Im Gewand der Kelten

Die Kelten müssen ein farbenliebendes Volk gewesen sein. Funde gut erhaltener Stoffe zeigen, dass sie ihr Leben bunt gestalteten. Am Heidengraben schneidert eine Gruppe keltische Gewänder.

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Dabei sein ist alles. Wenn die mit Schwertern bewaffnete und mit Helmen und Schilden bewehrte Kelten-Truppe gegen die disziplinierten römischen Einheiten kämpft, möchte der Erkenbrechtsweiler Klaus Beekmann in vorderster Linie stehen. Sein Gewand hat er schon, den geschmiedeten Helm auch, und damit die Eisenschale nicht auf den Schädel drückt, hat er sie innen mit weichem Leder gepolstert und dieses mit Nieten angeheftet. So, wie es vermutlich schon die Kelten taten. Ab und zu holt er sein Schwert aus der Scheide, hält es hoch, droht damit dem virtuellen Feind, um alsbald festzustellen, dass dies auf Dauer tüchtig ermüdet. Das Ding ist schwer.

Schwer, jedenfalls herzustellen, sind auch die Borten, die die keltischen Gewänder einsäumen. Sie sind ebenso bunt wie die aus Wolle gewebten Stoffe. Die Kelten mochten es bunt, je wohlhabender, desto farbenfroher kleideten sie sich. Das beweisen Funde aus dem Salzbergwerk Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut.

Die Kelten waren weit verbreitet. Portugal, Frankreich, Südostengland, halb Europa und deutsche Mittelgebirge haben sie besiedelt, etwa die Schwäbische Alb und insbesondere den Heidengraben zwischen Hülben, Erkenbrechtsweiler und Grabenstetten.

Beekmann ist nur eines von etwa 90 Mitgliedern eines Fördervereins ("FAKT"), der die keltische Vergangenheit wieder aufleben lassen möchte. Ein Höhepunkt im noch relativ jungen Vereinsleben wird ein großes Keltenfest auf dem Hülbener Flugplatzgelände am 22. und 23. September sein. Mit Showeinlagen, Keltenmarkt, keltischem Handwerk, keltischem Dorfleben. Und einem kleinen Gerangel zwischen keltischen Kriegern und römischen Soldaten. Und damit diese etwa 2500 Jahre zurückliegende Zeit möglichst wahrheitsgetreu dargestellt werden kann, schneidert, näht und webt derzeit eine Gruppe um die aus Hülben stammende Sigrid Kasparian und die in Grabenstetten lebende Ursel Bernlöhr. So ein Gewand schneidert sich nicht an einem Wochenende, sagen sie. Den Stoff beziehen sie in der Tuchweberei in Horb. "Baumwolle dürfen wir natürlich keine nehmen", sagt Sigrid Kasparian. Die kannten die Kelten am Heidengraben sicher nicht. Obwohl sie durchaus nicht weltfremd waren. Handelsbeziehungen nach Südfrankreich sind nachgewiesen, und offenbar schwärmten die Marketender dermaßen von der Region zwischen Marseille und den Pyrenäen, dass die Männer, Frauen und Kinder aus Riusiava (so soll die Stadt am Heidengraben geheißen haben) nach dem Süden auswandern wollten. Ein Führer der Helveten (zu denen das Volk auf der Schwäbischen Alb gehörte) namens Divico soll diesbezüglich in Genf mit Julius Caesar verhandelt haben. Das jedenfalls hat Klaus Beekmann recherchiert. Möglicherweise fließen diese Recherchen in ein Theaterstück ein, für das Ursel Bernlöhr gerne das Drehbuch schreiben würde, schließlich hat sie berufliche Erfahrung mit Musik, Tanz, Oper, Schauspiel.

In ihrem Haus in der Grabenstetter Schlossstraße ist übrigens die so genannte Keltennähstube. "Das Nähen ist es gar nicht", sagt sie. "Viel schlimmer ist die Borte." Die umsäumt das Gewand und muss gewebt werden. "Brettchenweben" ist der korrekte Ausdruck dafür. Das muss man unter Anleitung üben, zwei, drei Übungstage braucht man schon. Und wenn man dann anfängt, die ersten Zentimeter selbst zu weben, artet das schon in echte Arbeit aus: "Nach dreieinhalb Stunden sind die Leute bedient", sagt Ursel Bernlöhr. Und wehe, man macht einen Fehler.

Für drei unserer Leser wird Sigrid Kasparian einen Brettchenwebkurs anbieten. In Form eine Workshops am ersten September-Wochenende. Damit können diese ein zuvor genähtes Gewand bestücken, und noch viel schöner: Sie können sich beim großen Keltenfest unters bunte Völkchen mischen. Übrigens sucht das FAKT-Team Interessierte, die als Statisten mit von der Partie sein wollen. Wer nicht zum erlauchten Kreis derer gehört, die mit eigens gewebter Borte in den Adelsstand der Kelten erhoben wird, kann sich, wie Klaus Beekmann verrät, auch im Internet mit Kleidung und Waffen, mit Helm und Schild eindecken. Wer freilich auf sich hält, näht und webt selbst, bewirbt sich um einen kostenlosen Kurs bei Sigrid Kasparian und richtet bis 9. August ein Schreiben an unsere Zeitung mit dem Stichwort "Kelten". Die Anschrift lautet: 72555 Metzingen, Hindenburgstraße 6.

Keltenfest am 22. und 23. September

Samstag, 16 bis 24 Uhr

- historische Showeinlagen
- großer Keltenmarkt
- keltisches Dorfleben
- Kinderprogramm
- Höhepunkt des Tages: riesiges keltisches Höhenfeuer mit spektakulären Illumninationen

Sonntag, 11 bis 19 Uhr

- Familientag
- großer Keltenmarkt
- keltisches Dorfleben
- keltisches Handwerk
- Kinderprogramm
- Höhepunkt des Tages: Darbietung historischer Kämpfe zwischen Kelten und Römern

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