Holzmacher fordern Kompromiss

Der Dettinger Brennholzstreit glimmt weiter: Holzverarbeiter haben nun eine Interessengemeinschaft gegründet. Sie fordern einen Runden Tisch. Die Verwaltung indes bleibt dabei - größere Lager sollen weichen.

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  • Holz und kein Ende: Solche Bilder sind auf den Wiesen rund um Dettingen keine Seltenheit. Fotos: Thomas Kiehl/Christina Hölz 1/2
    Holz und kein Ende: Solche Bilder sind auf den Wiesen rund um Dettingen keine Seltenheit. Fotos: Thomas Kiehl/Christina Hölz
  • Enttäuscht über die Haltung der Verwaltung: Ulrich Hövemeyer und Ralf Kirchner. 2/2
    Enttäuscht über die Haltung der Verwaltung: Ulrich Hövemeyer und Ralf Kirchner.
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Die Enttäuschung sitzt tief bei Ulrich Hövemeyer: "Wir machen seit Jahrzehnten Holz und nie hat es Ärger gegeben. Jetzt plötzlich sollen wir unsere Bestände nicht mehr auf der Gemarkung des Ortes lagern dürfen. Das verstehe ich nicht", sagt der Dettinger.

Vor einigen Tagen hat Ulrich Hövemeyer Post aus dem Rathaus bekommen: Er möge doch bitte seine "unzulässigen Lagermengen" an Holz im Außenbereich beseitigen, fordert die Verwaltung. Ein ähnliches Schreiben ging an knapp eine Handvoll weiterer Dettinger Holzmacher. Sie alle seien von der Gemeinde als "Großgewerbliche" eingestuft worden: "Dabei machen alle ihr Holz nur nebenher", betont Ulrich Hövemeyer.

Brennholzdebatte und kein Ende: Wie mehrfach berichtet, möchte die Gemeinde seit einiger Zeit die Holzlager auf Streuobstwiesen und Äckern einschränken. Toleriert werden fortan nur noch 30 Festmeter pro Wiese. Das sei die Menge für den Hausgebrauch und reiche für Privatleute, argumentiert die Verwaltung, die sich in dieser Sache mit dem Landratsamt abgestimmt hat. Gleichwohl suchen die Gemeindevorderen nach einem Standort für kleinere Nebengewerbliche, die sich mit Holzverarbeitung in geringerem Umfang ein wenig Geld dazu verdienen wollen. Im Gespräch ist die ehemalige Deponie im Wachtertal. Bürgermeister Michael Hillert hat sich allerdings entschieden dagegen ausgesprochen, größeren Holzhändlern einen Platz in Dettingen anzubieten. "Dem Ort fehlen die Gewerbeflächen für diese Klientel" , sagte Hillert, der die "Großen" an andere Kommunen verweist.

Doch wer gehört zu diesen ganz großen Holzverarbeitern? Etwa 500 Raummeter Holz macht Ulrich Hövemeyer im Jahr, sagt er. Er lagert dieses Material auch auf seinen Wiesen. Zu den professionellen Holzhändlern zähle er sich deswegen nicht, so der Dettinger.

Genauso wenig wie Ralf Kirchner, der noch weniger Brennholz einschlägt als es Höveymeyer tut, dem die Sache aber ebenfalls am Herzen liegt: Die beiden sind die Sprecher einer Interessengemeinschaft in Sachen Holz. Die hat sich unlängst formiert, 30 Leute seien zum ersten Treffen gekommen. Und die Gruppe fordert einen Runden Tisch mit den Verantwortlichen im Rathaus: "Wir haben schon mehrfach um ein Gespräch gebeten, aber bislang ist niemand auf uns zugekommen".

Es gehe nicht darum, viel Wind zu machen. "Wir wollen eine gütliche Lösung mit der Gemeinde finden", sagt Ralf Kirchner. Denn ihre Form der Holzverarbeitung sei kein Fall für auswärtige Gewerbeflächen, betonen die Männer. "Natürlich verkaufen wir unser Holz, aber wir versorgen damit viele Dettinger, weil immer mehr Leute mit Brennholz heizen".

Ralf Kirchner etwa ist selbst seit vielen Jahren Holzmacher. Mittlerweile helfen auch seine beiden Söhne mit. "Aber mehr als ein Zubrot ist da nicht drin, schließlich müssen wir auch den Schlepper und andere Geräte bezahlen."

Die beiden Männer fühlen sich ungerecht behandelt. Auch, weil sie ihr Holz aus kommunalen Wäldern beziehen, oft sogar bei der Gemeinde Dettingen kaufen und auf dem regionalen Markt veräußern. "Sollen die Leute hier lieber auf Rohstoffe aus Rumänien zurückgreifen", fragt sich Ulrich Hövemeyer. Obendrein seien es die mitunter die Holzmacher, die Wälder und Wiesen pflegten, fügt Ralf Kirchner an.

Dass den Gemeindevorderen und auch einigen Bürgern die vielen Holzstapel rund um Dettingen nicht gefallen, leuchtet den beiden ein. Aber ihrer Meinung nach ist ein Kompromiss angesagt - und diesen möchten die Holzmacher beim Runden Tisch mit der Verwaltung vorschlagen: "Wir sind generell bereit, ein paar Raummeter weniger Holz zu verarbeiten", erklärt Ulrich Hövemeyer. Er und Ralf Kirchner favorisieren einen gemeinsamen, kommunalen Holzlagerplatz.

Im Gegenzug müssten auch die Holzmacher einiges dazu tun: Etwa Straßen und Feldwege nach der Arbeit reinigen, auf ihren Wiesen kleinere Holzstapel bauen, diese nicht mit Folien abdecken oder gar provisorische Schuppen bauen: Kirchner:"Das sieht schlampig aus."

Michael Hillert indes bleibt dabei: "Im Gespräch zu verhandeln ist für mich allenfalls der Zeitrahmen, in dem größere Holzmacher ihre Lager zu verkleinern haben", unterstreicht er. Der Bürgermeister verweist auf den Besuch von Dr. Claudius Müller im Gemeinderat: Im Oktober hatte der Ordnungsdezernat des Landkreises dargelegt, dass laut Landesbauordnung lediglich "20 bis 30 Festmeter Holz pro Wiese" erlaubt seien. Das störe das Landschaftsbildes nicht.

"Es besteht kein Ermessensspielraum", urteilt Walter Schwenkedel vom zuständigen Dettinger Baurechtsamt. Der Verwaltung sei wohl bekannt, wer im Ort zu den größeren Holzverarbeitern gehöre. "Da diskutieren wir jetzt nicht länger, sondern gehen einfach den formalen Weg. Notfalls muss das Verwaltungsgericht entscheiden."

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