit, zu den Konzerten Koryphäen der internationalen Gitarrenszene zu gewinnen. Der Festspiel-Startschuss am Freitag in der Nürtinger Stadthalle K3N war so wieder Anschauungsunterricht für die Teilnehmer und künstlerischer Leckerbissen für alle.

Als konzertantes Horsdoeuvre gab es aus der kultivierten Küche der Württembergischen Philharmonie Reutlingen (WPR) zunächst die Ouvertüre aus Gioachino Rossinis "Der Barbier von Sevilla". Geführt durch Olivier Tardy am Taktstock, zeigte das Orchester temperamentvollen Überschwang wie weich abgefederte Spiellust.

Dem symphonisch aufbrausenden Auftakt sollten Momente kammermusikalischer Dichte folgen. Mit dem Italiener Paolo Pugliese betrat ein viel gefragter Gitarrensolist die Bühne, der sich vor allem der historischen Aufführungspraxis verschrieben hat. Sein nach historischen Vorbildern gefertigtes Instrument wie auch sein stehender Vortrag lehnten sich daran an.

Aufmerksam durch die WPR begleitet, versank er gleichsam in der Klangwelt von Mauro Giulianis Konzert für Gitarre und Orchester. Er brachte in perlender Akkuratesse lyrische Kostbarkeiten ebenso zum Leuchten, wie er mit Furor den musikalischen Staffelstab immer wieder auch ans Orchester abgab.

In Giulianis Opus 30 wurde der transparente Klang seines Instruments augenfällig. Während er sich über schmelzende Harmoniebögen hinweg etwa mit den Holzbläsern auf fruchtbare Zwiegespräche einließ, beeindruckte Pugliese durch ausdrucksstarke Gewandtheit und durch sensible Klangmomente. Wie kann man aber den Vortrag eines solchen Ausnahmekünstlers toppen? Nun, das ist einfach: Man nimmt einfach zwei davon: Katrin Klingeberg und Sebastián Montes. Zusammen sind sie das Gitarrenduo Klingeberg-Montes. Das bis vor kurzem in Reutlingen und nun in Santiago de Chile ansässige preisgekrönte Interpretenpaar zählt zu den weltweit gefragtesten der Szene.

Bevor die Solisten aber das Zepter übernahmen, widmete sich das Reutlinger Orchester Gabriel Faurés "Masques et Bergamasques". Zu erleben, wie etwa in der Gavotte das Leitmotiv auf schlankem Fuß nahtlos durch die Instrumentengruppen gereicht wurde, hätte schon alleine den Konzertbesuch gelohnt. Von der groß angelegten, seltsam entrückten Melodramatik des Schluss-Satzes gar erst nicht zu reden.

Den furiosen finalen Akzent aber setzte das Duo Klingeberg-Montes. Mit einer Auswahl aus Joaquín Rodrigos "Concierto Madrigal" und den darin aufscheinenden Farbintensitäten schufen sie mit interpretatorischer Klasse auf höchstem Niveau und in perfekter Harmonie irisierende Augenblicke. Und vermittelten mit dem Orchester energiegeladene Ahnungen spanischer Landschaft. Ob kraftvoll zupackend oder in subtil-konzentrierter Zurückhaltung: Das Gitarrenduo beherrschte es eindrucksvoll, Momente der Melancholie, der Sehnsucht und Leidenschaft technisch brillant und kunstvoll atmend umzusetzen.

Für die Teilnehmer der Nürtinger Gitarrenfestspiele legten sie die Latte jedenfalls schwindelerregend hoch. Für alle anderen war es schlicht ein umjubelter, künstlerischer Leckerbissen.

Programm, Tipp, Karten

Programm Mehr zu zu den Internationalen Gitarrenfestspielen Nürtingen, den Künstlern und den Konzerten online auf www.gitarre-nuertingen.de.

Tipp Finale am Samstag, 9. August, 20 Uhr: Los Angeles Guitar Quartet (Foto: Festspiele).

Karten Telefon: (0 70 22) 946 41 50.

SWP

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