Mehr Sicherheit für Biker

Jährlich sterben im Land 400 Menschen im Verkehr - jeder fünfte ist Motorradfahrer. Damit Biker sicherer unterwegs sind, hat Verkehrsminister Hermann biegsame Kurventafeln entlang der B 313 befestigt.

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Die Biker Union Esslingen ist mit gut 20 Männern in Lederkluft vertreten. "Wir freuen uns, dass dem Land unsere Sicherheit am Herzen liegt. In solchen Kurven passieren viele Unfälle ", sagt Motorradfahrer Karsten Schutzmannsky. Im Hintergrund röhren seine Kumpels mit ihren Zweirädern. Zig Fernsehkameras haben den Minister im Visier, Landrat, Bürgermeisterin und technisches Personal sind ebenso vor Ort: Großer Bahnhof gestern an der Bundesstraße 313 gleich wenige Kilometer hinter dem Ortsausgang von Grafenberg.

Grund für den kleinen Menschauflauf ist eine laut baden-württembergischem Verkehrsministerium bundesweite Premiere: Winfried Hermann, Chef des Verkehrsressorts des Landes, ist gestern persönlich an die Landkreisgrenze gekommen, um dort ein neuentwickeltes Verkehrsschild vorzustellen. In der ersten langgezogenen Kurve auf der Strecke nach Nürtingen steckte der Minister selbst biegsame, rotweiße Kunststofftafeln auf die Leitpfosten auf. Die neuen Schilder sollen die Verletzungsfolgen für Motorradfahrer deutlich verringern, so Hermann. "Wir haben festgestellt, dass die alten Schilder hart und scharfkantig sind." Das stellt beim Aufprall ein höheres Risiko dar, weswegen die Tafeln aus Blech und Stahlrohr nun durch die neuen aus Kunststoff ersetzt werden. Hermann: "Die geben wirklich nach."

Der Verkehrsminister sprach von einer "Maßnahme zur Verkehrssicherheit", die die Landesregierung für wichtig halte. Im Laufe eines zweijährigen Versuchs will sein Ressort gut 500 Kurven an vielbefahrenen Motorradstrecken in Baden-Württemberg mit den neuen Kunststofftafeln ausrüsten. Dafür investiert das Land zwischen 90 000 und 100 000 Euro. "Das ist gut angelegtes Geld", urteilt der Minister.

Denn: "Die Zahl der verunglückten Autofahrer geht ständig zurück - die Zahl der toten Motorradfahrer bleibt konstant". Zwei Drittel der Biker tragen selbst Schuld an ihren Unfällen, so Hermann. "Entweder sie sind zu schnell unterwegs oder sie schätzen die Strecke falsch ein."

Apropos Strecke: Auf der Bundes- straße 313 zwischen Grafenberg und Tischardt sind zu Spitzenzeiten gut 1000 Motorradfahrer unterwegs. Nicht nur mit Blick auf diese Ecke des Landkreises freute sich Landrat Thomas Reumann, dass "die landesweite Aktion unsere Bemühungen unterstützt": Im Kreis gibt es alle zwei Jahre einen Verkehrssicherheitstag, zudem Schulungen und helle Westen für Biker.

Grafenbergs Bürgermeisterin Annette Bauer hatte indes noch einen ganz anderen Grund, das Gespräch mit dem Verkehrsminister zu suchen: Bürger und Verwaltung der Gemeinde warten seit Jahren auf eine Ortsumfahrung. In jüngster Zeit keimten Zweifel auf, dass das Projekt zeitnah realisiert wird, was Bauer bedauert. Es gehe nicht nur im den Durchgangsverkehr: "Die Grafenberger möchten endlich ihre Ortsmitte gestalten", sagte die Verwaltungschefin - und lud den Minister ein, sich selbst ein Bild von der Situation in Grafenberg zu machen.

Das musste Hermann gestern aus Zeitmangel vertagen. Detaillierte Ansagen zu Stand der Dinge in Sachen Trasse vermochte er am Rande des Ortstermins nicht zu machen - der Minister nahm vor allem den Bund in die Pflicht: Das Land habe bei der Bundesregierung eine Liste mit vordringlichen Straßenbauprojekten eingereicht - Grafenberg liege dort im Mittelfeld.

"Jetzt muss der Bund entscheiden, wo und wie er seine Prioritäten setzt", sagte Winfried Hermann im Gespräch mit unserer Zeitung.

Ortsumfahrung: Landrat drängt auf Baubeginn

Wenn der Verkehrsminister schon einmal nach Grafenberg kommt - dann dürfen Bürgermeisterin Annette Bauer und Landrat Thomas Reumann auch in Sachen Ortsumfahrung nachhaken. Während Winfried Hermann auf die Vielzahl von Straßenbauprojekten im Land verwies, nahm Reumann den Minister in die Pflicht: In Grafenberg bestehe die Möglichkeit, mit relativ wenig Geld viel für die Gemeinde zu bewegen: "Wir sprechen über ein Projekt, das sechs Millionen Euro kostet - insofern hoffen wir, dass wir da reinrutschen", forderte der Landrat. Wann genau die neue Straße kommt, bleibt weiter unklar, eine Information gab es indes vom Verkehrsminister: Der Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumfahrung ist für das dritte Quartal des Jahres 2014 geplant.

SWP

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