Kindergartenarbeit auf neuer Basis

Die Betreuung von Kindern und die Schaffung entsprechender Betreuungsstrukturen ist eine der zentralen Aufgaben und Herausforderungen unserer Gesellschaft. In Dettingen wird diese Arbeit völlig neu strukturiert.

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Christine Zeeb und Kai Münzing wollen die Kindergartenarbeit in Dettingen voranbringen. Foto: Thomas Kiehl

Eine Doppelspitze wird in Zukunft der gesamten Kindergarten- und Betreuungsarbeit in Dettingen lenken und prägen. Kirchenpfleger und kaufmännischer Leiter Kai Münzing und die Diplom-Sozialpädagogin Christine Zeeb werden in kaufmännischer beziehungsweise pädagogischer Hinsicht die Akzente setzen. Zusätzlich wird Pfarrer Tobias Gentsch als Theologe beratend zur Seite stehen. Alle drei werden sich der Herausforderung stellen, der Kinderbetreuung in Dettingen zeitgemäße Strukturen zu verpassen. Zeitgemäß deshalb, weil sich die Betreuungsanforderungen in den vergangenen Jahren rasant verändert haben.

Die Evangelische Kirchengemeinde Dettingen ist Trägerin aller fünf Kindergärten im Ort und auch des zukünftigen Kinderhauses, das im September in Betrieb gehen wird. Mit 80 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 2,5 Millionen Euro allein bei den Betriebskosten darf die Kinderbetreuung mit Fug und Recht als mittelständisches Unternehmen bezeichnet werden. "Wir haben schon lange darüber nachgedacht, wie wir die Strukturen ändern können", sagt Kai Münzing.

Zwei Faktoren haben die Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit der bürgerlichen Gemeinde dann dazu bewogen, jetzt zu handeln. Zum einen verlässt Pfarrer Peter Rostan, der bislang mit großem Erfolg und viel Engagement die gesamte Kindergartenarbeit in Dettingen gestemmt hat, Anfang Mai die Gemeinde. Im neuen Pfarrplan ist für die Christuskirche nur noch eine 50-Prozent-Stelle vorgesehen (wir haben berichtet). Zum anderen wird mit der Inbetriebnahme des Kinderhauses ein ganz neuer Aufgabenbereich auf die Kirchengemeinde zukommen, mittelfristig müssen zusätzliche Stellen geschaffen werden.

Christine Zeeb kennt die Kindergartenarbeit in Dettingen seit nunmehr zehn Jahren. Sie hat viel Praxiserfahrung und zudem bereits im Vorfeld an der Fortentwicklung der Kinderbetreuung wesentlich mitgearbeitet. Münzing sieht es geradezu als Glücksfall, dass er Christine Zeeb für die neuen Aufgaben gewinnen konnte. Die Diplom-Sozialpädagogin leitet seit fünf Jahren den Kindergarten Bergstraße und wird ab Sommer zu 40 Prozent die Gesamtleitung der Kindergärten übernehmen sowie zu weiteren 40 Prozent die Leitung des neuen Kinderhauses am Walter-Ellwanger-Kindergarten. "Wir haben nunmehr eine zusätzliche 40-Prozent-Stelle geschaffen", sagt Münzing.

Auf Christine Zeeb und ihr Team werden in Zukunft enorme Herausforderungen zukommen, auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Kinder werden immer länger betreut, die Einrichtungen werden zunehmend zu einem zweiten Zuhause. Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz bereits für Einjährige tut ein übriges, um Kinder viel rascher als noch vor ein paar Jahren in Betreuungseinrichtungen zu bringen. Dies führt dazu, dass Kinder mitunter mehr Zeit mit Erzieherinnen als mit ihren Eltern verbringen. "Die Familie ersetzen können wir allerdings nicht", sagt Zeeb. "Die Aufgabe, eine Basis und Bindungen zu schaffen, wird immer bei den Familien bleiben. Dennoch müssen wir den Spagat schaffen, den Kindern Geborgenheit zu geben und sie gleichzeitig die Fähigkeit lehren, ihren eigenen Weg zu finden."

Dabei setzt die Evangelische Kirchengemeinde durchaus auch auf traditionelle Erziehung. Zurück zu den Wurzeln, nennt dies Münzing. "Kinder dürfen bei uns auch helfen, den Tisch abzuräumen. Wir sind ein Bildungshaus mit Spielfaktor." Zusätzlich steht die Evangelische Kirchengemeinde ganz zu ihrer christlichen Berufung. Münzing drückt es so aus: "Wo evangelisch drauf steht, soll auch evangelisch drin sein." Will heißen: In den Betreuungseinrichtungen werden die christlichen Feste gefeiert und auch erklärt, weshalb Christen Ostern und Weihnachten feiern. "Wir missionieren nicht. Aber wir wollen auch nicht stumm sein", sagt Münzing. Und Zeeb ergänzt: "Es ist wichtig, Gesicht zu zeigen. Wir sind christlich orientiert. Und das wollen wir auch deutlich machen." Eine Wertebasis, die Offenheit und Toleranz praktiziert und den anderen achtet, so wie es nicht nur in den Evangelien steht, sondern auch in den pädagogischen Leitlinien der Dettinger Kindergartenarbeit festgeschrieben ist. Bereits ab April wird Christine Zeeb in einer Übergangsphase die Gesamtleitung der Dettinger Kindergärten übernehmen. Am 1. September soll das Kinderhaus dann in Betrieb gehen. Bis dahin liegt allerdings noch eine Menge Arbeit vor der Evangelischen Kirchengemeinde. So müssen nicht nur Bewerbungsgespräche für neue Stellenbesetzungen geführt werden. Auch logistisch gilt es noch vieles zu regeln wie zum Beispiel die Essensversorgung. Die Kinder für das Kinderhaus werden freilich nicht auf einmal kommen, sondern sukzessive. Mitte September soll die neue Einrichtung dann offiziell eingeweiht werden.

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