Kinderschüle darf stehen bleiben

Die Frage, ob der alte Böhringer Kindergarten abgerissen werden soll, hat eine heftige Debatte im Gemeinderat ausgelöst. Mit großer Mehrheit setzten sich jene durch, die das Gebäude erhalten wollen.

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Das alte Kindergartengebäude, das so genannte Schüle, bleibt stehen, das gelbe Haus wird dagegen abgerissen, um Platz für den Neubau zu schaffen. Foto: Privat

Mit seinem Vorschlag, das alte Kindergartengebäude, das so genannte Kinderschüle, in den bereits beschlossenen Neubau zu integrieren, hat Architekt Hans Weible eine heftige Debatte im Gemeinderat entfacht. Sein Entwurf sieht vor, mit zwei Flügeln an den Altbau anzuschließen, ein Foyer und ein Windfang dienen als Bindeglied zum Kinderschüle. Im neuen Kindergartengebäude entsteht Raum für drei Regelgruppen, wiewohl auch Kleinkinder bis drei Jahre im Haus unterkommen können. Deshalb sind auch Schlafgelegenheiten eingeplant, Zimmer, die freilich auch für andere Zwecke nutzbar sind.

Im Altbau sind eine kleine Küche sowie Besuchertoiletten vorgesehen, rund 30 Quadratmeter sind für beides veranschlagt. Weitere Räume sind im Altbau für die Kinderbetreuung nicht vorgesehen, das heißt, der Rest des Gebäudes steht leer, bis neue Nutzer einziehen. Küche und Toiletten, sagt Hans Weible, müsse die Gemeinde in jedem Fall bauen. Die Sanitäranlagen fordert der Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS), der bei den Planungen ein bedeutendes Wort mitzusprechen hat. Eine Küche ist notwendig, um bei der Kinderbetreuung so flexibel wie möglich agieren zu können. Falls beispielsweise eine Ganztagesgruppe entsteht, müssen die Buben und Mädchen mit einer warmen Mahlzeit versorgt werden. Entgegen dem ersten Plan umfasst der jetzige Entwurf rund 120 Quadratmeter mehr Raum. Geschuldet ist das den Forderungen des KVJS, die die Kommune umsetzen muss. Dadurch entstehen Mehrkosten von rund 250 000 Euro, weswegen der Bau des Kindergartens nun mit knapp zwei Millionen Euro zu Buche schlägt. Hier, sagt Bürgermeister Michael Donth, könne der zuständige Bauausschuss des Gemeinderates die Kosten womöglich noch drücken.

Die Frage, wie sinnvoll es ist, ein mehr als 100 Jahre altes Gebäude in einen Neubau zu integrieren, ließ im Gemeinderat die Emotionen hochgehen. Die Räte aus Böhringen sprachen sich dabei einmütig für den Erhalt des Altbaus aus. Walter Loser etwa befand, es sei nachgerade verrückt, das historische Kinderschüle abzureißen. Schließlich eröffne sich den Böhringern hier die einmalige Chance, Räume für Vereine zu gewinnen. Ihm schwebt dabei eine Lösung vor, wie sie in Donnstetten realisiert worden ist. Das Kinderschüle besitze außerdem noch eine gute Bausubstanz, befand Loser, der mit den Worten "Leit, lassets standa, wir würden uns versündigen", bei seinen Ratskollegen für den Erhalt des Hauses warb. Selbst Alexander Götz, der gegen die neuen Pläne des Architekten votierte, weil er mit dem Standort des neuen Kindergartens nicht einverstanden ist (er wollte lieber an der Turnhalle bauen), sprach sich für den Erhalt des Altbaus aus. Schließlich begehe der Kindergarten demnächst sein 125-jähriges Bestehen, worauf auch Ortsvorsteher Karl Gollmer verwies. "Wenn man ein solches Jubiläum feiert", sagte Götz, "dann gehört das Haus auch nicht abgerissen." Karl-Heinz Götz verwies auf den ortsbildprägenden Charakter des Kinderschüles und erinnerte an das geplante Sanierungsgebiet (siehe Artikel auf dieser Seite). Falls Böhringen Geld vom Land erhalte, gebe es sicher Zuschüsse für den Kindergartenbau.

Auch Bürgermeister Michael Donth sprach sich gegen den Abrissbagger aus. Er lobte den Gedanken, Toiletten und Küche in den Altbau zu verlagern. Zumal diese den neuen Nutzern des Kinderschüles ebenfalls zur Verfügung stünden. Wiewohl sichergestellt sei, dass kein Unbefugter vom Altbau in den Neubau gelange. Ein Abriss, so Donth, verursache zudem höhere Kosten als der Erhalt des Status quo. Ein Abbruch schaffe zwar Platz, dieser werde vom Kindergarten für seine Arbeit aber gar nicht benötigt: "Ein Abbruch bringt uns also keine Vorteile." Bleibe das Haus hingegen stehen, sagt Donth, finden sich sicher Vereine, die einziehen wollen. Auch er plädierte in diesem Fall für die Donnstetter Lösung. Dort zogen die Vereine in ein kommunales Gebäude, die Umbaukosten stemmten sie allerdings alleine.

Heinz Schmutz und Helmut Vöhringer ließen sich von diesen Argumenten nicht überzeugen. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die alte Hütte abgerissen werden sollte", erklärte Schmutz. Er fürchtet, ein Erhalt verursache der Gemeinde in Zukunft nichts weiter als Kosten, zumal, wenn Alt mit Neu verbunden werde: "Das bleibt immer eine kranke Stelle."

Helmut Vöhringer erklärte, angesichts der vorliegenden Pläne sei für ihn klar, dass ein Neubau an der Turnhalle die bessere Lösung gewesen wäre. Er forderte, das Kinderschüle abzureißen, den Platz leerzuräumen und dort eine Rampe zu errichten, die einen barrierefreien Zugang erlaube. Nach den Plänen von Architekt Hans Weible ist die Rampe zu steil, um als behindertengerecht zu gelten. Allerdings, sagt Bürgermeister Donth, könne das Haus über den Hintereingang barrierefrei erreicht werden. Gleichwohl, so Helmut Vöhringer, sehe er sich außer Stande den Plänen zuzustimmen, so lange nicht klar sei, was mit dem Altbau geschehe.

Letztlich votierten nur drei Räte (Alexander Götz, Heinz Schmutz, Helmut Vöhringer) gegen den Vorschlag von Architekt Hans Weible, der nun auf der von ihm erarbeiteten Basis weiterplanen kann.

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