Kein Beruf, sondern Berufung

Nach knapp vier Jahrzehnten im Schuldienst, 31 Jahre davon wirkte Rolf Kaschub in St. Johann, verabschiedet sich der Konrektor am Freitag in den Ruhestand.

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Rolf Kaschub vor einer Tafel in der Grund- und Werkrealschule. Heute geht der Konrektor in Rente.  Foto: 

„Ich habe nicht ganz falsch gewählt“, sagt Rolf Kaschub zu seiner Berufswahl, als er auf 39 Jahre zurückblickt, die er in verschiedenen Positionen im aktiven Schuldienst verbrachte. Während dieser Zeit hat er nicht nur einen Beruf ausgeübt, wie er betont, sondern ist zugleich seiner Berufung nachgegangen. Als Lehrer, als Rektor und bis zuletzt als Konrektor der Grund- und Werkrealschule in Würtingen.

Seine berufliche Laufbahn begann im Jahr 1977, als er das Studium der evangelischen Religion, der Mathematik und der Philosophie in Weingarten abschloss. Bis 1983 war er zunächst an der Schwerhörigenschule der Zieglerischen Anstalten, ehe er an die Grundschule in Bad Urach wechselte.

Damals schon in Würtingen wohnhaft, trat er 1985 anschließend die Rektorenstelle der Bleichstetter Grundschule an. „Die Bleichstetter Zeit war die schönste und kreativste“, erinnert sich Kaschub an kleine, teils altersgemischte Klassen und an die Möglichkeit, in einem kleinen Team eigene Ideen umzusetzen, wie etwa die Erziehungspartnerschaften. Das Wohlergehen der Kinder im Blick, vertraute er schon damals eher dem Gespür der Eltern, als den Ansichten von Fachleuten am grünen Tisch.

Ein Prinzip, das er auch nach 1994, als er die Stelle des Konrektors an der Würtinger Schule antrat, fortführte. Ein weiteres Thema, das sich wie ein roter Faden durch seine Schullaufbahn gezogen hat ist die Inklusion. Vor 25 Jahren kam seine Tochter mit Down-Syndrom auf die Welt. „Von ihr habe ich pädagogisch am meisten gelernt“, sagt er. Im Ringen, ihr ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, hat er schon früh einen Blick auf ein Thema gewonnen, das derzeit in aller Munde ist, das aber, so Kaschub, in die falsche Richtung laufe: „Inklusion ist zu einem Verwaltungspopanz geworden“, kritisiert er als Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen.“ Dass nicht Betroffene, sondern andere über die Zukunft der Kinder entscheiden, hält er für „äußerst diskriminierend“ und nicht vereinbar mit der UN-Menschenrechtskonvention. Die besondere Behandlung habe die Gleichbehandlung abgelöst.

Für Rolf Kaschub, den praktizierenden Christ, sind alle Kinder Geschöpfe Gottes und ein Geschenk an die Welt. Bei aller Professionalität, sein Lehrerdasein war von Anfang an geprägt durch seinen Glauben, durch Liebe und Zuwendung. Zuwendungen, die er den Grundschülern als Klassenlehrer zukommen ließ, als Mentor aber auch den Referendaren. Zudem verwaltete er lange Jahre die schulischen Lehrmittel.

Die jüngsten Entwicklungen in der St. Johanner Schullandschaft, hin zu einem zentralisierten Schulangebot, beobachtet Rolf Kaschub aus einer zwiespältigen Warte. Einerseits nimmt er Sachzwänge zur Kenntnis, gleichwohl trauert er den dezentralen Einrichtungen in den Ortsteilen nach. Obwohl nicht von ihm favorisiert, unterstützte und gestaltete er die Integration der Lonsinger Grundschule in Würtingen.

Für ihn als Konrektor auch eine Frage von Professionalität und Loyalität. Wesenseigenschaften, die ihm auch seit der Erkrankung des Würtinger Schulrektors zu Gute kamen. Nun, faktisch Schulleiter geworden, zählt er das letzte Jahr seines Berufslebens mit zu den spannendesten aber auch zu den herausfordernsten.

Nicht nur deshalb hat Kaschub derzeit noch alle Hände voll zu tun. Doch heute ist Schluss. Was er tun wird, wenn die Schulglocke für ihn das letzte Mal geläutet hat, weiß er dennoch schon: Die neu gewonnene Freizeit genießen. Ganz ohne Stundenplan.

Verabschiedung ab 11.30 Uhr

Rolf Kaschub wird am heutigen Freitag, 22. Juli, feierlich verabschiedet. Ab 11.30 Uhr versammeln sich die Schüler deshalb am Kleinspielfeld der Würtinger Schule. Ab 12.30 Uhr folgt im Würtinger Kommohaus der offizielle Teil. Nach einem gemeinsamen Mittagessen gibt es ab 14 Uhr Grußworte, Kaffee und ein buntes Rahmenprogramm.

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