Jugendliche müssen Verantwortung übernehmen

Jägerschaft beklagt sich vehement über den Standort des Dirtparks auf dem alten Auffüllplatz in Kleinbettlingen. Beim Jugendprojekt aus der Vollversammlung 2010 muss noch einiges geschlichtet werden.

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Der Dirtpark wurde vom Gemeinderat genehmigt.  Foto: 

Schade, dass die Jugendlichen, die engagiert hinter dem Dirtpark Bempflingen stehen, sich nicht getraut hatten, bei der Gemeinderatssitzung Flagge zu zeigen. Da war viel heiße Luft drin. So staute sich der Unmut der Jägerschaft über die "massive Beunruhigung des Wildes" am Auslauf der Bergstraße beim Kleinbettlinger Steidenbach: "Wir bitten darum, das Bauvorhaben zurück zu weisen", ereiferte sich Dr. Martin Kohler von der Nürtinger Jägervereinigung als Gast der öffentlichen Sitzung mehrfach, "die Sache wurde sehr kontrovers diskutiert. Wir hatten uns über die Stilllegung gefreut". Generell hätten die Jäger wohl nichts gegen einen Dirtpark. Nur der Standort sei halt der falsche. Der war vor zwei Jahren aus der Mitte des Bempflinger Gemeinderats vorgeschlagen und beschlossen worden.

"Wir können stolz sein, dass es Jugendliche in der Gemeinde gibt, die noch was machen", stellte SPD-Gemeinderätin Sandra Maisch klar. Der Dirtpark auf dem ehemaligen Auffüllplatz in Kleinbettlingen sei das einzige Projekt, das bei der Jugendvollversammlung 2010 über einen Paten zustande kam. Dem Gemeinderat lagen in seiner Sitzung am Montag zur Genehmigung als Baugesuch ausgereifte Pläne vor. Die Maximalhöhen der Sprunganlagen werden eingehalten und von Seiten des Landratsamtes gebe es keine Beanstandungen, erklärte Hauptamtsleiter Michael Kraft. Das gemeindeeigene Gelände sei über einen Feldweg erschlossen, die ursprünglich angebrachten Holzaufbauten auf Anraten einer Sicherheitsfachkraft wieder entfernt worden.

Mit den Jägern habe man bei den Nutzungszeiten einen Kompromiss ausgehandelt, erinnerte Bürgermeister Bernd Welser: In den Sommermonaten ist die Anlage zwischen 8 Uhr und 20 Uhr geöffnet, zwischen Oktober und April von 10 bis 16 Uhr. Er werde weiterhin selbst draußen nach dem Rechten sehen, versprach Welser den Jägern: "Es darf keine offene Grillstelle entstehen". Die Anlage sei derzeit nicht gesperrt. "Ich habe Verständnis für die Position der Jäger. Es gab Verstöße gegen die Absprachen. Das wird man dauerhaft nicht in den Griff bekommen", so Welser, "wir sind von einer Befristung auf fünf Jahre ausgegangen. Wenn es keine ehrenamtliche Nachfolge gibt, wird der Dirtpark wieder zurück gebaut werden". Auch der Bürgermeister betonte: "Das wird alles auf ehrenamtlicher Basis erstellt. Es gibt für diese Zielgruppe am Ort keine Alternative."

Das nächstgelegene Übungsgelände ist der Dirtpark in Metzingen. Eine Initiative des Jugendgemeinderats und betrieben unter der Regie der Skizunft Metzingen. Der Metzinger Gemeinderat hatte für die Anlage seinerzeit Haushaltsmittel in Höhe von 60 000 Euro angesetzt. Ein Dutzend Jugendliche übernehmen hier Verantwortung. Der Metzinger Dirtpark wird derzeit umgestaltet und deutlich aufgewertet. Ein Kinder-Spielplatz kommt dazu. Eine Belebung des Geländes sei der beste Weg, um die Anlage vor Vermüllung und Vandalismus zu schützen, argumentierte Mathias Koch, Vorsitzender der Skizunft Metzingen, unlängst bei der Hauptversammlung des Albvereins.

Auch im benachbarten Eningen wird auf dem ehemaligen Auffüllplatz eine Bikeranlage gebaut. Eine Handvoll Rad-Artisten haben dem dortigen Gemeinderat unlängst ihre Bauarbeiten präsentiert: Aus gesponsertem Holz vom örtlichen Sägewerk, mit schwerem Gerät von den Deponiemitarbeiter unterstützt, mit Mitteln aus einem Banken-Wettbewerb für förderungswürdige Jugendinitiativen, jeder Menge Arbeit und erstaunlich viel Know-How entsteht unter der Achalm eine Anlage, die selbst den Räten den Atem verschlug. "Hier kann jeder rein, der Lust hat zu biken", versprach die Community, die selbstverständlich auf die Anziehungskraft auf Bike-Freaks von außen setzt.

Der Bempflinger Gemeinderat genehmigte den Bauantrag für den Dirtpark auf dem gemeindeeigenen Flurstück in Kleinbettlingen mit deutlicher Mehrheit. Die Zufahrt und die Einhaltung der Betriebszeiten soll stärker kontrolliert werden. Die Bempflinger Jugendlichen werden für ihr Projekt noch mehr Verantwortung übernehmen müssen und dafür jede Unterstützung brauchen.

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