Mit dem Blick zum Himmel: Sternenpark für die Alb

Hobby-Astronomen haben sich das Ziel gesetzt, der Lichtverschmutzung entgegen zu wirken, den klaren Blick auf den nächtlichen Himmel erleben zu lassen und auch der Verschwendung von Energie zu trotzen.

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Eine Ausstellung im Böhringer Rathaus informiert über die Sterne. Foto: Wieland Lehmann

"Weißt du wie viel Sternlein stehen", lautet der Beginn eines Volkslieds. Zu zählen sind sie wohl nicht, doch als Wilhelm Hey 1837 den Text des Liedes schrieb, war zumindest der Blick in den Nachthimmel noch klar, noch eindrucksvoller und anregender. Wer heute den Blick in das dunkle Himmelsgewölbe richtet, dem erschließen sich solche Sichten weniger, vor allem, wenn er in Städten oder größeren Gemeinden wohnt. Das Licht von unten trübt Himmelsklarheit. Lichtverschmutzung ist der Begriff, der benennt, was von der Erde her strahlt und den Blick himmelwärts beeinträchtigt.

In einer Ausstellung im Böhringer Rathaus kann man seit dem 6. August erfahren, wie sich Beleuchtung nicht nur auf die Sicht auswirkt, sondern auch Mensch und Tier gefährdet. Eine Interessengemeinschaft von Hobby-Astronomen hat sich mit dem Projekt "Sternenpark Schwäbische Alb" das Ziel gesetzt, über die Lichtverschmutzung zu informieren, ihre Auswirkungen zu zeigen, den klaren Nachthimmel wieder in das Bewusstsein zu bringen. Am Freitag wurde nicht nur zu einem Vortrag von Matthias Engel, einem der Gründer der ehrenamtlich wirkenden Interessengemeinschaft, in der Ausstellung eingeladen, eine anschließende Sternenführung machte den Reiz klaren Blicks zu den Sternen auch erlebbar.

Sowohl in den Bildern der Ausstellung, als auch im Vortrag wurden die Lichtwirkungen deutlich. Insekten finden an Straßenbeleuchtungen den Tod, Vögel werden auf ihren Flügen irritiert, der Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen gerät durcheinander. Und außerdem: Licht zum Himmel zu schicken, ist Verschwendung, verursacht energetische Mehrkosten. Weshalb auch sollten Wolken von unten angestrahlt werden?

An Beispielen von Straßenlampen machte Matthias Engel deutlich, dass durchaus der Lichtverschmutzung Einhalt geboten werden kann. Böhringen komme mit der Umrüstung der Straßenbeleuchtung eine Vorreiterrolle zu, führte er aus. Abgeschirmt, warmweiß, maßvoll und energieeffizient müsse die Beleuchtung sein. Der Sternenhimmel auf der Alb sei schon etwas Besonderes, und er verwies auf die immer geringer werdenden Stellen, an denen sich der klare Himmel noch zeigt. Und genau dahin ging es bei der nun schon zweiten Sternenführung, zum ehemaligen Truppenübungsplatz bei Zainingen. Auf dem Wege wurde über die Planeten informiert, man sah noch Mars und Saturn. In der völligen Dunkelheit konnte man die Milchstraße als helles Band sehen, die Sternbilder Großer Wagen und Cassiopeia zeigten sich klar dem Auge. An einem C8 Schmidt-Cassegrain-Teleskop zeigte Till Credner unter anderem den Ringnebel, Carsten Przygoda ließ den Blick durch ein großes Astronomie-Fernrohr auf die Sterne richten.

Die Teilnehmer erlebten bei dieser Führung ohne Verkehrslärm und mit Grillenzirpen eine Atmosphäre, die zur Ruhe kommen, die Schönheit des Nachthimmels auf einen wirken lässt. Diese Region gehört zum Biosphärengebiet, dem Begriff, in dem das aus dem Griechischen stammende Wort Sphäre enthalten ist. Und das meint das Himmelsgewölbe. Richtete man bisher bei dem Begriff für großräumige Kulturlandschaften mit reicher, erhaltenswerter Natur den Blick nur auf die Erde selbst, so ist es an der Zeit, ihn auch hierbei nach oben zu richten. Der Lohn ist eine klare Sicht auf den nächtlichen Sternenhimmel, der die Menschen schon immer fasziniert und selbst zu Sternzeichen-Befindlichkeiten angeregt hat. Ziel der Interessengemeinschaft der Hobby-Astronomen mit ihrem Projekt "Sternenpark Schwäbische Alb" ist die internationale Anerkennung als Dark Sky Park, die nicht nur als Projekterfolg gesehen wird, sondern als Erfolg für die Bewahrung des ganzen Lebensraums von Menschen.

Info Die Ausstellung im Böhringer Rathaus ist noch bis zum 7. September zu sehen. Über weitere Aktivitäten und Führungen kann man sich unter www.sternenpart-schwäbische-alb.de informieren.

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