Melanie Gollert siegt nach ersten Wahlgang

Melanie Gollert gewinnt in Neckartenzlingen mit 65,59 Prozent der Wählerstimmen und lässt die Konkurrenten deutlich hinter sich. Mit einem Kommentar von Peter Swoboda.

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  • Melanie Gollert wird Neckartenzlingens neue Bürgermeisterin. Blumen gab es vom noch amtierenden Schultes Herbert Krüger. 1/2
    Melanie Gollert wird Neckartenzlingens neue Bürgermeisterin. Blumen gab es vom noch amtierenden Schultes Herbert Krüger. Foto: 
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    Die glückliche Gewinnerin: 65 Prozent der Wähler wollen sie als Rathauschefin. Foto: 
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Mit einem Paukenschlag ging am Sonntag die Wahl zum Bürgermeister in Neckartenzlingen zu Ende: Gleich im ersten Wahlgang schaffte die 29-jährige Melanie Gollert aus Nürtingen die absolute Mehrheit. Mit 65,59 Prozent der Stimmen konnte sie ihre Mitbewerber deutlich hinter sich lassen.

Als das Endergebnis feststand, brandete im vollbesetzten Sitzungssaal des Rathauses Jubel unter den Bürgern aus, und die Siegerin war so ergriffen, dass ihr die Tränen kamen. Bis es so weit war, konnte man die Spannung im Sitzungssaal regelrecht mit  Händen greifen. Durch eine neue Softwar zur Verarbeitung der Stimmenauszählung konnten die versammelten Bürger die Auszählung Schritt für Schritt  verfolgen. Zuvor schon hatte Bürgermeister Herbert Krüger  für eine Überraschung gesorgt, indem er, vorsichtig zwar, aber doch bestimmt, davon sprach, dass die Wahlbeteiligung nicht so hoch war, wie man allgemein im Vorfeld erwartet hatte.

Wer den Andrang in der Melchior-Festhalle bei der offiziellen Kandidaten-Vortsellung miterkebt hat, konnte in der Tat nicht erwarten, dass nur etwa die Hälfte der Wahlberechtigten an die Urnen eilen würde.

Wahlsiegerin Melanie Gollert war sichtlich überwältigt und sagte: „Sie kennen mich als Frau der kurzen Worte, aber jetzt bin ich erst mal sprachlos.“ Es sei im Vorfeld schon ihr Wunsch gewesen, dass es keinen zweiten Wahlgang geben möge, aber dass die Wahl schon mit dem ersten Wahlgang so deutlich entschieden würde, damit habe sie nicht gerechnet.

In den vergangenen Wochen habe sie schon einen gewissen Trend feststellen können, viele Bürger hätten ihr signalisiert, dass sie  sie unterstützen würden. „Es war“, so die 29-Jährige, „schon zu spüren, dass die Neckartenzlinger etwas Neues, einen totalen Umbruch wollten.“ Dies sei auch bei der Kandidatenvorstellung im Raum gestanden. Viele Bürger hätten ihr anschließend gesagt, das ihre Vorstellung gut rübergekommen sei, dass das, was sie gesagt hat, authentisch gewirkt habe.

Sie habe versucht, natürlich zu wirken, was ihr offenbar gelungen sei. Lokalmatador Jochen Baral, der mit 21,1 Prozent der Stimmen  auf den zweiten Platz kam, zeigte sich trotzdem gelassen. Auch er war erleichtert darüber, dass es keinen zweiten Wahlgang geben wird. Er möchte künftig im Gemeinderat konstruktiv und respektvoll mit Melanie Gollert zusammearbeiten. Von gegenseitigem Respekt sei ja auch der Wahlkampf geprägt gewesen. Er dankte den Wählern, die ihn unterstützt haben.

Der Drittplazierte, Henrik Peter (11,44 Prozent der Stimmen), zeigte sich zum einen enttäuscht, doch das Ergebnis sei deutlich und spreche für sich. „Ich wünsche Melanie Gollert alles Gute“, so Peter. Sprach’s und dankte für den fairen Wahlkampf. Der abgeschlagene Kanduidat, Dr. Michael Brodbeck,  sagte: „Das Ergebnis ist eindeutig. Offenbar war mein Angebot an die Neckartenzlinger nicht gefragt.“ Er hätte es aber bereut, wenn er zu dieser Wahl nicht angetreten wäre.

Bürgermeister Herbert Krüger gratulierte der Wahlsiegerin und riet ihr, sich erst mal auszuruhen und sich zu regenerieren. Krüger: „Es kommt einiges auf Sie zu.“

Ein rasanter Neubeginn

Was für eine Sensation bei der Wahl zum Bürgermeister in Neckartenzlingen. Das Sensationelle an diesem Wahlausgang ist weniger, dass die 29-jährige Melanie Gollert gewonnen hat, sondern dass sie es bereits nach dem ersten Wahlgang geschafft hat. Und es ist natürlich die Deutlichkeit, mit der sie diesen  Sieg eingefahren hat. Wenn bei einer Bürgermeisterwahl vier Kandidaten antreten, kommt es äußerst selten vor, dass die Wahl schon nach dem ersten Wahlgang entschieden wird.

Etwas enttäuschend war es dagegen, dass nur etwa jeder Zweite der Wahlberechtigten an die Wahlurne getreten ist. Dabei war das Interesse an der Wahl und an den Kandidaten im Vorfeld doch ziemlich groß. Die Siegerin wird das freilich verschmerzen können. Sie darf sich trotzdem mächtig freuen, kann jetzt die Anstrengungen des Wahlkampfs hinter sich lassen. Sie muss nun Kraft schöpfen  bis zum 1. Februar, wenn ihre Amtszeit beginnt.

Denn Kraft wird sie brauchen, angesichts der Herkules-Aufgaben, die auf sie warten. Die Erwartungen der Neckartenzlinger an ihre neue Bürgermeisterin sind sicher groß, doch mit der deutlichen Wahl haben die Wähler auch gezeigt, dass sie der 29-Jährigen die Bewältigung dieser Aufgaben auch zutrauen. Allein wird sie es jedoch kaum schaffen können. Die Mitglieder des Gemeinderats müssen mit der neuen Rathauschefin an einem Strang ziehen, sonst wird es etwa in Sachen Schulzentrum kaum eine tragfähige Lösung geben.

Jochen Baral: 21,10 Prozent (544 Stimmen)

Melanie Gollert: 65,59 Prozent (1691 Stimmen)

Henrik Peter: 11,44 Prozent (295 Stimmen)

Dr. Michael Brodbeck: 1,63 Prozent (42 Stimmen)

Sonstige: 0,23 Prozent (sechs Stimmen)

Wahlbeteiligung: 50,05 Prozent

Briefwähler: 377

Ungültige Stimmen: fünf

Gültige Stimmen: 2578

Die vier Wahlbezirke: Schlesierstraße, neues Rathaus, katholisches Gemeindehaus und Kindergarten Finkenweg

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