Mit beiden Ohren in die Gemeinde

Magnus Hoppe scheint zu wissen, wovon er spricht, wenn er den gesellschaftlichen Wandel zum Anlass nimmt, familienfreundliche Kinderbetreuungszeiten zu fordern. Alleinverdiener, sagt er, haben es schwer.

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Magnus Hoppe bringt sein Verwaltungswissen in den Wahlkampf mit ein. Foto: Peter Kiedaisch

Rehbraten, Jägerbraten, Älblerplatte, Leber: Das Wirtshaus "Engel" hat durchaus seine Mittel, wenn es darum geht, Gäste ins Lokal zu locken. Dieser Tage freilich steht eine besondere Bereicherung auf der Karte. Diverse Bürgermeisterkandidaten nutzen die Gaststätten als Wahlkampfplattform, darunter auch Magnus Hoppe. Er erschien mit seiner Lebensgefährtin, den "Sohnemann", wie er seinen achtjährigen Filius nannte, ließ er zu Hause. 15 Zuhörer kamen an jenem Abend, und für den Fall, dass sie keine Fragen haben, hatte er sich vorbereitet. Und weil sie zunächst tatsächlich keine Fragen hatten, hielt er ein kleines Referat. Darüber, wer er ist, woher er beruflich kommt und schließlich, wohin er mit Römerstein möchte.

Sein Lebenslauf indes ist mehr als nur ein vager Hinweis auf seinen beruflichen Ehrgeiz und seine Zielstrebigkeit. Der 28-Jährige begann im Jahr 2007 als Verwaltungsfachangestellter und sattelte eine Zusatzqualifikation drauf: Seit einem Jahr ist er Verwaltungsfachwirt. "Das ist kein Studium", betonte er, "nicht wie bei Herrn Donth". Sein Titel ist "eher vergleichbar mit einer Meisterprüfung." Und weil die Bereitschaft seiner Zuhörer Fragen zu stellen, noch immer im unteren einstelligen Promillebereich dümpelte, tat Magnus Hoppe das, was er inzwischen auch nebenberuflich (an der Verwaltungsschule des Gemeindetags) macht: Er dozierte. Zunächst über das Wesen seiner Arbeit in der Stadtverwaltung Pfullingen, wo er in der, dem Hauptamt unterstellten, IuK-Abteilung für Städtepartnerschaft und Beschaffung von Büromaterialien zuständig ist. "Dort bin ich vielfältig gefordert", sagte er und lieferte einige Beispiele aus seinem Berufsalltag und erläuterte, wie kompliziert sein Job mitunter sein kann: "Nicht jeder Stuhl passt in eine Jugendstilhalle."

Ob die bodenständigen, mitunter kernigen Zaininger sich an jenem Abend gedanklich in die Tiefen der Materialbeschaffung begeben wollten, ist unbekannt, für den Kandidaten aber ging es zunächst ja auch darum, ins Gespräch zu kommen. Sein Büroalltag jedenfalls bringe es mit sich, "mit anderthalb Ohren an der Verwaltung dran zu sein." Ohren dürften, seit sie Ernest Hemingway in seinem Roman Fiesta als Währung im Stierkampf erwähnte, selten so oft thematisiert worden sein wie von Magnus Hoppe im Zaininger "Engel", und so fuhr er fort: Er würde im Falle eines Wahlsieges nach Römerstein ziehen: "Ein Bürgermeister gehört mit beiden Ohren in die Gemeinde", was dann auch Hoppes offizieller Wahlkampfauftakt war, denn mit dieser Aussage unterscheidet er sich beispielsweise von Mitbewerber Gernot Weber, der einen Tag zuvor im Böhringer "Hirsch" kundtat, auch bei einem Erfolg weiterhin in Auingen wohnen bleiben zu wollen. "Ein Bürgermeister darf hier nicht bloß schaffen, er muss hier auch am Leben teilnehmen." Indessen würde er keinem Verein beitreten wollen. Überall könne man sich schließlich nicht einbringen, und so möchte er auch einzelne Vereine nicht bevorzugen. Jetzt war Hoppe mittendrin. Jetzt war Wahlkampf. Da war es auch nicht schlecht, den Zusammenhalt der Römersteiner untereinander zu loben und zu betonen, dass das Kreisreforms-Konstrukt gut funktioniere. Und dennoch habe man es in Römerstein mit drei komplett verschiedenen Menschenschlägen zu tun, "aber mit drei sehr sympathischen", wie er betonte: "Diese drei Stämme schaffen doch gut zusammen." Und spätestens, als er die kleine Anekdote erzählte, wie ihm eine Frau aus Donnstetten empfahl, auf den Zaininger Weihnachtsmarkt zu gehen ("da müsset se unbedingt hin"), hatte Hoppe seine Zuhörer dort, wo er sie brauchte: mit ihren Ohren an seinem Mund. Er ging hin auf den Markt und war begeistert: "So etwas macht die Sache lebenswert, dafür lohnt es sich, hier zu kandidieren. Fragen?" Zunächst keine. Also gabs weiter Theorie und Standpunkte: Er wolle sich dafür einsetzen, dass in jedem Ort ein Lebensmittelmarkt bestehen bleibt. Aber wer Läden erhalten möchte, muss auch dort einkaufen, mahnte er. Er verteidigte die Idee eines zentralen Kindergartens und verteidigte auch neuzeitliche Errungenschaften wie Krippenplätze, Ganztagsbetreuung und flexible Öffnungszeiten. Weil eine dreiköpfige Durchschnittsfamilie von einem Gehalt allein heutzutage nicht mehr leben könne, und wer die Oma nicht im Ort hat, hat ein Problem, wenn beide Partner Geld verdienen müssen: "Ich weiß, wovon ich spreche." Viele Wirtschaften im Ort sorgen für viele Autos mit Stuttgarter Nummernschildern, "das bringt Leben rein", sagt er. Dazu möchte er auch mit attraktiven Bauplatzpreisen beitragen. Die Werkrealschule möchte er zumindest als Schulstandort auf jeden Fall erhalten. "Die hat einen hervorragenden Ruf." In Sachen Finanzen möchte er auf Experimente verzichten, Gewerbebauplätze sollen mit Maß und Ziel geschaffen werden.

Ganz allmählich entwickelte sich ein Dialog zwischen Kandidat und Zuhörern. Nach einer Stunde im Stehen setzte sich Magnus Hoppe ("jetzt hab ich lang genug geschwätzt") und unterhielt sich weiter, während die anfängliche Distanz zwischen ihm und den anderen zusehends schwand.

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