Holz, Kunststreit und der Fortschritt

Nein, es handelt sich nicht um ein zweites Heimatbuch. Auch nicht um alte Ortsansichten. Der neue Dettinger Bild- und Textband rückt den Wandel ins Licht: Die Gemeinde und der Fortschritt von 1990 bis heute.

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Der Arbeitskreis Kultur der Gemeinde Dettingen hat das neue Buch über den Ort auf den Weg gebracht. Vordere Reihe von links: Regine Ries, Albrecht Arnold, Anke Adametz-Leichtle. Hintere Reihe v. links: Stefanie Rapp, Sabine Makram, Praktikant Tim Bahnmüller, Frieder Scheiffele, Bürgermeister Michael Hillert.  Foto: 

Mit der Geschichte ist es so eine Sache. Sie lässt sich staubtrocken herunterleiern, erzählen wie ein Krimi und manchmal auch in fluffig-luftigen Häppchen verabreichen - wie ein Stück Sahnebaiser. Am besten gelingt das, wenn Menschen und ihre Eigenarten ins Spiel kommen. Wenn aus puren historischen Fakten Alltagsgeschichte mit regionalem Anstrich entsteht

Einer, der Dettingen und die Dettinger schon lange beobachtet, und dabei die historischen Zusammenhänge im Kopf hat, ist Albrecht Arnold: Langjähriger Graphiker in der Ermsgemeinde, Hobby-Historiker, ehrenamtlich im Heimatmuseums-Team engagiert. "Ein Glücksfall für Dettingen", sagt CDU-Gemeinderat Frieder Scheiffele. "Einer, der die gesellschaftliche Entwicklung im Ort mit Distanz erklären, aber auch augenzwinkernd unter den Leser bringen kann", sagt Bürgermeister Michael Hillert.

Die Verantwortlichen bei der Verwaltung haben deswegen nicht lange überlegt, als es darum ging, wieder ein geschichtliches Werk herauszubringen. Albrecht Arnold sollte für die Texte im neuen Dettinger Bildband verantwortlich zeichnen. Momentan stecken der Autor und die Redaktion mitten in der heißen Schlussphase. Der Arbeitskreis Kultur der Gemeinde (siehe unser Foto) hat den Band auf den Weg gebracht, in vielen Sitzungen das Material gesichtet, die Themen und die Fotos ausgewählt.

"Dettingen an der Erms: Gestalteter Wandel von den 1990er Jahren bis 2014", heißt das neue Buch. Beim Dettinger Weihnachtsmarkt im Dezember können es Interessierte erstmals erwerben: 192 Seiten ist es dick und in vier Farben gedruckt. Die Macher haben es ausgestattet mit vielen Bildern der Landschaft rund um Dettingen, der Besonderheiten des Ortes und der Menschen, die ihn prägen.

Mit der Kamera unterwegs waren unser SÜDWEST PRESSE-Fotograf Thomas Kiehl, Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, Dettinger Bürger und Albrecht Arnold selbst. Dem Autor ist beim Recherchieren nochmals richtig bewusst geworden, wie viel sich in Dettingen seit 1990 verändert hat, erzählt er. Damit meint Albrecht Arnold nicht einmal den die Gemeinde prägenden Bau der Ortsumfahrung 1989 (der ja noch im Heimatbuch von Fritz Kalmbach aufgegriffen wurde), sondern vor allem den Wandel des täglichen Lebens.

"Wir hatten in den vergangenen 25 Jahren mehr gesellschaftliche Veränderungen als in den Jahrzehnten davor", sagt der Lokalhistoriker. Und zählt auf: Das Internet ("das auch in Dettingen für weniger Briefkästen sorgte"), neue Bestattungsformen mit Urnengräbern ("in Dettingen gibt es auch Beerdigungen nach muslimischem Ritus"), die Herausforderungen in Sachen Kinderbetreuung.

Oder: Die Folgen der Asylpolitik für den Ort, diverse Renaturierungsprojekte, der Fall großer Firmen wie der Weberei Eisenlohr. Im Gegenzug der Aufstieg des Automobilzulieferers Elring-Klinger. Mehr Gewerbeflächen mussten her. Wirtschaftswunder im Vogelsang.

Dettingen - einst Bauernflecken, heute Boom-Gemeinde? Wie dem auch sei, die im Buch skizzierte Zeit von 1990 bis heute darf wohl als eine Ära des Fortschritts bezeichnet werden. "Es war enorm, was die Gemeinde meistern musste", urteilt Albrecht Arnold. Er richtet den Blick aber längst nicht nur auf kommunale Vorhaben, sondern hält seinen Mitbürgern auch mal den Spiegel vor. Dettingen-Typisches, wie etwa die jüngste Debatte über die Holzlager, findet sich ebenfalls in dem Bildband wieder. Oder der Streit um das geplante Kunstwerk am Kreisverkehr: "Manches darf man auch ein bisschen ironisch zuspitzen".

Klar, dass auch die Errungenschaften der Vereine ihren Platz bekommen: Die Ziegenweide am Calverbühl, der Bienenlehrpfad, die Neubauten der TSVler und der Vogelzüchter - alles nachzulesen.

Kurz, es geht um "Historie zum Anfasssen", das sei der Wunsch auch aus der Mitte des Gemeinderates gewesen, so Bürgermeister Michael Hillert, der Geschichtsprojekte auch als Aufgabe der Kommunen sieht. "Das stiftet Identität."

Info Der neue Bild- und Textband über die Gemeinde Dettingen erscheint zum Weihnachtsmarkt und kostet 24 Euro.

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