Ins Leben zurück holen

Die Nachfrage ist da, nur das Angebot fehlt. Noch. Karin Beck und Karin Brodbeck wollen über die Dettinger Gabenbörse einen Besuchsdienst anbieten. Dafür suchen sie jetzt ehrenamtliche Mitarbeiter.

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Zuhören, ein Schwätzle halten, Binokel spielen, singen, spazieren gehen, Fotos anschauen, Geschichten vorlesen, nicht mehr einsam sein. Immer wieder bekommt Karin Beck, Organisatorin der Gabenbörse „Füreinander da sein – Verantwortung leben“ der evangelischen Kirchengemeinde Dettingen, Anfragen für einen Besuchsdienst. „Es ist nicht im Angebot und trotzdem wird es immer wieder nachgefragt“, sagt Karin Beck. „Da rufen meistens die Kinder für ihre Eltern an“, ergänzt Karin Brodbeck. Kinder, die weiter weg wohnen, die berufstätig sind und keine Zeit haben. „Es gibt so viele die alleine sind, durch einen Sturz nicht mehr mobil sind, aus dem Gemeindeleben verschwinden“.

Brodbeck ist seit einem halben Jahr in der Gabenbörse engagiert, übernimmt für Familien das Bügeln. Immer wieder hat sie im Ort ältere Menschen gesehen, die nur aus dem Fenster schauten, obwohl auf der Straße nichts geboten war, nur „damit sie überhaupt etwas sehen“. Dabei könnten diese Menschen so viel erzählen, Wissen weitergeben. Brodbeck fände es schade, wenn dieses Wissen verloren ginge und möchte nicht, dass der Briefträger oder der Werbeanruf das einzige sind, was die Menschen mit der Außenwelt verbindet.

Doch für einen Besuchsdienst fehlen die Mitarbeiter. Zwar sind aus den anfänglich 30 ehrenamtlichen Mitarbeitern 65 geworden, die Schnee schippen, einkaufen gehen, Hecken schneiden, Wäsche bügeln, auf die Katzen aufpassen, Briefe schreiben, gerade in der Weihnachtszeit. Die Mitarbeiter sind so eingespannt, dass sie nicht noch für den Besuchsdienst eingesetzt werden können. Und: „Die Liste könnte noch erweitert werden“, sagt Beck. In den fast zwei Jahren, die es die Gabenbörse gibt, gab’s 300 Anfragen.

Deshalb braucht die Gabenbörse weitere 20 ehrenamtliche Mitarbeiter, die mit einer Schulung speziell auf den Besuchsdienst vorbereitet werden. So viele auch deshalb, um die Wünsche und Bedürfnisse der zu Besuchenden abzudecken. Mit ihrem Angebot wollen sie nicht in Konkurrenz treten mit dem Besuchsdienst der evangelischen Kirche oder der „zeitintensiven Betreuung“ (ZiB) der Diakonie. „Der Besuchsdienst der evangelischen Kirche sieht den Bedarf auch, aber sie haben die Kapazität nicht“, sagt Beck. ZiB wiederum betreut diejenigen, die in der Pflegestufe sind.

Beim Besuchsdienst darf sich jeder engagieren. „Auch gerne Mütter mit ihren Kindern und Rentner“, sagt Beck. Sie sollten nur regelmäßig etwas Zeit erübrigen können. Ob das beispielsweise einmal die Woche, alle 14 Tage oder einmal im Monat ist, das können die Interessierten selber entscheiden, betonen Beck und Brodbeck. Denn Beck weiß: „Die meisten Leute sind dermaßen eingespannt, dass sie wenig Zeit und Energie haben.“ Ihnen ist es wichtig, dass sie für die Leute dasein können. Und: „Es ist auch für einen selbst ein Gewinn“.

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